Infoveranstaltung der Anti-Atom-Aktivisten
Kleiner Schritt für große Träume

Metelen -

In Metelen herrscht eine breite Stimmung gegen Atomkraft. Davon ist Heiner Konert überzeugt. Nur: „Wir Münsterländer sind keine Aktivisten“, sagte Konert am Mittwochabend bei einer Info-Veranstaltung der Anti-Atom-Bewegung auf seinem Hof. Da müsste es „schon ein paar Gewitter geben“, ehe der Münsterländer demonstriere.

Donnerstag, 06.09.2012, 18:09 Uhr

Infoveranstaltung der Anti-Atom-Aktivisten : Kleiner Schritt für große Träume
Die Anti-Atom-Aktivistin Irene Thesing informierte am Mittwoch über die Beweggründe des Protests der Anti-Atom-Aktivisten. Foto: Rupert Joemann

Für die Aktionen der Initiative für den sofortigen Atomausstieg Münster (Sofa), Robin Wood und Contratom gegen die Uran-Transporte hatte Konert im Juli seinen Hof als Camp-Gelände zur Verfügung gestellt. Das blieb nicht ohne Folgen: „Ich komme gerne nach Metelen , weil wir hier Unterstützung finden“, sagte die Aktivistin Cecile Lecomte. Und fügte grinsend hinzu: „Hier gibt es an der Bahnstrecke keine Oberleitung. Das ist ganz praktisch.“ Die Französin, auch Eichhörnchen genannt, beteiligte sich in der Vergangenheit schon an zahlreichen Kletteraktionen, um publikumswirksam zu demonstrieren.

Stundenlang hängt sie meistens während der Aktionen angeleint in einem Baum oder beispielsweise an einem Haus oder einer Brücke. „Zuletzt haben die Polizisten acht Stunden gebraucht, um sechs Aktivisten von den Bäumen zu holen. Die sind völlig überfordert“, sagte die Französin. Das wäre sicher auch bei der Umsetzung der Katastrophenpläne im atomaren Ernstfall so, glaubt Lecomte.

Die vielen Aktionen haben aus Sicht der Aktivisten bereits erste Erfolge erzielt. So wurden die Urantransporte nach Russland gestoppt. „Das ist ein kleiner Schritt für große Träume“, meinte Sofa-Mitglied Irene Thesing . Zudem werde der Uranabfall beim Transport nicht mehr als Wertstoff, sondern als Müll deklariert. Nach ihren Angaben wurden über 27 000 Tonnen Atommüll von Gronau nach Russland geschafft. „Wo sie unter freiem Himmel lagern“, betonte Thesing.

Trotz einiger Erfolge gebe es noch viel zu tun. „Der Widerstand müsste noch aktiver werden“, forderte ein Teilnehmer. Nur so könne ein möglicher erneuter Ausstieg aus dem Atomausstieg verhindert werden. Denn es gebe in der Bundesregierung wieder Tendenzen, den Atomausstieg in Frage zu stellen.

Heiner Konert vertritt den Standpunkt: „Wenn man gegen etwas ist, muss man Wege aufzeigen, wie man etwas verändern kann“. Für ihn sind das die erneuerbaren Energien. Sie nähmen eine Schlüsselposition ein, um unabhängig vom Ausland zu werden. Ein wichtiger Punkt sind für den Metelener dabei die heimischen Stromquellen. Deshalb engagiere er sich seit Jahren dafür, auch wenn er mit seiner Biogasanlage am Anfang nicht überall in Metelen auf Gegenliebe stieß.

Irene Thesing erläuterte den Werdegang des Urans von seiner Gewinnung in verschiedenen Ländern über die Urananreicherung bis hin zur Herstellung der Brennelemente sowie der Lagerung des Atommülls. Dabei befürchtet sie, „dass in Ahaus ein Endlager entsteht“. Schließlich müsse der Atommüll irgendwo hin, und ein offizielles Endlager gebe es nicht.

Vielen Menschen sei gar nicht bewusst, dass im Umkreis von 50 Kilometern fünf Anlagen mit atomarem Material stünden. Die Urananreicherungsanlagen Gronau und Almelo, das Zwischenlager Ahaus, die Brennelementefabrik Lingen und das Atomkraftwerk Lingen.

Die nächste Aktion der Anti-Atom-Aktivisten findet wahrscheinlich am 24. September (Montag) statt. „Nach unserer Berechnung müsste dann der nächste Urantransport durch Metelen erfolgen“, sagte Irene Thesing.

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