Metelen
Das Strönfeld: Wo Schnepfen zu Hause sind

Freitag, 06.05.2011, 23:05 Uhr

metelen - Geflecktes Knabenkraut, Raubwürger, Wiesenpieper, Uferschnepfe , Kornweihe - wenn Robert Tüllinghoff so erzählt, scheint es, als habe Metelen zoologisch gesehen nicht nur in der Heide etwas zu bieten. Aber trotz aller Exotik: Das alles sind heimische Arten oder waren es zumindest mal. Denn viele der Tiere und Pflanzen, die im Strönfeld leben oder dort regelmäßig zu Gast sind, gibt es außerhalb von Naturschutzgebieten nicht mehr. Deshalb schlägt das Herz des Naturschützers der Biologischen Station im Kreis Steinfurt in Metelens Westen hin und wieder höher, wenn er ein weiteres Brutpaar der Uferschnepfe oder mehrere Exemplare des Großen Brachvogels sichtet.

Kaum jemand nimmt die grün-weißen Schilder links und rechts der Eper Straße, die die Naturschutzgebiete kennzeichnen, wahr. Dahinter erstrecken sich im Strönfeld 250 Hektar Pfeifengras-, Glatthafer- und Feuchtwiesen - ein selten gewordenes Gut in der Natur, das für deren Schützer ein echtes Juwel ist. So finden sich auf Metelener Gebiet noch Laubfrösche, die ansonsten im Kreis beinahe ganz verschwunden sind.

Die Uferschnepfe, ein eher unscheinbarer brauner Vogel mit langem Schnabel, kommt im Strönfeld in der größten Population Nordrhein-Westfalens daher, berichtet Robert Tüllinghoff. Und auch der Vogel des Jahres 2011, der Gartenrotschwanz, ist im Strönfeld zu Hause. Der früher weit verbreitete Singvogel mit dem namensgebenden ziegelroten Schwanz ist heute im Westen Deutschlands beinahe verschwunden.

Seit 1985 ist das Strönfeld Naturschutzgebiet. Damals, das weiß Tüllinghoff, sorgte die Unterschutzstellung für eine Menge Frust unter den Landwirten. „Es gab heftige Proteste“, erzählt Tüllinghoff, dessen Team von Tecklenburg aus 80 Schutzgebiete im Kreis mit insgesamt 10000 Hektar Fläche betreut. Gerade ist der Status des Areals „modifiziert“ worden: Das Strönfeld ist seit einigen Wochen auch Vogelschutzgebiet. „Das Land hat dadurch die Verpflichtung, etwas zu unternehmen, falls die wertgebenden Arten wie die Schnepfen oder der Brachvogel zurückgehen“, erklärt Tüllinghoff. Es bestehe ein Verschlechterungsverbot. Für die Pächter habe das praktisch keine Auswirkungen. Das sahen diese ebenso wie der Rat der Gemeinde im Jahr 2008 allerdings anders: Es gab sogar eine Resolution gegen die Pläne, die bei der Landesregierung eingereicht wurde. Vor allem fürchteten die Landwirte, durch die zusätzliche Ausweisung in der baulichen Erweiterung eingeschränkt zu sein, da sie nun ein weiteres Genehmigungsverfahren durchlaufen müssen.

24 Metelener haben Pachtverträge im Schutzgebiet, 190 der 250 Hektar sind in der Hand des Landes. Zusammenarbeit sei das A und O, so Tüllinghoff. „Wir sind darauf hingewiesen, dass die Landwirte mitgucken.“ Zum Beispiel nach Gelegen und Jungvögeln, die sich bei einem herannahenden Mähwerk in den ersten Wochen wegducken statt wegzurennen. Es ist ein Geben und Nehmen. Hier und da darf ein Pächter mal früher mähen, weil gerade kein Bekassinen-Paar seine Wiese als Kinderstube nutzt. Dann wieder muss er länger warten. Die Natur lässt sich nicht steuern.

Die Auflagen zu Mahd, Beweidung und Düngung sowie die Feuchtigkeit machten die Flächen früher eher unbeliebt, heute sei das anders. „Ich habe häufiger Anfragen nach Pachtmöglichkeiten. Die Flächen werden überall knapper“, sagt Tüllinghoff. Ohne die Bewirtschaftung geht es auch nicht: Die Wiesen würden sonst zuwuchern, ihr Wert für die Natur wäre dann deutlich geringer. Denn die Feuchtigkeit und das kurze Gras sind ein Plus und für viele Tiere nur noch in Schutzgebieten auffindbar. 21 Blänken und zehn Teiche haben die Naturschützer in den vergangenen 25 Jahren angelegt. Dabei war das Strönfeld mal Heidegebiet.

15 bis 20 Jahre dauere es, bis das Grünland wieder „richtig“ Natur ist, also mit großer Artenvielfalt aufwarten kann. „Früher haben viele über den Schutz gelacht. Heute finden sich so große grüne Wiesenflächen nur noch in Schutzgebieten“, sagt Tüllinghoff.

Im Strönfeld sieht er „das Ziel erreicht“. Dort tummeln sich neben zahlreichen geschützten Vogelarten auch 36 Pflanzenarten, die auf der Roten Liste stehen wie Fadenbinse oder Flutende Sellerie. „Ein wertvolles Gebiet“, sagt der Naturschützer. So exotisch wie ihre Namen klingen, sind Tiere und Pflanze dabei selten. Dennoch: Priol, Knäckenten, Greifvögel, Neuntöter und Co. können interessante Beobachtungsobjekte sein, findet Tüllinghoff. Deshalb würde er sich freuen, wenn es im Strönfeld einen Aussichtspunkt samt Infotafel gäbe. Besucherströme sind zwar auch nicht das, was der Naturschützer dort sehen will, aber: „Ein Spaziergang im Mai entlang des Feldbachweges mit Fernglas stört die Tiere nicht und man sieht viel.“ Dann sind viele Brutvögel da. Und beim Blick durchs Fernglas sieht auch der Laie: Metelen hat zoologisch mehr zu bieten als den Park in der Heide.

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