Plädoyers im Vogelzüchter-Prozess
Wandert das Duo in den Bau?

Vor dem Landgericht Münster soll am 22. März das Urteil fallen. Foto: dpa Metelen/Münster -

Während Staatsanwalt Björn Ohström seinen Schlussvortrag hält, steht den beiden Angeklagten aus Metelen die Anspannung ins Gesicht geschrieben. Dann hören sie die Strafforderung: zwei Jahre und vier Monate Freiheitsstrafe – wegen Verstoßes gegen das Bundesnaturschutzgesetz. Ihre Anwälte sehen das naturgemäß etwas anders.

Freitag, 09.03.2012, 19:03 Uhr

Während Staatsanwalt Björn Ohström seinen Schlussvortrag hält, steht den beiden Angeklagten aus Metelen die Anspannung ins Gesicht geschrieben. Dann hören sie die Strafforderung: zwei Jahre und vier Monate Freiheitsstrafe – wegen Verstoßes gegen das Bundesnaturschutzgesetz.

Zwei Monate sollen wegen der langen Verfahrensdauer als verbüßt gelten. Neben der Freiheitsstrafe fordert der Ankläger als Wertersatz 12 765 Euro. Sachlich, aber schonungslos in seiner Beweiswürdigung hielt der Staatsanwalt Rückschau: Demnach hatte das Duo in den 80er-Jahren in Metelen zum Aufbau des dortigen Vogelparks eine Züchtergemeinschaft aufgebaut. Arbeitsteilig habe einer der beiden artgeschützte Vögel angeschafft, die der andere dann aufzog. Danach seien sie dazu übergegangen, der Natur auch besonders geschützte Arten zu entnehmen, für sich zu züchten oder zu verkaufen.

Der eine der Angeklagten unternahm hierfür Reisen bis nach Spanien oder Griechenland, dem anderen oblagen die Aufzucht und das Veräußern der Tiere. Die Angeklagten hätten ihre „Produkte“ nicht nur europa-, sondern gar weltweit vermarktet – gewerbs- und gewohnheitsmäßig.

Bei seiner Abwägung, was bei der Strafzumessung zu Gunsten der Angeklagten spreche, berücksichtigte der Staatsanwalt das späte Geständnis nur in einem geringen Ausmaß. Gegen die Angeklagten sprach ungleich mehr. Zu ihren Ungunsten wertete der Ankläger die herausgehobene Stellung im „Nesträubersystem“ in Deutschland, den langen Tatzeitraum und die Vielzahl der Arten der Naturentnahmen.

Der Verteidiger des einen und die Verteidigerin des anderen Angeklagten gingen insbesondere auf den verschlechterten Gesundheitszustand ihrer Mandanten ein – und plädierten für eine Bewährungsstrafe. Die beiden Metelener seien durch das Spießrutenlaufen an ihrem Wohnort schon ausreichend bestraft und durch die Kosten des Verfahrens ruiniert worden. Womöglich müssten sie sogar ihre Häuser verkaufen.

Das Urteil wird für den 22. März (Donnerstag) erwartet.

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