Schwierige Zeiten für Waldbauern
Preise fallen – Bürokratie nimmt zu

Westerkappeln/Lotte/Mettingen/Recke -

Bei der Hauptversammlung der Forstbetriebsgemeinschaft Schafberg (FBG) im „Alten Gasthaus Schröer“ hatte Vorsitzender Heinz-Hermann Spieker am Mittwochabend wenig Positives zu vermelden. Sicher ist nur: die Preise sind gefallen und die Bürokratie wird zunehmen.

Donnerstag, 21.11.2019, 21:00 Uhr
Bei dieser Buche an der Ibbenburener Straße in Mettingen sind die Folgen des Trockenheitsstress‘ deutlich zu erkennen: Die Belaubung in einer Kronenhälfte fehlt, der Laubabwurf erfolgte bereits im Sommer. Im Wald könnte sie als Spechtbaum stehen bleiben, der Eigentümer könnte sogar Fördermittel beantragen. An dieser Stelle besteht jedoch Verkehrssicherungspflicht, der Baum muss weichen.Die Bedingungen in der Förderlandschaft werden sich ändern, darüber wie man in Zukunft damit umgehen wird informierten (von links) Heinz Hermann Spieker, Vorsitzender FBG, Tobias Rüdel, Dienstleistungsstelle für Land und Forst (NLF GmbH), Adalbert Koch, Fachgebietsleiter Privat- und Körperschaftswald sowie Revierleiter der FBG Schafberg
Bei dieser Buche an der Ibbenburener Straße in Mettingen sind die Folgen des Trockenheitsstress‘ deutlich zu erkennen: Die Belaubung in einer Kronenhälfte fehlt, der Laubabwurf erfolgte bereits im Sommer. Im Wald könnte sie als Spechtbaum stehen bleiben, der Eigentümer könnte sogar Fördermittel beantragen. An dieser Stelle besteht jedoch Verkehrssicherungspflicht, der Baum muss weichen.Die Bedingungen in der Förderlandschaft werden sich ändern, darüber wie man in Zukunft damit umgehen wird informierten (von links) Heinz Hermann Spieker, Vorsitzender FBG, Tobias Rüdel, Dienstleistungsstelle für Land und Forst (NLF GmbH), Adalbert Koch, Fachgebietsleiter Privat- und Körperschaftswald sowie Revierleiter der FBG Schafberg Foto: Chrstian Rebitz

Die Zeiten, als ein Stück Wald noch eine sichere Bank war, sind offenbar vorbei: Ein deutlicher Abwärtstrend am Holzmarkt, gestresste Bäume, der Borkenkäfer und eine aufwendigere Förderkulisse machen den Waldbauern derzeit das Leben schwer.

Bei der Hauptversammlung der Forstbetriebsgemeinschaft Schafberg (FBG), in der sich Waldbesitzer aus Westerkappeln, Lotte, Mettingen und Recke zusammengeschlossen haben, im „Alten Gasthaus Schröer“ hatte Vorsitzender Heinz-Hermann Spieker am Mittwochabend denn auch wenig Positives zu vermelden. Sicher ist nur: die Preise sind gefallen und die Bürokratie wird zunehmen, denn die Waldbesitzer sind angehalten, Fördermittel in Zukunft direkt zu beantragen.

Damit die bürokratische Hürde möglichst klein bleibt und die Mitglieder weiterhin in der Abwicklung durch die FBG unterstützt werden können, wurde die Satzung geändert. Die Antragstellung kann so über die FBG erfolgen und wird an die Dienstleistungsstelle der Naturstoffzentrale Land und Forst (NLF) GmbH weitergeleitet. Aus Haftungsgründen hat der FBG-Vorstand sich außerdem versichert – falls mal eine Förderung nicht gewährt wird.

Zu den Änderungen der Förderkulisse gesellen sich weitere Belastungen. Große Hitze und wenig Regen in den vergangenen zwei Jahren haben viele Bäume schwer in Mitleidenschaft gezogen. „Die Bäume werfen ihr Laub viel zu früh ab, teils bereits im Sommer“, berichtet FBG-Revierleiter Christian Rebitz.

