Richter lehnen Befangenheitsantrag ab
Landgerichts-Prozess gegen illegale Vogelhändler: Gutachter-Aussagen belasten Angeklagte

Metelen/Münster -

Im Prozess gegen zwei 59 und 63 Jahre alte Metelener, die sich – wie berichtet – wegen Verstöße gegen das Bundesnaturschutzgesetz vor dem Landgericht Münster verantworten müssen, sorgten am zweiten Verhandlungstag deren Anwälte für eine Überraschung. Gleich zu Verhandlungsbeginn stellten sie einen Befangenheitsantrag gegen einen Gutachter, dessen Aussage gestern im Mittelpunkt der Verhandlung stand. Der Diplom-Biologe gehe über seine Befugnisse hinaus, hieß es unter anderem in der Antragsbegründung.

Donnerstag, 01.12.2011, 18:12 Uhr

Das Gericht wies den Vorstoß jedoch als unbegründet zurück. Es gebe keinen Zweifel an der Qualifikation des Gutachters, und es sei auch keine Voreingenommenheit festzustellen. Zudem habe der Biologe auch nicht einseitig gehandelt. Er habe selbst Tatvorwürfe entkräftigt, sagte der Vorsitzende Richter.

Als die Strafkammer den Gutachter schließlich in den Zeugenstand rief, zeigte er in seiner Biografie auf, dass er als Fachmann gilt und seit 25 Jahren Gutachten über Vögel in der gesamten Europäischen Union erstellt. Weltweit habe er zahlreiche Fachartikel über seltene Vogelarten veröffentlicht.

Kurz vor der Durchsuchung in Metelen war der Biologe vom Landeskriminalamt am Durchsuchungsort mit der Dokumentation beauftragt worden. In mühsamer Kleinarbeit hatte er die sichergestellten Beweismittel detailliert unter ornithologischen Gesichtspunkten beweiskräftig bewertet. In seiner Abhandlung vor Gericht deutete gestern vieles darauf hin, dass es bei einigen der am Durchsuchungsort vorgefundenen seltenen Tierarten zu Fremdentnahmen gekommen sein muss. Dazu sollen auch Arten gehören, die so rar sind, dass deren Nachzuchten weltweit nicht mehr zu bekommen sind. Allerdings konnte der Gutachter nicht konkretisieren, woher bestimmte Vogeleier stammten. „Ich weiß aber von keiner nachgewiesenen Nachzucht“, sagte er.

Seine Aussagen belasteten die Angeklagten in ihrer Gesamtheit. Er habe beispielsweise Jungvögel aufgefunden, aber keine Elterntiere. Es müsse sich also um Naturentnahmen gehandelt haben, folgerte er. Das Fazit des außergerichtlichen Betrachters: Es ist sehr unwahrscheinlich, dass die bei der Durchsuchung angetroffenen Vögel Nachzuchten sind. Besonders hervor hob der Gutachter dabei eine Eiersammlung der seltenen Odinishühnchen, die laut den Angeklagten angeblich aus eigener Nachzucht stammen. Weltweit gebe es jedoch keine wissenschaftlich belegbaren Nachzuchten. Die Daten, die dazu eingetragen wurden, seien brutbiologisch unmöglich. Weitere Verhandlungstage sind anberaumt.

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