So feiern die Bewohner des Lotter Seniorenheims „Zwei Eichen“ ihr Weihnachtsfest
Zwischen Hektik und Besinnlichkeit

Lotte -

Während sich die meisten Menschen an Weihnachten zum Gottesdienst oder zur Bescherung versammeln, müssen andere arbeiten. So auch die Mitarbeiter im Seniorenheim „Zwei Eichen“ in Lotte. Organisiert wird der Schichtdienst zu den Feiertagen von einem, der von seinen Kollegen und den Bewohnern über alle Maße für seine Engagement gelobt wird: Steffen Brockmeyer.

Sonntag, 22.12.2019, 15:54 Uhr aktualisiert: 22.12.2019, 15:57 Uhr
Maria Bröcker und Elfriede Zschau (vorne von links) berichten der Pflegedienstleiterin Bettina Werthschüzky-Schubert und Sozialdienstleiter Steffen Brockmeyer von Weihnachten in ihrer Kindheit.
Maria Bröcker und Elfriede Zschau (vorne von links) berichten der Pflegedienstleiterin Bettina Werthschüzky-Schubert und Sozialdienstleiter Steffen Brockmeyer von Weihnachten in ihrer Kindheit. Foto: Olaf Wienbrack

Vor rund sechs Jahren kam Brockmeyer nach seinem Studium in Hildesheim und Münster sowie einem Anerkennungsjahr im Hospiz in Osnabrück an seinen Arbeitsplatz im Heim in Lotte. „Es ist das Anstrengendste, was ich beruflich jemals gemacht habe, aber der Job in „Zwei Eichen“ macht mir viel Spaß“, so beschreibt Brockmeyer kurz und knapp, wieso er dieses von allen Seiten gelobte besondere Engagement an den Tag legt.

Er ist aber gleichzeitig so bescheiden, dass er sofort „sein Team“ erwähnt. Ohne das gesamte Team in „Zwei Eichen“ könne er das alles auch nicht schaffen. Was er konkret damit meint, wird bei einem Blick auf den Terminkalender deutlich: Es vergeht kein Tag, an dem nicht etwas zu organisieren und bedenken ist – und alles zum Wohle der Bewohner. Sie liegen nicht nur dem Leiter des Sozialdienstes am Herzen, sondern dem gesamten Team.

Deutlich wird das, als sich eine Gruppe in den Tagungsraum zur Gruppengymnastik begibt, die von Bisera Lücke geleitet wird. Die junge Frau stammt aus Mazedonien, liebevoll nennen die Seniorinnen sie „unsere Biska“. Das geht leichter über die Lippen, und das können sie sich auch besser merken. Bisera heißt übersetzt so viel wie „Perle“ – für die Bewohner scheint sie das wirklich zu sein. Lücke hat immer eine Streicheleinheit und ein nettes Wort für Menschen über. „Ich bin die Knuddelmaus vom ganzen Haus“, so sieht Lücke sich selbst.

Mit zehn Bewohnern ist der Sozialdienstleiter am vorletzten Mittwoch zum Kindertheater im Haus Hehwerth gefahren. „Der Weihnachtsmann macht Ferien“ hieß das Stück. Durch den guten Kontakt zum Jugendtreff „Bansen“, zu Ursula Tschauder und zu Bianca Feist organisiert Steffen Brockmeyer immer wieder Aktionen, die für die Jugend und die Senioren eine Bereicherung im Alltag darstellen. Aber auch die Kontakte zum Kunstkreis will Brockmeyer nicht missen. Der Kunstkreis macht jeden Monat ein Angebot für die Senioren in „Zwei Eichen“. Dabei bereiten die Ehrenamtlichen alles eigenständig vor. „Das ist keine Selbstverständlichkeit“, lobt Brockmeyer das Miteinander mit den Kunstschaffenden.

