Warum der Umbau der Lotter Schulen mehr als fünf Millionen Euro kostet
Teure Ergänzungen

Lotte -

Die Erweiterung der Grundschule Alt-Lotte und der Gesamtschule Lotte-Westerkappeln am Standort Wersen wird die Gemeinde insgesamt mehr als fünf Millionen Euro kosten. Was genau welche Kosten verursacht, erläuterten Architekten und Fachplaner jetzt im Bau- und Planungsausschuss. Der gab am Ende trotzdem grünes Licht. Erstmals wurden die Entwurfsplanungen für beide Projekte in öffentlicher Sitzung des Bau- und Planungsausschusses so detailliert mit allen Positionen der einzelnen Gewerke samt Berechnung der Netto- und Bruttokosten vorgestellt.

Mittwoch, 11.12.2019, 17:28 Uhr
In fröhlichem Apfelgrün stellt sich Architekt Jörg Krause den Anstrich für den Erweiterungsanbau der Grundschule Alt-Lotte vor. Die Planskizze zeigt den Blick von Osten.
In fröhlichem Apfelgrün stellt sich Architekt Jörg Krause den Anstrich für den Erweiterungsanbau der Grundschule Alt-Lotte vor. Die Planskizze zeigt den Blick von Osten. Foto: Krause Architekten Ingenieure

Da in beiden Fällen ein sehr enger, ehrgeiziger Fahrplan eingehalten werden müsse, um mit den Baumaßnahmen im Sommer 2020 beginnen und die Räume wie erforderlich 2021 fertig­stellen zu können, sei die Planung mit allen Beteiligten „sehr koordiniert und stringent“ durchgeführt worden, so Bauamtsleiterin Astrid Hickmann . Jetzt gehe es darum, auf der Grundlage der jeweiligen Entwurfsplanung die Ausführungsplanung auf den Weg zu bringen, damit diese im Frühjahr beraten werden könne, sodass noch vor der Sommerpause Ausschreibung und Vergabe erfolgen und die Sommerferien dann für den Baustart genutzt werden könnten.

Wie Architekt Jörg Krause und die Fachplaner für Gebäudeausrüstung, Brandschutz und Statik, Heizung-, Sanitär- und Lüftungstechnik und Energie erläuterten, liege der Kostenanstieg der aktuellen Berechnung für das bisherige Bauprogramm mit 2 506 447 Euro gegenüber der Kostenschätzung von 2 429 692 Euro aus der Vorplanung mit 1,5 Prozent deutlich innerhalb der zulässigen Streuung. Diese ergebe sich aus den notwendigen Ergänzungen; die ursprünglichen Maßnahmen verteuerten sich also nicht. Der neue Klassentrakt wird im Osten an die Bestandsgebäude angedockt; auf dem Dach ist eine Photovoltaikanlage für rund 56 000 Euro vorgesehen.

Die Begehung des Bestandsgebäudes habe ergeben, dass die bestehende, als Rettungsweg dienende Wendeltreppe laut Kreisbauamt nicht mehr den aktuellen Brandschutzanforderungen entspricht und durch eine gerade Treppe ersetzt werden muss (15 310 Euro). Das bereits mehrfach geflickte Dach über der Küche müsse saniert werden (37 715 Euro). Sowohl in den umzubauenden Klassenräumen als auch in den Fluren und am Altbau seien die Kunststofffenster undicht und zum Teil nicht mehr bedienbar. Der Austausch sowie die Behebung damit einhergehender energetischer Defizite auch im Bereich Mensa und Schulverwaltung schlage mit 90 691 Euro zu Buche, der Sanierungsanstrich samt Überarbeitung der Holzfenster im Musik-/Lehrerzimmeranbau mit 78 410 Euro, Malerarbeiten innen mit 13 090 Euro.

