Vortrag im Ausschuss: Warum öffentlich geförderter Wohnraum hochwertig ist
Weder billig noch minderwertig

Lotte -

Der Bedarf an bezahlbaren Wohnungen für Senioren, Alleinerziehende oder Singles wird in Zukunft zunehmen, davon geht auch Lorenz Rustige, Leiter des Bauamtes beim Kreis Steinfurt aus. Öffentlich geförderter Wohnraum könnte da eine Lösung sein.

Sonntag, 08.12.2019, 17:42 Uhr aktualisiert: 09.12.2019, 16:02 Uhr
Komfortabel und optisch ansprechend, das ist öffentlich geförderter Mietwohnungsbau heute. Dieses Objekt gehört der Wohnungsellschaft der Stadt Rheine.
Komfortabel und optisch ansprechend, das ist öffentlich geförderter Mietwohnungsbau heute. Dieses Objekt gehört der Wohnungsellschaft der Stadt Rheine. Foto: Raimund Hötker

Sozialer Wohnungsbau – da denken viele an uniforme Wohnblöcke oder Hochhaussiedlungen, aus denen über kurz oder lang soziale Brennpunkte werden. Um dieser Stigmatisierung entgegenzuwirken, stellte der Leiter des Bauamtes beim Kreis Steinfurt, Lorenz Rustige , jetzt im Lotter Haupt- und Finanzausschuss vor, wie öffentlich geförderter Wohnungsbau heute aussieht und für wen er gedacht ist.

Der Vortrag zur Wohnungsbauförderung ging auf einen Antrag der SPD-Fraktion zurück, die sich für bezahlbaren Mietwohnraum im Zusammenhang mit der Entwicklung von Wohnbauflächen in Lotte starkmacht. „Es geht um öffentlich geförderten Wohnungsbau für preisgebundenen Wohnraum von hoher Qualität“, leitete Rustige seine Präsentation im Ausschuss ein.

Anhand mehrerer bereits realisierter Projekte in der Stadt Rheine führte er vor Augen, dass die geförderten Neubauten nicht nur hochwertig, sondern auch architektonisch anspruchsvoll und optisch ansprechend sein könnten: „Öffentlich geförderter Wohnungsbau ist teilweise höherwertiger als frei finanzierter Wohnungsbau“, betonte er.

Am Beispiel eines Gebäudes mit insgesamt 55 Wohneinheiten, von denen die teuerste bei 400 Euro Kaltmiete im Monat liege, zeigte er, dass hier für 4,65 Euro pro Quadratmeter „nicht einfach ein Stückchen Haus“ vermietet, sondern den Bewohnern auch ein attraktives Umfeld geboten werde. Stichworte waren Barrierefreiheit, Aufzüge, große (Dach-)Terrassen und Balkone, Mieterstrommodell, Blockheizkraftwerk, Elektro-Stadtteil-Auto und E-Bikes samt Ladestationen. „Stellen Sie sich die Freude der alleinerziehenden Mutter vor, die die Zusage für eine Neubauwohnung für 300 Euro Kaltmiete im Monat bekommt. Oder die alte Dame, die für 4,65 Euro pro Quadratmeter in eine kleine, barrierefreie Wohnung ziehen kann.“

Wie sehr der Bedarf an kleinen, aber komfortablen und bezahlbaren Wohnungen in den nächsten Jahren noch steigen werde, verdeutlichte Rustige mit Tabellen zur Mietpreis- und Rentenentwicklung auf der einen und zu Angebot und Nachfrage auf dem Wohnungsmarkt auf der anderen Seite. Die Singularisierung der Gesellschaft führe zu immer kleineren Haushalten. Hinzu komme das „Risiko Altersarmut“: 75 Prozent der Rentner hätten Anspruch auf einen Wohnberechtigungsschein: „Wir reden also nicht über eine Randgruppe, sondern über die Mehrheit.“

Sowohl für junge Leute am Anfang der Berufslaufbahn als auch für Alleinerziehende, Singles und Senioren werde daher bezahlbarer Mietwohnraum benötigt. „Wir brauchen in der Mehrzahl keine 90 oder 120 Quadratmeter großen Wohnungen mehr, sondern Appartements, Ein- und Zwei-Zimmer-Wohnungen.“ Die aber gebe es „so gut wie nicht“ am Markt.

Das Land NRW fördere die Schaffung von bezahlbarem Mietwohnraum seit Jahren zusammen mit der NRW-Bank und habe für ein Fünfjahresprogramm 5,5 Milliarden Euro zur Verfügung gestellt. Der Kreis Steinfurt sei aktuell in der glücklichen Lage, für 36 bis 40 Millionen Euro hochwertigen Mietwohnungsbau zu fördern. Dabei habe man nicht nur Kommunen und Genossenschaften, sondern auch private Investoren im Blick, für die sich dank der Fördermöglichkeiten auch die Schaffung von preisgebundenem Wohnraum durchaus lohnen könne. „Wichtig ist die Missionsarbeit“, empfahl Rustige der Gemeinde, an Bauherren heranzutreten.

In Lotte sei das Mietniveau in den vergangenen fünf Jahren um 33 Prozent gestiegen. Derzeit gebe es etwa in Alt-Lotte 44 geförderte Wohneinheiten, in Halen hingegen nur zwei. Bei einigen von ihnen laufe demnächst die Mietpreisbindung aus. Angesicht der positiven Prognose zum Bevölkerungswachstum werde der Neubaubedarf bis 2035 bei 70 Einheiten im Jahr liegen.

Auf die Frage aus dem Ausschuss, was die Gemeinde tun könne, um die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum zu unterstützen, hatte der Kreisbauamtsleiter klare Antworten: Sinnvoll sei eine Quotenregelung in Neubaugebieten wie im Bereich Schafberg in Büren. Die dort geplante Durchmischung samt Kindergarten sei ein „herrliches Modell“.

Die Steuerung über die Bauleitplanung mit Nachverdichtung im Innenbereich, Aufstockung und Modernisierung von Gebäudebestand oder Ersatzneubauten, beispielsweise auch mit Gruppenwohnungen etwa für Demenzkranke, sei ebenso wichtig wie die Nutzung aller öffentlichen Fördermöglichkeiten, hob Rustige hervor.

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