Metelen
Ausgebildete Hebammen in Metelen - eine schwere Geburt

Freitag, 15.08.2008, 17:45 Uhr
Veröffentlicht: Freitag, 15.08.2008, 17:45 Uhr

Metelen. Reicher Kindersegen ist für das familienfreundliche Metelen nicht ungewöhnlich, ebenso wenig wie die Begleitung während der Schwangerschaft und der Geburt durch eine Hebamme. Doch der Weg bis zur ersten ausgebildeten Hebamme in Metelen war hürdenreich. Auf Spurensuche haben sich Reinhard Brahm und Norbert Lammers begeben.

„Wenn ihr auf dem Lande einer Niederkunft beiwohnt, so werdet ihr ohngefähr Folgendes bemerken: Eine alte, unwissende Frau setzt sich mit ihren morschen Knochen vor die Gebärende, spricht ihr gut zu, seufzt auch, wohl einmal, und wartet, was geschieht . . .“ So schilderte der Arzt Christoph Ludwig Hoffmann die Lage in der Geburtshilfe im Hochstift Münster zu Beginn des letzten Drittels des 18. Jahrhunderts.

Das sollte sich rasch ändern, seit er im Auftrag des Fürstbischofs Maximilian Ferdinand das Medizinalwesen im Fürstbistum Münster, wozu auch Metelen zählte, auf neue Grundlagen stellte. Im Zuge der Reformen wurden die Kommunen zur Kasse gebeten. Sie mussten sich anteilig an den Kosten für die Bekämpfung von Krankheiten auf der Ebene des Amtes Horstmar beteiligen. Sie hatten auch die Kosten für die Geburtshilfe vor Ort zu tragen, durch Entlohnung der lokalen Geburtshelferinnen und mussten sich am Gehalt des „Amtsmedikus“ und des „Amtschirurgus“ beteiligen. Auch für die Begleichung der Rechnungen beider im Falle der Bekämpfung von epidemischen Krankheiten hatten sie zu zahlen.

Das drängende Problem in der damaligen Gesundheitspflege: Die Geburtshilfe wollte man durch Schulung der Hebammen in den Griff bekommen. Metelen schickte deshalb 1799 die Hebamme Witwe Maria Adelheid Pöpping nach Münster, wo sie in einem 60-tägigen Lehrgang an der medizinischen Abteilung der Universität Münster in der Geburtshilfe ausgebildet werden sollte. Die Prüfung nahm nach Abschluss des Lehrgangs Medizinalrat Professor Bernhard Lüders ab, der die Approbation zur Geburtshelferin 2. Klasse aussprach. Die Kosten des Lehrganges und die Kosten des Unterhaltes für die Lehrgangszeit hatte die Gemeindekasse zu zahlen.

Da der für den Haushalt des Kirchspiels zuständige Steuereinnehmer die Auszahlung von der Anweisung der fürstbischöflichen Regierung in Münster abhängig machte, war Bürgermeister Franz Bernhard Cruse genötigt, eine Eingabe an den Kurfürsten zu Köln und Fürstbischof zu Münster zu machen. Die Kurfürstliche Kanzlei in Münster reagierte prompt. Der Freiherr Droste zu Vischering wies die Beamten des Amtes Horstmar mit Schreiben vom 7. Juli 1800 an, für die Zahlung der Kosten des Unterhalts und der Lehrgangsgebühren der in der Geburtshilfe auszubildenden Frauen Sorge zu tragen. Die Verfügung ging an den Bürgermeister von Metelen. Frau Pöpping war nicht die erste approbierte Geburtshelferin in Metelen. Bereits 1794 quittierte ihre Vorgängerin, die Hebamme Frau Buchmann, mit „approbierte Geburtshelferin“.

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