Hochwasserschutzwall in Wersen wird abgetragen und neu aufgebaut
Deich durchwurzelt und undicht

Lotte -

Breiten Raum im Verkehrs- und Umweltausschuss der Gemeinde Lotte nahm am Donnerstag die Ertüchtigung des Hochwasserschutzwalls an der Halener Straße ein. Wie Bauamtsleiterin Astrid Hickmann zur Einführung erklärte, wurde entgegen der üblichen Vorgehensweise auf einen Vorentwurf verzichtet und dem Ausschuss die Ausführungsplanung direkt zur Beratung vorgelegt, weil die Ertüchtigung des Hochwasserschutzwalles eine rein technische Planung sei, die keinen Gestaltungsspielraum lasse.

Freitag, 15.11.2019, 16:30 Uhr aktualisiert: 15.11.2019, 16:32 Uhr
Zu niedrig und aufgrund der Durchwurzelung des Bewuchses durchlässig ist der Deich östlich der Halener Straße und nördlich des Markant-Marktes.
Zu niedrig und aufgrund der Durchwurzelung des Bewuchses durchlässig ist der Deich östlich der Halener Straße und nördlich des Markant-Marktes. Foto: Angelika Hitzke

Warum eine Reparatur und die bereits im vergangenen Frühjahr vorgenommene Rodung des Baumbestandes nicht ausreichen, um den Hochwasserschutz sicherzustellen, verdeutlichte Mirko Kliesener vom Ingenieurbüro Technaqua in seinen Erläuterungen zur Ausführungsplanung. Er erinnerte zunächst daran, dass der Wall zum Schutz vor einem Jahrhundert-Hochwasser der Düte gleichzeitig mit einer Erhöhung des Geländes für das damalige Bau- und heutige Wohngebiet Brookwiesen Nord angelegt wurde. Das Gelände des Wohngebietes wurde entsprechend der Plangenehmigung von 1989 auf 56,30 Meter über Normalnull (mNN, heutige Bezeichnung: Normalhöhennull) aufgeschüttet. Der 170 Meter lange Deich entlang der Halener Straße wurde mit einer Kronenhöhe von 56,60 mNN angelegt, sodass er einen halben Meter über dem als Bemessungsgrundlage dienenden Wasserspiegel des Extrem-Hochwassers von 1946 lag.

Im Rahmen der vorläufigen Sicherung des Überschwemmungsgebietes der Düte im Jahr 2016 wurde festgestellt, dass die Deichanlage übermäßig stark bewachsen, durchwurzelt und zum Teil von Nagetieren ausgehöhlt ist. Außerdem hat der Wall an einigen Stellen nicht mehr die erforderliche Höhe: Er ist laut Erläuterungsbericht um bis zu 40 Zentimeter zu niedrig. „Während zum Zeitpunkt seiner Genehmigung Bewuchs zur Stabilisierung gewünscht war, wird Baum- und Strauchbestand auf Hochwasserschutzanlagen mittlerweile als unzulässig angesehen“, erklärte Kliesener.

Was die fehlenden Zentimeter im Hochwasserfall ausmachen können, führte der Wasserbauingenieur mit Computersimulationen für verschiedene Szenarien vor Augen: Im Extremfall wäre das Wohngebiet Brookwiesen Nord zu zwei Dritteln überflutet. Denn der Durchlass am Pumpwerk Halener Straße, wo der Bach am Nordrand der Siedlung die Straße unterquert und in die Düte mündet, wird bei Hochwasser automatisch verschlossen, sodass sich sein Wasser in Stiegemeyers Wiese zurückstaut. Käme dann noch eine Überflutung der Deichkrone und der Halener Straße hinzu, stiege das Wasser sehr schnell auch über das Niveau des aufgeschütteten Geländes.

Da für den Wall nicht verdichtungsfähiges Material wie Gesteinsbruch, Bauschutt, Schotter und Kies verwendet worden sei, müsse er jetzt von Grund auf erneutert werden, betonte Kliesener: „Es reicht nicht, den Bewuchs zu entfernen und Boden aufzufüllen.“ Das bedeute, dass auf den 170 Metern insgesamt rund 600 Kubikmeter Boden bewegt werden müssten: „Es ist vorgesehen, bis auf die tragfähige Bodenschicht auszukoffern, in der Mitte eine Folie zur Abdichtung einzubringen, mit Oberboden aufzufüllen und mit Gras einzusäen“, erklärte er. Die Brutto-Baukosten dafür schätzte er auf 80 000 Euro. Mit der Ertüchtigung des Deichs gewinne die Gemeinde zweierlei, nämlich Hochwasserschutz nach dem aktuellen Stand der Technik und Flexibilität für die künftige Flächennutzungsplanung, da dann der Bereich westlich der Halener Straße aus dem Überschwemmungsgebiet herausgenommen werden könnte.

„Wir werden zustimmen müssen“, sagte Grünen-Fraktionschef Dieter Hörnschemeyer mit Blick auf den Schutz der Siedlung. Als „alternativlos“ bezeichnete auch Hermann Brandebusmeyer für die SPD die Planung. Friedhelm Pösse (FDP) und Werner Schwentker (CDU) signalisierten ebenfalls die Zustimmung ihrer Fraktionen.

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