Ärger in Lotte über Brandschutzauflagen für hohe Gebäude
Das kann teuer werden

Lotte -

Beunruhigt sind derzeit einige Eigentümer von über vierstöckigen Gebäuden in der Gemeinde Lotte: In einem Schreiben des Bauordnungsamtes des Kreises Steinfurt sei ein Bürger aufgefordert worden, innerhalb weniger Wochen einen zweiten Rettungsweg zu schaffen, da die Lotter Feuerwehr über keine Drehleiter verfüge. Anderenfalls müssten die drei oberen Etagen des siebenstöckigen Hauses in Büren geräumt werden.

Donnerstag, 21.11.2019, 18:36 Uhr aktualisiert: 21.11.2019, 18:46 Uhr
Eine Außentreppe als zweiten Rettungsweg anbauen lassen soll der Eigentümer dieses insgesamt siebenstöckigen Hauses an der Straße Im Rowenhardt in Büren.
Eine Außentreppe als zweiten Rettungsweg anbauen lassen soll der Eigentümer dieses insgesamt siebenstöckigen Hauses an der Straße Im Rowenhardt in Büren. Foto: Angelika Hitzke

Das berichtete CDU-Ratsherr Hartmut Meyer in einer der vergangenen Ratssitzungen und bat um Erläuterungen dazu. Ordnungsamtsleiterin Esther Kleina-Metelerkamp antwortete darauf, dass das Kreisbauamt bezüglich des Brandschutzes insbesondere „illegale“ Ausbauten überprüfe. Zuständig sei aber ausschließlich der Kreis Steinfurt. Die Verwaltung der Gemeinde Lotte beabsichtige nicht, sich mit Konsequenzen zu beschäftigen, die aus dem Errichten von „Schwarzbauten“ entstanden seien.

Wie aus verschiedenen Quellen zu erfahren war, erhielt der in Neuenkirchen-Vörden wohnende Besitzer eines Mehrfamilienhauses in Sichtweite der Grenze zur Stadt Osnabrück besagtes Schreiben, möchte aber nicht namentlich genannt werden und sich dazu nicht äußern. Einer seiner langjährigen Mieter ist der Bürener Taucher und Unterwasserfotograf Udo Kefrig . Er weist darauf hin, dass es sich bei dem Gebäude nicht um ein Hochhaus handele, obwohl es landläufig so genannt werde. Denn das 1967 in Stahlbetonbauweise in seiner heutigen Höhe und Gestalt errichtete Gebäude sei unter 21 Meter hoch. Von nachträglichen, gar illegalen Ausbauten könne hier keine Rede sein.

Kefrig regt sich, ganz solidarisch mit seinem Vermieter, nicht nur über die kurze Fristsetzung und die Drohung mit der Stilllegung dreier Stockwerke auf, sondern auch darüber, dass „für eine halbe Million Euro“ ein Treppenturm außen drangesetzt werden solle: „So ein Unsinn“, ereifert er sich und erzählt, dass er noch Fotos von einer Feuerwehrübung vor einigen Jahren habe, bei der als zweiter Rettungsweg neben der Innentreppe eine Leiter zum Einsatz kam: „Das ist prima gelaufen, die Feuerwehr kam überall gut dran!“

Klaus Schürkamp, der von seinem Vater die beiden über viergeschossigen Häuser am Berliner Platz in Büren übernommen hat, kann ebenfalls nur den Kopf schütteln. Er selbst habe noch keinen entsprechenden Brief vom Kreis bekommen, berichtet er auf Nachfrage und räumt ein, dass Kleina-Metelerkamp mit ihrer Antwort auf Meyers Anfrage wohl auf eine von seinem Vater errichtete Wohnung im Dachgeschoss von Haus 2 anspiele. Vor Kurzem hat er dort ein Gerüst als provisorische Feuertreppe anbringen lassen.

Wie viele Gebäude in der Gemeinde sind von der Auflage betroffen ? Wie reagieren die Eigentümer? Was passiert, wenn sie die Auflage nicht erfüllen ? Diese Fragen richtete die Redaktion an den Kreis Steinfurt. Dessen Pressestelle gab als Antwort des Kreisbauamtes folgende Erklärung weiter: „Für Wohnungen gibt es die baurechtliche Forderung des ersten und zweiten Rettungsweges. Während der erste Rettungsweg über eine notwendige Treppe führen muss, kann der zweite Rettungsweg eine weitere notwendige Treppe oder eine mit Rettungsgeräten der Feuerwehr erreichbare Stelle der Nutzungseinheit sein. Für Gebäude, die vor 1984 errichtet wurden, galt die ,dreiteilige Schiebeleiter‘ mit einer Anleiterhöhe von bis zu zwölf Metern als zulässiges Rettungsgerät der Feuerwehr. Mit dieser Leiter wurde der zweite Rettungsweg der viergeschossigen Gebäude in Lotte sichergestellt. Diese Leiter hat die Feuerwehr der Gemeinde Lotte auch heute noch mitzuführen und bei entsprechenden Gebäuden einzusetzen.“

Weiter heißt es: „Die aktuelle Diskussion in Lotte konzentriert sich auf drei Gebäude im Ortsteil Büren mit mehr als vier Geschossen. Für diese Gebäude hat die Gemeinde Lotte den zweiten Rettungsweg über Rettungsgeräte der Feuerwehr insoweit geregelt, als sie im Jahr 1984 eine schriftliche Vereinbarung über den Einsatz der Drehleiter der Berufsfeuerwehr aus der Stadt Osnabrück getroffen hat.

Unter Berücksichtigung der dreiteiligen Schiebeleiter und der Vereinbarung mit der Stadt Osnabrück ist der zweite Rettungsweg bei den meisten Gebäuden als sichergestellt anzusehen. Ungenehmigte bauliche Änderungen wie zum Beispiel Ausbauten von Dachgeschossen werden unabhängig hiervon baurechtlich behandelt, gegebenenfalls werden Nutzungsuntersagungen ausgesprochen.“

Die Reaktionen der Eigentümer seien unterschiedlich „und auch konstruktiv“ hinsichtlich der Lösungsmöglichkeiten, schließt die Mitteilung des Kreisbauamtes.

Aha. Und was heißt das jetzt konkret ? Seit einem Jahr diskutieren Verwaltung, Feuerwehr und Kommunalpolitik hinter verschlossenen Türen über den Brandschutzbedarfsplan. Klaus Schürkamp meint, dass der Einsatz der dreiteiligen Schiebeleiter nach den neuesten Brandschutzvorschriften nur noch bis zu einer Höhe von 8,50 Metern eingesetzt werden dürfe. Es gebe aber in der Gemeinde 68 Gebäude, die höher sind. Stimmt das, und braucht Lotte vielleicht doch eine eigene Drehleiter ?

Lottes Feuerwehrchef, zugleich Brandschutzbeauftragter in der Gemeindeverwaltung, hält sich bedeckt: „Dazu sage ich nichts.“ Die Ordnungsamtsleiterin reicht den Schwarzen Peter an den Kreis weiter. Und Bürgermeister Rainer Lammers sagt: „Schreiben Sie bloß nichts über die Drehleiter. Das ist ein Reizwort hier!“

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