Flüchtlingsfrauen in Lotte basteln Adventskränze
Fremde Tradition

Lotte-Wersen -

Die Aula der Gesamtschule in Wersen war erfüllt vom Duft des Tannengrüns und Kinderlachen, als sich am Freitag acht Frauen mit ihren Kindern zum Adventskranzbasteln trafen. Die Flüchtlingshilfe Wersen hatte diese Aktion angeregt, und über die sozialen Netzwerke hatte sie sich schnell unter den Flüchtlingsfrauen herumgesprochen.

Montag, 02.12.2019, 18:00 Uhr
Eine familiäre Atmosphäre herrschte beim Adventskranzbasteln in Wersen.
Eine familiäre Atmosphäre herrschte beim Adventskranzbasteln in Wersen. Foto: Olaf Wienbrack

Während die Mütter sich unter Anleitung von Friedel Glüder um die Kreation hübscher Adventskränze kümmerten, assistierten die beiden Helferinnen vom „Sit In“, Kira Goda und Belana Walter, bei der Aktion, indem sie sich mit Spiel, Spaß und Spannung um die etwa zwölf Kinder kümmerten.

Fünf Frauen aus Syrien, eine aus Tadschikistan, eine aus Armenien sowie eine Nigerianerin waren angetreten, um sich erst einmal von Glüder die Technik des Kranzbindens erläutern zu lassen und dann selbst Hand anzulegen, um die Strohrohlinge von Minute zu Minute immer mehr in einen typischen Adventskranz zu verwandeln. Danach waren die grünen Ringe natürlich noch zu verzieren, damit daraus ein echter Kranz wurde. Jede Frau entwickelte bei der Dekoration ihren eigenen Stil.

Guldata aus Tadschikistan, die früher in ihrer Heimat als Lehrerin arbeitete, kennt Kränze grundsätzlich auch aus ihrem Vaterland. Dort beschenkt man sich allerdings zu Silvester. Und Weihnachten wird dort am 6. Januar gefeiert. „Väterchen Frost“ nennt man dort den Weihnachtsmann.

Von Shushanik aus Armenien, die seit zwei Jahren in Deutschland lebt, war zu erfahren, dass in ihrer Heimat überwiegend orthodoxe Christen leben, die auch die Weihnachtsbaum-Tradition zelebrieren. Ähnlich wie in Deutschland. Nur beschert auch dort „Väterchen Frost“ zu Silvester die Kinder. Ihre achtjährige Tochter und die fünf und zwei Jahre alten Söhne wurden auch gut von Kira und Belana betreut, sodass sich Shushanik ganz intensiv um einen effektvollen Kranz kümmern konnte.

Die fünf Syrierinnen erzählten, dass in ihrer Heimat nur die wenigen syrischen Christen Weihnachtsbaum und Kranz kennen. Für sie als Muslimas sind das Zuckerfest zum Ende des Ramadan im Mai sowie das Opferfest im Sommer die höchsten Feste im Jahr. Aber alle fünf finden die Adventskranz-Tradition in Deutschland sehr schön und werden – wie die meisten deutschen Familien – jeden Adventssonntag jeweils eine Kerze mehr entzünden.

„Yerun aus Nigeria ist schon im vierten Jahr zum Adventskranzbasteln gekommen“, lobte Friedel Glüder die junge Frau, die nach ihren Worten extrem akribisch ihre Kränze gestaltet. In Nigeria wird Weihnachten bei den Christen allerdings ganz anders gefeiert. „Es wird auch gebetet. Aber es gibt ganz viel laute Musik. Wir essen, tanzen und feiern ausgelassen“, berichtete Yerun Ohgnerunwun über die Weihnachtstradition in Afrika. Bei rund 27 bis 30 Grad ist dort an weiße Weihnacht nicht zu denken. Deshalb verzieren die Menschen dort ihre Häuser mit Palmzweigen. Aber in ihrer neuen Heimat in Deutschland wird auch Ohgnerunwun jeden Sonntag ein weiteres Lichtlein an ihrem hübschen Kranz entzünden.

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