Die erst kürzlich beschlossene zusätzliche Erweiterung der Schulmensa samt Küche verursache einschließlich Lüftungsanlage und Honorarerweiterungen Mehrkosten von 144 364 Euro. Dafür habe der Kostenansatz für die neue Küche von 60 000 auf 40 000 Euro reduziert werden können, weil diese zunächst als reine Ausgabeküche vorgesehen sei.

Beim Austausch der Fenster rieten die Planer von einer Optimierung der Verglasung nach Passivhausstandard ab, da die zu erwartende Energieeinsparung in keinem Verhältnis zu den Mehrkosten stehe. Der Neubau sei bereits als sehr gut gedämmtes und energieeffizientes Gebäude geplant. Dem entsprächen Fenster mit dem ursprünglich vorgesehen Wärmedurchgangswiderstand. Auf Wunsch der Schule sollen sie trotz Lüftungsanlage mir Wärmerückgewinnung auch zu öffnen sein. Die Planer empfahlen Aluminium- statt Holzfenster, da diese robust, langlebig und wartungsfrei seien. Dem folgte der Ausschuss.

In Wersen ist laut Architekt Markus Wiekowski nicht die Erweiterung um drei große Klassenräume samt Nebenräumen und WC-Anlage der kostentreibende Faktor, sondern die Ertüchtigung des Altbaus. Oder, wie sein Kollege Björn Fortmeyer erklärte: „Die Verzahnung mit dem Bestand ist das Hauptthema.“ Da wegen der Struktur des vorhandenen Baukörpers für die Erweiterung nur eine Aufstockung durch ein Staffelgeschoss infrage komme, habe man im Wesentlichen die Vorplanung des Büros Flatau übernommen, jedoch die Sanitärräume nicht in Richtung Treppenhaus, sondern nach hinten angeordnet.

Die in Holzrahmenbauweise mit Stahlwindverbänden, 20-Zentimeter-Kernwärmedämmung und vorgehängter Fassade aus kunstharzgetränkten Zellulosefaserplatten geplante Tragkonstruktion der Aufstockung sei nachhaltig, leicht und günstig, sagte Fortmeyer. Für die Außenfenster habe man Aluminiumfenster gemäß den Anforderungen der Energiesparverordnung, aber eben nicht nach Passivhausstandard, gewählt.

Inklusive Decken, Dach, Oberlichtern, elektrisch fahrbarer, außen liegender Sonnenschutzanlage und Aufstockung des südlichen Treppenhauses in Massivbauweise belaufen sich die errechneten Kosten für Bauwerk und Baukonstruktion auf 1 190 724 Euro. Hinzu kommen technische Anlagen wie dezentrale Lüftungsanlage – keine Klimaanlage, wie die Planer betonten – und Fußbodenheizung in den Klassenzimmern.

Dass die Gesamtkosten bei rund 2 553 200 Euro liegen werden, ist nach ihren Worten vor allem der Anpassung an neue Anforderungen zu Brandschutz und Barrierefreiheit sowie dem Neuaufbau beziehungsweise der Versetzung des derzeitigen Mensa-Lichtschachtes und des vorhandenen Lüftungsgeräteblocks auf dem Dach geschuldet. Letztere stehen nämlich dem Aufbau des neuen Staffelgeschosses im Weg.

Zudem muss die Aufzugsanlage nicht nur um ein Stockwerk erhöht und mit einer zusätzlichen Haltestation im zweiten Obergeschoss, sondern auch mit breiteren Türen ausgestattet werden. Dafür muss auch die Aufzugtechnik umgerüstet werden. Nach- beziehungsweise umzurüsten seien auch die Löschwasserleitungen, zu ergänzen die Hausalarmierungsanlage. „Das sind eine ganze Menge Häkelarbeiten“, so die Architekten. Sofern man bei den Umbauarbeiten am Bestand keine „Ferkeleien“ entdecke, seien die kalkulierten Kosten aber realistisch: „Wir haben jetzt schon eine relativ hohe Kostensicherheit“, betonte Wiekowski.

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