Metelen
Markenzeichen oder Tierquälerei?

Mittwoch, 09.03.2011, 20:03 Uhr

Metelen - Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner hat es angeregt, jetzt diskutiert der Bundestag darüber: Das Brandzeichen für Pferde soll aus tierschutzrechtlichen Gründen abgeschafft werden. Seit Langem ist die Markierung der Fohlen mittels eines bis zu 800 Grad heißen Eisens Tierschützern ein Dorn im Auge. Pferdezüchter hingegen verweisen immer wieder darauf, dass die Prozedur für die Tiere weit weniger schmerzhaft sei als allgemein angenommen und pochen zum anderen auf die Tradition der Brandzeichen, mit denen die Rasse und oft auch der Fohlen-Jahrgang sowie die Herkunft der Tiere kenntlich gemacht werden.

„Ich wäre wirklich enttäuscht, wenn das Brandzeichen abgeschafft würde“, kommentiert Birgit Becker die Diskussion im Bundestag. Die Holsteiner-Züchterin bewertet das Chippen, das das Brennen der Pferde ersetzen soll, eher negativ. „Wenn das wirklich pferdegerechter wäre, dann wäre ich ja dafür. Aber ich habe jetzt etliche Jahre lang mitbekommen, wenn unsere Fohlen gebrannt wurden und inzwischen auch das Chippen. Letzteres ist für die Tiere viel schlimmer“, sagt Becker. Das Einsetzen des Mini-Chips, der unterhalb des Mähnenkamms platziert wird, erfolge mittels einer großen Spritze. „Das ist eine blutige Angelegenheit, für die manche Fohlen auch sediert werden müssen. Man merkt, dass ihnen am nächsten Tag der Hals weh tut, während sie nach dem Brennen schon wieder auf der Weide herumspringen.“ Zudem sei längst nicht klar, ob der Chip nicht irgendwann im Körper des Tieres wandere und ihm so vielleicht schade.

Ein weiterer Aspekt kommt für die Züchterin hinzu: „Wenn man ein interessantes Pferd sieht, schaut man als erstes auf den Brand, um zu erfahren, welche Rasse das ist. Das ginge künftig nicht mehr.“

Das sieht auch der Metelener Haflingerzüchter Werner Bußmann so. „Dann sieht man nicht mehr, aus welchem Land die Tiere kommen.“ Hintergrund für das Chippen sei auch die Möglichkeit, das Pferd jederzeit erfassen zu können. Mithilfe eines Scanners lassen sich die wichtigsten Daten zu dem Vierbeiner „auslesen“. Den Vorteil im Falle eines Diebstahls schränkt Bußmann jedoch ein: „Den Chip kann man ja theoretisch wieder herausschneiden.“ Auch Bußmann glaubt, dass das Brennen pferdefreundlicher ist. „Da zucken die Tiere kurz unter der Berührung zusammen. Das ist normal. Beim Chippen müssen mindestens zwei Mann anpacken und das Fohlen festhalten. Das ist wesentlich mehr Stress“, meint der Pferdeliebhaber, der mit seinen Kleinpferden schon einige Preise gewonnen hat.

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