Wo Absolventen des Beruflichen Gymnasiums bei Krüger arbeiten wollen
Wirtschaft oder Verwaltung?

Lotte -

Gute Fachkräfte sind gefragt. Das gilt auch fürs Rathaus der Gemeinde Lotte, wo Bürgermeister Rainer Lammers mehr Leute braucht, aber immer öfter Mitarbeiter abgeworben werden. Könnten da Absolventen des Gymnasiums für Wirtschaft und Verwaltung an den privaten Schulen Krüger in Wersen eine Lösung sein? Wo sehen die Schüler ihre Perspektiven?

Mittwoch, 13.11.2019, 18:20 Uhr
Etwas bewegen wollen diese Schüler des Fachgymnasiums an den privaten Schulen Krüger in Wersen. Henri Laberg, Madita Hansen, Jonas Kühn, Nick Abrams, Theodor Knöbig, Dennis Heveschi, Caroline Braun und Henriette Kientz (von links).
Etwas bewegen wollen diese Schüler des Fachgymnasiums an den privaten Schulen Krüger in Wersen. Henri Laberg, Madita Hansen, Jonas Kühn, Nick Abrams, Theodor Knöbig, Dennis Heveschi, Caroline Braun und Henriette Kientz (von links). Foto: Angelika Hitzke

Nicht nur in der Gemeindeverwaltung dreht sich das Personalkarussell immer schneller. So stießen in den vergangenen Jahren neben Wirtschaftsförderin Joana Watermeyer und Klimaschutzmanager Marc-Philipp Nikolay unter anderem Umweltbeauftragte Ursula Wilm-Chemnitz, vorher bei der Stadt Tecklenburg, Hauptamtsleiterin Petra Tepe, vorher in der Gemeindeverwaltung Wallenhorst, und Bauamtsmitarbeiterin Margarete Lersch, vorher bei der Kreisentwicklung Düren, neu hinzu. Umgekehrt wanderten aus Lotte unter anderem ein Gärtner und nun auch der Klärwerksleiter in andere Kommunen ab, sodass derzeit auch die Stelle eines Abwassermeisters ausgeschrieben ist. Die Gemeinde Wallenhorst sucht aktuell eine Fachkraft für IT-Service und einen Techniker der Fachrichtung Tiefbau.

„Das wird zunehmend zum Problem“, sagt beispielsweise Wallenhorsts Bürgermeister Otto Steinkamp . Zum einen gebe es zu wenig Bewerber, zum anderen lasse die Qualität der Bewerber nach: „Und wir sind gerade erst am Beginn des Fachkräftemangels“, verweist Steinkamp auf die geburtenstarken Jahrgänge in den Amtsstuben, die in den nächsten Jahren in den Ruhestand gehen.

Wie seine Kollegen Rainer Lammers in Lotte, Holger Elixmann in Hasbergen oder Eugen Görlitz in Dissen weiß auch Otto Steinkamp: „Der öffentliche Dienst ist bezüglich der finanziellen Rahmenbedingungen nicht so attraktiv wie die freie Wirtschaft.“ Konnten Verwaltungen früher noch mit der Arbeitsplatzsicherheit, Pensionen und Unkündbarkeit im Beamtenstatus locken, wüssten gute Fachkräfte heute, dass sie jederzeit wieder einen anderen Job finden würden. Punkten könnten die Rathäuser allenfalls mit anderen Rahmenbedingungen wie Betriebsklima, flexiblen Arbeitszeiten und Teilzeitarbeit, meint Steinkamp.

„Im Grunde muss man selber ausbilden“, sagt Hasbergens Bürgermeister Elixmann. Er hebt als Vorteile im öffentlichen Dienst neben Arbeitsplatzsicherheit und Heimatnähe die „hervorragenden Sozialleistungen“ hervor.

„Wir haben tatsächlich Probleme, Leute einzustellen“, sagt der Dissener Bürgermeister Eugen Görlitz. Unerlässlich sei, potenziellen neuen Mitarbeitern unbefristete Verträge mit guter Gehaltsstruktur und flexiblen Arbeitszeiten zu bieten.

„Wie sehen das die Fachkräfte von morgen? Henri Laberg (18), Nick Abrams (18), Theodor Knöbig (18), Caroline Braun (16) und Henriette Kientz (16) besuchen das Berufliche Gymnasium für Wirtschaft und Verwaltung an den privaten Schulen Krüger in Lotte-Wersen. Und zwar ganz bewusst und „aus freien Stücken“, wie etwa Nick und Henriette betonen.

„Meine Schwester war auch schon hier. Der Wirtschaftsunterricht ist extrem praxisgetrieben. Man bekommt auch Einblicke in volkswirtschaftliche Zusammenhänge und erfährt zum Beispiel etwas über die Europäische Zentralbank“, meint Nick.

Henriette berichtet, dass sie sich schon vorher für Management interessiert habe. Sie habe sich wegen des Schulkonzeptes „ohne Kunst und Musik“, dafür aber mit Wirtschaft und Mathematik für diese Schule entschieden: „Ich wollte gucken, ob mir das wirklich so gefällt“, sagt sie. Die Elftklässlerin ist zwar erst seit August dabei, aber sehr angetan. Nach dem Abi möchte sie am liebsten Betriebswirtschaft und Management studieren und später „im kaufmännischen Bereich“ arbeiten.

Für Henri, der in der Schule eine „sehr gute Vorbereitung aufs Studium“ sieht, kommt eine Verwaltungslaufbahn als Berufsperspektive nicht in Frage: „Für mich steht und fällt alles mit der Herausforderung. 40 Jahre mehr oder weniger das Gleiche zu machen, ist eher für Gewohnheitsmenschen eine Option. Ich bevorzuge Leistungsorientierung. Da arbeitet man vielleicht mehr, aber freier, und hat die Aussicht, was zu erreichen, womit man unabhängiger wird.“

Theodor, Henriette oder Caroline tendieren eher zu mehr Risiko, dafür aber mehr Eigenständigkeit in der freien Wirtschaft, als zum öffentlichen Dienst. Der finanzielle Aspekt sei zwar nicht unwichtig, gebe aber nicht den Ausschlag: „Ich finde Teilzeit schon sympathisch, aber man verdient dann auch weniger“, sagt Henriette zum Thema flexible Arbeitszeiten. Caroline erklärt, dass ihr hier in der Schule erst klar geworden sei, dass der Spaß am Beruf wichtiger sei als das Geld: „Ich denke, so lange man Spaß daran hat, kann man das auch mit der Familie vereinbaren.“

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