Fachkräfte in der Pflege
Es mangelt an Wertschätzung

Metelen -

Gute Fachkräfte in der Pflege sind schwer gefragt, aber eben auch Mangelware. Aus Gründen, die für Pflegedienst-Inhaberin Christine Leusbrock durchaus nachvollziehbar sind.

Donnerstag, 13.02.2014, 23:02 Uhr

Als sie sich in jungen Jahren dazu entschloss, Krankenschwester zu werden, ergriff Christine Leusbrock ihren Traumberuf. Seit 20 Jahren betreibt sie nun ihren eigenen Pflegedienst und ist immer noch mit vollem Herzen dabei. Die Unternehmerin kann dennoch nachvollziehen, dass eine Tätigkeit in der Branche vielen Menschen wenig attraktiv erscheint. Es sind vor allem zwei Punkte, die sie für den allseits heiß diskutierten Fachkräftemangel verantwortlich macht: Verdienstmöglichkeiten und Wertschätzung . Trotz langer und intensiver Aus- sowie regelmäßiger Weiterbildung in den Pflegeberufen sind beide gering.

Christine Leusbrock beschäftigt in ihrer Firma, deren Hauptgeschäftsstelle sich in Ochtrup befindet und zu deren Portfolio in Metelen neben der ambulanten Pflege auch betreutes Wohnen gehört, knapp 70 Mitarbeiter. Fast alle sind in Voll- oder Teilzeit angestellt, 450-Euro-Kräfte gibt es nur wenige. Sie alle bezahlt die Chefin, so gut sie kann. Gerne würde sie mehr geben, wie Christine Leusbrock sagt, aber ihr seien die Hände gebunden. Sie spricht von einem Balanceakt: „Wir wollen ordentliche Gehälter zahlen, müssen aber auch wirtschaftlich arbeiten.“ Und das sei eben nicht so einfach, wie Philipp Leusbrock , der im Unternehmen seiner Mutter als Krankenpfleger und Pflegedienstleiter arbeitet, ergänzt. „Die Pflege- und Krankenkassen haben ein sehr starres Abrechnungssystem.“ Bei den Krankenkassen sei es so, dass pro Patient immer nur eine Leistung bezahlt würde. „Auch wenn wir mehrere erbringen, zum Beispiel Blutzucker messen, Insulin spritzen, Verband wechseln und Kompressionsstrümpfe wechseln“, erklärt er. Und von der Pflegekasse, so Philipp Leusbrock, werde nicht berücksichtigt, wie lange ein Hausbesuch dauert. Für den Krankenpfleger ist dieses Vorgehen völlig unverständlich. „Es läuft eben nicht immer alles nach Plan, ein Parkinson-Patient zum Beispiel kann für den Weg vom Bett ins Badezimmer auch mal zehn Minuten brauchen.“

Warum den Pflegeberufen in der breiten Öffentlichkeit die Anerkennung fehlt, erklärt Carolin Klumps, die in Christine Leusbrocks Pflegedienst als Pflegeberatung und Qualitätsmanagement tätig ist und Pflegewissenschaften studiert hat: „Weil es mit Nächstenliebe angefangen hat.“ Früher hätten Nonnen sich um die Kranken und Alten gekümmert, daraus sei der Beruf dann erst entstanden. Ein Beruf, der heute ein hohes Maß an Wissen und Können erfordert. „Die Ausbildung für Pflegekräfte dauert drei Jahre“, informiert Philipp Leusbrock. Und Carolin Klumps betont: „In anderen Ländern in Europa haben diese Berufe einen ganz anderen Stellenwert.“

Was die harte körperliche Arbeit angeht, die viele Menschen mit den Pflegeberufen in Verbindung bringen, kann Christine Leusbrock aber Entwarnung geben: „Es gibt zahlreiche Hilfsmittel, die auch von den Kranken- und Pflegekassen bezahlt werden und die Sache ernorm erleichtern.“ Eine viel größere Hürde stellt ihrer Meinung nach der im Laufe der Jahre immer höher gewordene bürokratische Aufwand dar. „Für jeden Kunden ambulanter Dienste gibt es eine Mappe, in welcher der Pflegeablauf detailliert festgehalten werden muss.“

Trotz allem, findet die Inhaberin des Pflegedienstes, in dem aktuell vier Altenpflegeschülerinnen beschäftigt sind, soll die Arbeit Spaß machen. Genau deshalb hat sie sich am vom Arbeitsministerium NRW geförderten Projekt „Pflege plus Q“ beteiligt. Nach Befragung von Geschäftsführung, Leitungskräften und Mitarbeitern wurde ein Handlungsplan erstellt. „Wir haben für uns erkannt, dass wir eine mittlere Führungsebene brauchen“, informiert Philipp Leusbrock. Drei Alten- und Krankenpflegerinnen werden deshalb jetzt zu Teamleiterinnen weitergebildet.

Das ist sicherlich kein Allheilmittel gegen den Fachkräftemangel, mit dem auch der Pflegedienst Leusbrock zu kämpfen hat, aber ein Anfang – eine kleine Verbesserung, die dazu beiträgt, dass ein Beruf aus der Branche wieder etwas häufiger zum Traumjob wird.

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