Metelen
„Arme-Leute-Essen“ ist heute Delikatesse

Mittwoch, 09.06.2010, 22:06 Uhr

Metelen - Zwiebeln, Eier, eine Prise Salz, etwas Speck, Buchweizenmehl und kalten Kaffee - viel braucht es nicht, um einen Buchweizenpfannkuchen zu backen. Daran wird deutlich, was das westfälische Gericht früher einmal war: ein Arme-Leute-Essen.

Wer die Zusammenstellung liest, könnte meinen, dass die Köche an Geschmacksverirrung litten. Kalter Kaffee? Im Pfannkuchen? „Ja, das vertreibt den herben Geschmack des Buchweizenmehls etwas“, weiß Agnes Kollorz zu berichten. Sie hat am Dienstag rund neun Liter Pfannkuchenteig in ihrer Küche angerührt. Denn gestern kamen fast 50 Metelener Heimatfreunde in Plagemanns Mühle zum Buchweizenpfannkuchenessen zusammen. So schlecht kann das also doch nicht sein, oder? „Es ist wie mit vielen Gerichten, die früher nichts Besonderes waren: Heute sind das wieder Delikatessen “, sagt Kollorz, während sie die Zutaten zusammenschüttet. Den Speck hat sie bereits ausgelassen und in einem Teil davon die Zwiebeln angedünstet. „Der Teig muss über Nacht stehen, da er quellen muss“, erklärt Kollorz.

Die Metelenerin, die gestern ihren 74. Geburtstag feierte und lange Zeit im Vorstand des Heimatvereins tätig war, kennt das Gericht vor allem aus den Erzählungen ihrer Großmutter. „Früher kam nur ein Ei hinein. Denn wenn man Eier hatte, verkaufte man sie noch lieber als sie selbst zu essen“, erzählt Kollorz. „Wenn der Salat im Garten groß genug war, wurde der kalte Kaffee in der Kanne stehen gelassen und der Teig damit angerührt. Dann gab es eben Pfannkuchen mit Salat. Das war dann eine Mahlzeit“, erzählt Kollorz.

Pfannkuchen und Salat, das musste reichen. Die Metelener Ackerbürger führten ein einfaches, oft hartes Leben, denn der sandige, nährstoffarme Boden gab nur wenig her. Da kam der Buchweizen gerade recht. „Das ist eine Weizenart, die man hier anbauen konnte, weil sie keinen anspruchsvollen Boden braucht“, erklärt Kollorz. Der niedrige Weizen kam mit dem aus, was ihm die Felder in der Vechtegemeinde boten.

Dagegen ist es heute gar nicht so einfach, die Sorte zu finden. Agnes Kollorz musste für den Teig, dessen Rezept im Heimatverein immer wieder weitergegeben wurde, richtig suchen. „Das ist ja heute alles bio“, sagt sie mit einem Blick auf die Mehltüte. Zwei Päckchen des ursprünglichen Mehls hat sie noch im Raiffeisen-Markt erstanden. Das Bio-Mehl ist dagegen heller. Das gefällt der Metelenerin nicht so gut. „Das ist zu fein verarbeitet. Das ist ja gar kein richtiges Buchweizenmehl mehr“, so ihre Kritik.

Die Heimatfreunde in Plagemanns Mühle ließen es sich gestern dennoch gut schmecken. Birigt Sürken und Mathilde Möllers hatten für alles gesorgt, so dass es neben Salat und dem „Arme-Leute-Essen“ auch richtige Mehlpfannenkuchen zur Auswahl gab. Heute können die Metelener sich das leisten.

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