TTV-Urgestein feiert 80. Geburtstag
Im Herzen jung geblieben

Metelen -

Eigentlich wollte er den Posten des ersten Vorsitzenden schon vor acht Jahren abgeben. Mit 71 Jahren und nach drei Jahrzehnten im Amt schien die Zeit gekommen zu sein, die Clubgeschicke in jüngere Hände zu legen. Heute wird Günter Born 80 Jahre alt – und er ist noch immer Vorsitzender eines der renommiertesten Vereine, die die Vechtegemeinde zu bieten hat.

Mittwoch, 15.05.2013, 19:05 Uhr

Die großen Zeiten des TTV: 1974 ist Günter Born (2.v.r.) dabei, als die Bundesliga-Aufstiegsmannschaft am Amtshaus von Bürgermeister Hermann Held (am Mikrofon) begrüßt wird. Ein Jahr später wird er Vorsitzender und ist es noch heute (kl. Bild).
Die großen Zeiten des TTV: 1974 ist Günter Born (2.v.r.) dabei, als die Bundesliga-Aufstiegsmannschaft am Amtshaus von Bürgermeister Hermann Held (am Mikrofon) begrüßt wird. Ein Jahr später wird er Vorsitzender und ist es noch heute (kl. Bild). Foto: privat/rs

Für den gebürtigen Wuppertaler ist Tischtennis mehr als ein Sport – es ist seine Passion. „Ballsportarten mochte ich schon immer, doch der Sport mit dem kleinen, weißen Ball hat mich besonders fasziniert“, sagt Born mit funkelnden Augen. Und dann der Verein TTV Metelen : Born schätzt das gute menschliche Miteinander, die „vielen Kräfte, auf die man sich verlassen kann“. Er selbst repräsentiert den Club bei gesellschaftlichen Anlässen, vertritt die Vereinsinteressen, wenn es sein muss, aber auch vehement. Zum Beispiel bei politischen Entscheidungen. Im Kreis der Tischtennisspielern selbst ist es vor allem seine ruhige, ausgleichende Art, die ankommt. „Die Mitglieder sehen es offenbar gerne, einen alten Kameraden wie mich an vorderster Stelle in ihren Reihen zu haben“, formuliert er bescheiden. Die TTVler wissen halt, was sie an ihrem „Urgestein“ haben.

Dabei hat der Jubilar seine Zuneigung zum Tischtennissport erst relativ spät entdeckt. „Ich komme vom Schwimmen und vom Wasserball“, sagt Born. Kein Wunder, ist doch Wasserball in seiner Geburtsstadt alles andere als eine Randsportart. In den 50er-Jahren spielen die Wasserfreunde Wuppertal in der höchsten deutschen Liga und der junge Born gehört zur nationalen Spitze. Dass er dann nach Metelen kommt, ist der Geschäftsführung der Seidenweberei Gebhardt zu verdanken. Nach der Ausbildung zum Industriekaufmann im Stammsitz wird er gefragt, ob er sich vorstellen könne, als Betriebsassistent ins Zweigwerk Metelen zu wechseln. Im April 1957 kommt der Großstädter in die kleine Vechtegemeinde. „Ein Kulturschock war das seinerzeit schon“, lacht er. Dank Radioberichten ist er ob der sportlichen Klasse des TTV Metelen bestens informiert. Es dauert keine zwei Tage, bis er Kontakt geknüpft hat. „Ich wusste, dass Sport Türen öffnen kann.“ Eine Einschätzung, die sich als goldrichtig erweisen sollte.

Born versucht sich zunächst sportlich: Im Jugendheim spielt er gegen die TTV-Asse. Josef Wenninghoff gibt ihm 20 Punkte vor – und gewinnt trotzdem noch 22:20. Borns Konsequenz: „Ich habe gedacht, kümmere Dich lieber um das Organisatorische.“ Den Tischtennisschläger aus der Hand gelegt hat das rüstige Geburtstagskind deshalb jedoch nie. Im Gegenteil: Noch heute unterstützt er seinen Sohn Oliver, Schülerwart des TTV, beim Anfängertraining zwei Mal in der Woche.

Noch im gleichen Jahr seines beruflichen Wechsels nach Metelen wird Born Mitglied im Vorstand des TTV. 1970 ist er zweiter Vorsitzender. Vier Jahre später übernimmt er nach dem Tod von Dr. Hans Asbeck kommissarisch die Vereinsgeschäfte, 1975 wird er offiziell zum Vorsitzenden gewählt. Noch im selben Jahr hat er eine erste große Bewährungsprobe zu überstehen: Sponsoren springen ab, die Bundesliga-Mannschaft löst sich auf. „Wir hatten 20 000 Mark Schulden – eine für die damalige Zeit enorme Summe“, erinnert er sich. Der TTV fängt in der Bezirksklasse neu an, arbeitet sich jedoch schnell wieder hoch. 1988 spielt der Verein bereits wieder in der Oberliga. Auch danach geht es noch einige Male auf und ab.

Derzeit spielt der TTV in der Verbandsliga. „Das ist ein Niveau, das wir halten könen und möchten“, sagt Born. Als mehrmaliger Westdeutscher und Deutscher Meister habe der Verein diesen Anspruch. Mehr ginge ohnehin nicht, denn es gibt keine Sponsoren. Mit Eigengewächsen die derzeitige Klasse halten, das sei das Ziel des Vereins.

Born hat dem Tischtennissport viel zu verdanken – unter anderem auch eine Arbeitsstelle. Denn Vereinskollege Josef Wenninghoff war es nach der Insolvenz der Firma Gebhardt, der ihm den Tipp gab, es doch mit einer Bewerbung beim Caritasverband zu versuchen. Der suchte 1973 einen neuen Leiter für die Behinderten-Werkstätten in Langenhorst. „Ich hab‘ den Job seinerzeit bekommen, und das, obwohl ich evangelisch war“, erinnert sich Born. 22 Jahre lang – bis zur Pensionierung – führt er die Geschicke der Einrichtung, die in dieser Zeit von 120 auf über 400 Mitarbeiter wächst.

Gerne erinnert sich das Geburtstagskind auch an die vielen Begegnungen mit bekannten und berühmten Tischtennisakteuren aus aller Welt. Dazu habe ihm der Sport die Möglichkeit gegeben. Es wundert nicht, dass Born auch bei seinen Geburtstagsfeierlichkeiten dem Tischtennissport besonderen Raum gibt. Am 25. Mai (Samstag) lädt er zu einer eigenen TTV-Party ein, um so Dankeschön für die vielen gemeinsamen Jahre zu sagen. Mit Nachbarn und Verwandten feiert er indes bereits heute. Aber auch da wird der Tischtennissport sicher Thema sein . . .

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