Metelen
Schippen, sprühen, erklären

Sonntag, 14.09.2008, 20:09 Uhr

Metelen . Ein drei Meter tiefer Graben, Palisaden und ein Wall – das sollte Ende des 16. Jahrhunderts die Metelener vor Plünderungen und Angriffen der Spanier und sonstiger Feinde schützen. Einlass fand man durch mehrere Tore. „Alles in allem war es wohl eher ein psychologischer Schutz“, erzählt Reinhard Brahm .

Gestern in Metelen: Im Rahmen des Denkmaltages werden die Umrisse des alten Mühlentores auf die Straße gesprüht. Nur einige Meter breit war der Durchgang für Mensch, Tier und Fuhrwerke. „Natürlich wurde hier auch Wegegeld genommen. Hier sagte man allerdings Pflastergeld dazu, weil die Straßen in Metelen ja alle gepflastert waren“, weiß Reinhard Brahm. Er arbeitet in der Gemeindeverwaltung und betätigt sich gemeinsam mit Hubert Kortehaneberg als „Sprayer“.

Es war wohl die Äbtissin, die gegen den Willen des Bischofs in Münster den Bau der gesamten Schutzanlage in die Wege leitete. „Ihr standen rund ein Drittel des Pflastergeldes zu, die restlichen zwei Drittel gingen an die ,Freiheit’, den ,Stiftsbezirk’, weiß Brahm zu berichten.

Aber schon lange vor den Zeiten des Dreißigjährigen Krieges waren in Metelen pfiffige Handwerker am Werk. Als Beweis steht vor dem Mühlenmuseum ein Brunnen mit über 1100 Jahren auf dem Buckel. Stolz präsentieren Reinhard Brahm und Hubert Kortehaneberg das „antike“ Stück. Ganz simpel wurden vier Pfähle in den Boden gerammt und mit Brettern und Holzpiggen verkeilt. Schließlich wurde um die Pfähle herum gegraben, bis diese langsam immer tiefer ins Erdreich rutschten. Von oben wurden dann einfach Bretter nachgelegt. „Man brauchte gar nicht so tief graben“, erklärt Brahm dem interessierten Publikum. Nach nur 1,5 Metern stieß man meistens schon auf Grundwasser. Wie alt das Eichenholz ist, aus dem der Brunnen gebaut wurde, ließ man mit Hilfe der Dendrochronologie bestimmen. Hierbei wird das Alter über die Lebensringe ermittelt. Ob der Brunnen weiterhin in Metelen stehen bleibt, wird sich in nächster Zeit entscheiden. Die Ausstellung zum Mühlentor, dem Brunnen und der weiteren Schutzanlage ist ab heute in der Gemeindeverwaltung zu besichtigen.

Besichtigen konnten Interessierte gestern auch das Eisenbahnmuseum am Bahnhof Metelen-Land. Alexander Staffa und Mirko Demter zeigten den Besuchern das alte Stellwerk oder das neue Prunkstück der Ausstellung, einen alten Fahrkartendrucker aus den 1950er Jahren.

„Den müssen wir noch in Stand setzen“, erklärt Alexander Staffa. Sein Kollege ist derweil oben an der Modelleisenbahn beschäftigt. „So eine hab’ ich auch“, erklärt der kleine Arne stolz. Der Vierjährige ist mit seinen Eltern ins Eisenbahnmuseum gekommen. „Arne ist ein Eisenbahn-Fan“, erklärt sein Vater.

Die neueste Attraktion in der Modellwelt ist ein Papierfaltmodell des Metelener Bahnhofs der 1950er Jahre. Über Mangel an Besuchern konnten die Eisenbahner sich jedenfalls nicht beschweren. „Die Bude ist voll“, freute sich Mirko Demter. Viele Besucher des Denkmaltages, an dem in ganz Deutschland rund 2600 Städte und Gemeinden teilnahmen, nutzten das schöne Wetter, um mit dem Fahrrad die Denkmäler abzuklappern.

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