Dieser Trockenheitsstress schwächt die Bäume, sie bilden kaum noch Harz, Schadinsekten breiten sich aus. – Der bekannteste: Der Borkenkäfer. Er legt ein Labyrinth von Gängen unter der Rinde an, beschädigt das Kambium und unterbricht damit die Nährstoffversorgung. Der Baum stirbt ab.

Neben dem Ertragsausfall kommt für den Waldbesitzer noch die Nachsorge und die Verkehrssicherungspflicht dazu: An Straßen muss der Eigentümer dafür Sorge tragen, dass durch herabfallende Äste oder Umsturz niemand gefährdet wird.

Die Bedingungen in der Förderlandschaft werden sich ändern, darüber wie man in Zukunft damit umgehen wird informierten (von links) Heinz Hermann Spieker, Vorsitzender FBG, Tobias Rüdel, Dienstleistungsstelle für Land und Forst (NLF GmbH), Adalbert Koch, Fachgebietsleiter Privat- und Körperschaftswald sowie Revierleiter der FBG Schafberg.

Die Bedingungen in der Förderlandschaft werden sich ändern, darüber wie man in Zukunft damit umgehen wird informierten (von links) Heinz Hermann Spieker, Vorsitzender FBG, Tobias Rüdel, Dienstleistungsstelle für Land und Forst (NLF GmbH), Adalbert Koch, Fachgebietsleiter Privat- und Körperschaftswald sowie Revierleiter der FBG Schafberg. Foto: Astrid Springer

Darüber hinaus ist er angehalten, die Ausbreitung des Borkenkäfers, zu unterbinden. Für diese Arbeit gibt es Fördermittel. Diese decken allerdings nur etwa ein Viertel der Kosten und müssen im Vorfeld beantragt werden.

Für die im Sommer betroffenen Waldbesitzer heißt das: Nachträglich gibt es kein Fördergeld mehr für die Maßnahme. Immerhin konnten die Forstleute für das Fichtenholz im Sommer noch deutlich bessere Preise erwirtschaften.

Vom Borkenkäfer befallene Stämme müssen schnell vermarktet werden, Reste sollten zeitnah aus den Wäldern verschwinden. Mangelnde Logistikkapazitäten eröffnen inzwischen ungewöhnliche Maßnahmen: Befallenes Kronenmaterial darf nach Anzeige bei den Behörden an Ort und Stelle verbrannt und wochenlang lagernde Stämme als Notmaßnahme begiftet werden.

Zudem sind die Holzpreise in den vergangenen Monaten in den Keller gerauscht. Konnte man 2018 noch 70 Euro für den Festmeter Fichte erzielen, sind es in diesem Jahr nur noch gut 40 Euro – abzüglich der Unternehmer- und Beraterkosten. Das Fichtenholz geht vermehrt per Container nach China.

Bei den anderen Holzarten sieht es nicht viel besser aus. Der Pappelpreis orientiert sich inzwischen am Fichtenpreis, Buche geht vornehmlich als Kaminholz über den Tisch. Industrieholz bringt es noch auf 20 Euro pro Raummeter, Spanholz bleibt mit zwölf Euro Festmetererlös unter den Kosten für die Bereitstellung zurück. „Wir sind quasi in der Situation, dass wir unser Holz entsorgen müssen“, stellte Heinz Hermann Spieker fest.

„Die Zeiten, als man erst einmal einschlug und sich später um eine Vermarktung kümmerte, sind definitiv vorbei“, weiß auch Tobias Rüdel von der NFL. Die Abnehmer seien anspruchsvoller geworden, erwarteten einheitliche Stammdurchmesser und -längen.

Allein die Eiche ist am Markt mit durchschnittlich 150 bis 180 Euro pro Festmeter preisstabil. Und am Brennholzmarkt lässt sich noch ein akzeptabler Gewinn erzielen. Hier liegen die Preise bei etwa 60 Euro pro Festmeter oder 38 Euro pro Raummeter.

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Die Forstbetriebsgemeinschaft Schaftberg versteigert auch in diesem Jahr wieder Kaminholz. Die Auktion findet am Samstag, 30. November, im Westerkappelner Schulzentrum statt. Los geht es um 10.30 Uhr. Zum Aufwärmen gibt es einen Glühweinstand.

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