Ersatzneubau 380kV-Leitung: Freileitung versus Erdverkabelung
Der lange Weg bis zur neuen Stromleitung

Metelen -

In den Hintergrund der medialen Berichterstattung gerückt war zuletzt der geplante Ersatzneubau der 380 kV-Höchstspannungsleitung von Diele nach Wesel, die auf einer Länge von rund acht Kilometern auch das Metelener Gemeindegebiet durchquert. Sie soll, wie berichtet, die alte 220 kV-Leitung ablösen und den Erfordernissen der Energiewende Rechnung tragen. Jetzt steht das Mammutprojekt wieder im Fokus der Öffentlichkeit: Netzbetreiber Amprion hat am vergangenen Wochenende Anzeigen in der Regionalpresse geschaltet, in denen Vermessungsarbeiten im Vorfeld des Baus der neuen Freileitung angekündigt werden. Diese sollen Anfang der übernächsten Woche starten.

Freitag, 13.07.2012, 19:07 Uhr

Ersatzneubau 380kV-Leitung: Freileitung versus Erdverkabelung : Der lange Weg bis zur neuen Stromleitung
Sachsen-anhaltinische Verhältnisse bald auch in Metelen? Dort hat der Netzbetreiber Vattenfall bereits 2008 eine 380 kV-Freileitung in Betrieb genommen. Die Masten ragen bis zu 70 Meter in die Höhe. Foto: dpa,

Ulrike und Karl-Heinz Hundehege, die sich für Metelen in der Initiative „Pro Erdkabel NRW “ engagieren, zeigten sich am Dienstag überrascht von der Ankündigung der Amprion. Sie hätten den Eindruck, als ob der Netzbetreiber „hier ohne jegliche Reaktion auf unsere Bedenken vorangeht“ – zumal in der Anzeige stets nur von Freileitung die Rede sei. Die Hundeheges heben auf eine Zusammenkunft mit Vertretern der Amprion GmbH in der Gemeindeverwaltung im Jahr 2009 ab. Dort hatten sie ihre Kritik an der geplanten Freileitung vorgebracht und Alternativvorschläge unterbreitet. „Die sind jetzt offenbar unberücksichtigt geblieben. Wir haben das Gefühl, als ob wir nach wie vor am Anfang stehen“, betont Karl-Heinz Hundehege im Pressegespräch.

Die Bürgerinitiative fordert nach wie vor, dass auf der Pilotstrecke nicht nur in den Bereichen Borken, Raesfeld und Legden, sondern auch in Metelen die Erdverkabelung zum Zuge kommt. Idealerweise sollte die Stromübertragung nach den Vorstellungen der Bürgerinitiative im Gleichstromverfahren („HGÜ-Technik“) erfolgen. Hundehege: „Diesem Verfahren gehört die Zukunft.“ Die – von der Amprion favorisierte, aber teurere – Ausführung als Wechselstrom-Freileitung berge wegen der auftretenden elek­tromagnetischen Felder nicht vorhersehbare gesundheitliche Risiken für die Anwohner und stelle darüber hinaus einen veralteten Standard dar.

Obwohl Hundehege bewusst ist, dass noch einige Monate ins Land gehen werden, bis das Planfeststellungsverfahren für den Bereich Metelen beginnt, kündigte er an, schon jetzt rechtlichen Beistand mit ins Boot holen zu wollen. Falls die Interessen der Anwohner nicht ausreichend bei der Planung berücksichtigt würden, werde man den Klageweg beschreiten.

„Wir haben die Bedenken der Metelener Bürgerinitiativen-Mitglieder sehr wohl zur Kenntnis genommen“, nahm am Donnerstag Amprion-Projektleiter Dieter Pick­lapp Stellung zur Kritik der Freileitungsgegner. Für eine weitergehende Diskussion sei es jedoch aktuell noch zu früh. In der derzeitigen Planungsphase komme die Variante zum Tragen, „die wir technisch für in Ordnung halten“, erklärte Picklapp. Dies bedeute aber nicht, dass keine Anpassungen mehr vorgenommen werden könnten.

Dass aber die erdgebundene Verlegung der Leitung in Metelen zum Tragen kommt, scheint nach derzeitigem Stand der Dinge eher unwahrscheinlich. Bei einem Abstand von 200 Metern, die das Energiewirtschaftsgesetz vorschreibt, kommen in der Vechtegemeinde nach den Berechnungen der Amprion keine drei Kilometer potenzieller Erdverkabelung zusammen. „Das ist zu wenig“, sagt Picklapp.

Der Amprion-Mitarbeiter rechnet in frühestens einem Jahr mit dem Beginn des Planfeststellungsverfahrens für den Bereich Metelen. Weiter fortgeschritten sei der Planungsprozess schon im südlichen Münsterland. Erst danach werde es für Metelen konkret. Der Projektleiter kündigte an, dass die betroffenen Grundstückseigentümer entsprechend den aktuellen Sätzen entschädigt werden. Es würden neue Verträge geschlossen, die alle Dienstbarkeiten regelten.

Die angekündigten Vermessungsarbeiten dienen nach Aussage des Amprion-Mitarbeiters dazu, die aus den Jahren 2008/2009 stammende Datengrundlage auf einen aktuellen Stand zu bringen. Zugleich wird eine Vogelbestandsuntersuchung durchgeführt. „Um später schnell durchstarten zu können, wollen wir aktuell sein“, erklärt Picklapp den Hintergrund der Arbeiten, mit denen die Firma imp-GmbH, Gesellschaft für Geodatenservice aus Arnsberg, beauftragt worden ist.

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