Soldatenkameradschaft Lotte löst sich auf
Kurz vorm Jubiläum ist Schluss

Lotte -

Ein letztes Mal trafen sich die Mitglieder der Soldatenkameradschaft Lotte zur Weihnachtsfeier im Advent: Der Traditionsverein löst sich zum Jahresende auf. Sterben derlei Kameradschaften endgültig aus? Ein Ortsbesuch.

Donnerstag, 12.12.2019, 17:16 Uhr
Zur letzten Weihnachtsfeier der Soldatenkameraden Lotte mit Tombola brachten Werner Spellmeyer (von links), Friedhelm Pötter, Heribert Weimar und Alfons Schawe keine überschwängliche Fröhlichkeit mit.
Zur letzten Weihnachtsfeier der Soldatenkameraden Lotte mit Tombola brachten Werner Spellmeyer (von links), Friedhelm Pötter, Heribert Weimar und Alfons Schawe keine überschwängliche Fröhlichkeit mit. Foto: Ursula Holtgrewe

Wie immer stand ein hübsch dekorierter Tannenbaum vor reich gedeckten Tischen auf der Diele des Alt-Lotter Hofs Mutert, wie immer nutzten die Besucher die Gelegenheit zum angeregten Austausch in vertrauter Runde. Doch so richtig fröhlich mochte keiner sein: Das Treffen war das letzte seiner Art.

Zwar hat die Soldatenkameradschaft (SK) Lotte neun Jahre länger überlebt als die in Westerkappeln und die in Velpe. Gleichwohl bekommen auch die Lotter nun den Trend zu spüren, dass Institutionen wie Soldatenkameradschaften zu den aussterbenden Vereinen zählen.

„Wenn du auf der höchsten Stufe der Treppe stehst, musst du aufhören“, hatte der SK-Vorsitzende Friedhelm Pötter bei der Begrüßung unmissverständlich verdeutlicht, dass der Verein sich zum Jahresende auflösen wird. „Es ist jetzt die Zeit erreicht“, betonte er, zwar nicht die häufig zitierte Träne im Knopfloch, aber doch hörbar in sich gekehrt.

Irgendwann Ende der 1990er-Jahre hatte Pötter den Vorsitz von Wilhelm Hackmann übernommen. „So genau weiß ich das nicht mehr, nur dass ich an einem Silvesterabend bequatscht worden bin“, räumte der Senior verschmitzt ein. Seinerzeit habe der Verein maximal zwölf Mitglieder gehabt. „Heute sind wir noch immer 90. Ein dreiviertel Jahr lang haben wir nun Nachfolger gesucht; leider erfolglos“, resümierte er. Weil die Vorstandsmitglieder 80 Jahre oder älter seien, zögen sie sich komplett aus dem aktiven Geschehen zurück.

Das 150-jährige Bestehen verpasst die 1873 gegründete Kriegergemeinschaft Lotte nur um vier Jahre. „Damals hatten sich Kriegervereine die Aufgabe gestellt, Kameraden zu helfen, die unter den Kriegsgeschehen des Deutsch-Französischen Krieges 1870/71 litten“, erklärte Manfred Kinne vom SK-Beirat.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Alt-Lotter Verein wiederbelebt und später umbenannt in Kameradschaft ehemaliger Soldaten. Seit 1983 waren Frauen als Mitglieder willkommen. Der Verein unterstützte, wie Lottes Bürgermeister Rainer Lammers bei seinem Besuch auf dem Hof Mutert berichtete, auch eine Zeit lang die Kriegsgräberfürsorge.

„Politisch haben wir uns nicht eingebracht. Wir haben vereinsintern Kontakte gepflegt und ausgebaut. Und wir unterstützten vor Jahren Armin Sünnewie, als er das Ehrenmal für Gefallene auf dem Lotter Friedhof restaurieren ließ“, blickte Pötter in die zurückliegenden Jahrzehnte zurück. Geselligkeit pflegten sie bei Schieß- und Klöntreffen, Reisen und vielfältigen Aktionen. Langjährige Mitstreiter fand Pötter im zweiten Vorsitzenden Alfons Schawe, in Schriftführer Werner Spellmeyer und Kassierer Heribert Weimar.

Gab es Überlegungen, sich mit anderen Vereinen zusammenzuschließen? Beirat Kinne dazu: „Die Reservistenkameradschaft Tecklenburger Land ist an uns herangetreten, aber es gab keine größeren Übereinstimmungen. Man kann Gemeinsamkeiten einer Gruppe nicht in jede andere Gruppe übertragen.“

Diejenigen, die Geselligkeit in einer Soldatenkameradschaft schätzen, können die Wersener Soldatenkameradschaft kennenlernen. „Wir sind offen für neue Mitglieder und freuen uns, wenn sich jemand anschließen möchte“, betonte deren Vorsitzender Harald Brosig . „Es wäre schön, wenn das Ortsteildenken überwunden werden könnte“, hob er heraus.

Brosig hatte sich im November bei einem internen Treffen zum Vorsitzenden des eingetragenen gemeinnützigen Vereins wählen lassen. Damit ist er der Nachfolger des verstorbenen Walter Ottens. Zudem galt es zu entscheiden, ob der Verein mit 40 Mitgliedern, darunter 20 Aktiven, überhaupt weiterbestehen sollte oder nicht. „Wir haben gesagt, solange wir Freude an gemeinsamen Unternehmungen wie Sportschießen und Geselligkeiten haben, werden wir den Verein am Leben erhalten“, sagt Brosig.

Die Wersener SK-Historie verlief nach der Gründung im Jahr 1873 vergleichbar mit der der Lotter. „Der Verein ist 1969 in Soldatenkameradschaft Wersen umbenannt worden und nahm später Frauen als offizielle Mitglieder auf“, berichtete Brosig. Schriftführerin Thekla Hasselkuß fand in den ihr vorliegenden Unterlagen dazu die Notiz: „mit Rücksicht auf die jüngere Generation“. Von einer Tradition habe sich die SK Wersen zudem verabschiedet. „Die Patrouille machen wir nicht mehr, weil nicht mehr alle gut zu Fuß sind. Dafür gibt es nun Ganztagesausflüge, die dankenswerter Weise Thekla organisiert“, sagte Brosig – an Ideen zur Pflege der Geselligkeit mangelt es in Wersen also nicht.

Anders in Alt-Lotte: Zu den letzten Aktionen der dortigen Soldatenkameradschaft gehört es nun, vorhandene Unterlagen ins Rathausarchiv zu überführen. Die Fahne bleibt in einer Vitrine in den Räumen der AWO im alten Amtshaus, wo die SK bislang regelmäßig tagte.

Sie wurde schon seit einigen Jahren nicht mehr am Volkstrauertag präsentiert – an dem künftig auch die Soldatenkameradschaft Lotte nicht mehr teilnimmt.

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