Brockmeyers Terminkalender gibt aber noch eine Menge mehr preis, was es in der vorweihnachtlichen Hektik zu organisieren gilt. Die Lotter Kitas sind regelmäßig bei den Senioren in „Zwei Eichen“ zu Gast. Dann gibt es eine spannende Vorleserunde mit Geschichten, die Jung und Alt fesseln. „Es ist immer wieder berührend, wenn man bei solchen Aktivitäten die Mimik der Bewohner beobachten kann“, sagt Brockmeyer. „Man sieht dann die Freude und Erregung in den Gesichtern.“ Zum Nikolaus-Konzert fuhren einige Bewohner nach Ibbenbüren. In der Christuskirche sang der Kinderchor, und eine Gitarrengruppe spielte Weihnachtslieder. Auch das bescherte schöne Momente. „Die Senioren freuten sich wie die Kinder“, beschreibt Brockmeyer seine Eindrücke.

Neben ihrer Arbeit in „Zwei Eichen“ hat sich ehrenamtlich Sabine Weymann für und mit dem Mitarbeiterchor engagiert. Das hält der Sozialdienstleiter für herausragend. „Immer wieder lässt sich Sabine musikalisch etwas Neues einfallen, um die Bewohner mit allen Sinnen zu begeistern und in Tonwelten zu entführen“, sagt Brockmeyer über seine Kollegin. Dass mittlerweile mehr als 20 Mitarbeiter und Ehrenamtliche in ihrer Freizeit im Chor mitwirken, hält er für ein gutes Zeichen des tollen Miteinanders in „Zwei Eichen“.

Freude, Ruhe und Entspannung ließ sich beim Adventskonzert mit Chorälen aus Italien und Spanien in den Gesichtern der Bewohner ablesen. Unterstützt wurde der Mitarbeiterchor an diesem Tag vom Männerchor „Bass Box“. Aber damit war noch nicht genug an Vorbereitungsarbeit. Seit Anfang November probte der Mitarbeiterchor für das „Kurrende-Singen“. Dabei machte der Chor an unterschiedlichen Stationen halt im großen Seniorenheim. „Komm, sag es allen weiter“ war das beliebteste Weihnachtslied, bei dem die Senioren begeistert mitklatschten.

Seit mittlerweile 16 Jahren kommt an Heiligabend Pastorin Margarete Steinmann zum Gottesdienst am Vomittag nach „Zwei Eichen“. Am Nachmittag gibt es dann eine offene Kaffeerunde mit Geschichten und Liedern, zu der auch viele Angehörige kommen. „Wir bereiten dann ausreichend Tische vor, sodass sich niemand voranmelden muss“, beschreibt Brockmeyer das Ritual. Eine gemeinsame Bescherung rundet den heiligen Abend ab. „Trotz der unterschiedlich schweren Demenz vieler Bewohner kommt das Besondere dieses Tages aber bei den Menschen an“, so Brockmeyer.

Bewohnerin Maria Bröcker freut sich schon darauf, am ersten Weihnachtstag von ihrer Tochter zum Essen abgeholt zu werden. „Was es gibt, weiß ich noch nicht. Ich lasse mich überraschen“, sagt die Seniorin. Ihr schönstes Weihnachtsfest ist ihr noch gut in Erinnerung geblieben. Das war um 1960, und sie lebte als junge Frau damals in Gesmold. „Kurz vor Weihnachten kam mein Vater aus der Kriegsgefangenschaft in Russland zurück. Das war für uns alle das schönste Weihnachtsgeschenk“, sagt Bröcker.

Elfriede Zschau stammt aus Wersen, wo ihre Tochter mit Familie wohnt. Zum Festgottesdienst am ersten Feiertag wird sie abgeholt. „Früher bin ich mit meinem Papa schon um sechs Uhr in die Uchte gegangen. Das ist mir jetzt aber zu früh“, sagt die Seniorin. Den zweiten Weihnachtstag will sie bei ihrer Enkeltochter verbringen, wo dann auch zwei ihrer vier Urenkel mit dabei sind. Schon mit 36 Jahren ist Elfriede Zschau verwitwet. Stolz ist sie, ihre zwei Kinder dennoch gut durchgebracht zu haben. Weihnachten haben sie früher immer ganz klein als Familie gefeiert. Für Großes fehlte ihnen damals das Geld. „Nun bin ich hier angekommen“ schließt Zschau ihre Erinnerungen an Weihnachten.

Damit macht sie Steffen Brockmeyer und dem gesamten Team von „Zwei Eichen“ wohl das größte Lob, das man sich zu Weihnachten vorstellen kann. Irgendwo angekommen zu sein heißt auch, dass man sich wohl fühlt.

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