Improvisation ist Trumpf
Hochamt in der Kirche, Musiker und Sänger weichen ins Bürgerhaus aus

Metelen -

Das Wetter spielte beim Pontifikalamt und der Serenade zum Ortsjubiläum nicht mit. Aber die Organisatoren bewiesen Improvisationstalent und verlegten die beiden Veranstaltungen kurzer Hand ins Trockene.

Montag, 01.09.2014, 09:09 Uhr

Spontaneität und Improvisationskunst waren am Samstag bei der Verlegung der Open-Air-Veranstaltungen notwendig. Das tat dem Engagement der Sänger und Musiker allerdings keinen Abbruch.
Spontaneität und Improvisationskunst waren am Samstag bei der Verlegung der Open-Air-Veranstaltungen notwendig. Das tat dem Engagement der Sänger und Musiker allerdings keinen Abbruch. Foto: Fahlbusch (7) / Joemann (1)

Manchmal hat man kein Glück – und dann kommt auch noch Pech dazu. So ähnlich dachten am späten Samstagnachmittag bestimmt viele Metelener; vor allen Dingen aber die Mitarbeiter der katholischen Pfarrgemeinde und die Organisatoren der im Anschluss an das Pontifikalamt zum Ortsjubiläum vorbereiteten Serenade.

Beides war mutig als Open-Air-Veranstaltung geplant, die sicher ein interessantes Flair gehabt hätte. Vor allem die Serenadenidee von Dirk Brünenborg und Udo Nobis hätte besseres Wetter verdient gehabt. Es blieb beim Konjunktiv. Denn kurz bevor Weihbischof Wilfried Theising zum Hochamt eintraf, hatte Pfarrer Thomas Stapper nach Rücksprache und schon ziemlich nass geregnet, den Gottesdienst in die Stiftskirche verlegt. So gab es hier ein würdiges und beeindruckendes Pontifikalamt mit Fahnenabordnungen der Vereine und Organisationen, vielen ortstypischen Fürbittensprechern, einer bischöflichen Prozession und auch die Musiker und Mitglieder der Kirchen- und sonstiger Chöre rückten enger zusammen.

Die Chöre hatten sichtlich Spaß an ihrem Auftritt.

Die Chöre hatten sichtlich Spaß an ihrem Auftritt.

Mit Wilfried Theising war ein Freund nach Metelen gekommen. „Diese“, wie er sagte, „liebens- und lebenswerte Gemeinde kenne ich aus meiner hiesigen Pfarrerszeit nur zu gut. Und ich bin nicht nur höflich, wenn ich das so betone. Das meine ich auch aus tiefem Herzen.“ Pfarrer Thomas Stapper und Diakon Ludwig Göbel zelebrierten die Messe mit ihm gemeinsam. In seiner engagierten Predigt erinnerte und ermahnte Theising die Menschen des Ortes: „Sorgen Sie dafür, dass Metelen weiter ein Ort der christlichen Gottessuche bleibt, dem die kluge Stiftsfrau Friduwi im Jahre 889 mit ihren religiösen Grundüberzeugung schon die grundsätzliche Richtung vorgab.“ Glauben könne man nicht aus Übereifer heraus, wie dies im Evangelium von Petrus berichtet würde, sondern er müsse stets im Wissens als Geschenk Gottes auch auf die Mitmenschen gerichtet sein. „Ich bin sicher, wenn man sich daran orientiert, hat Gott und die Sache Jesu Raum und Zukunft – auch und gerade in Metelen.“

Jede Altersklasse war vertreten.

Jede Altersklasse war vertreten.

In klugen Grußworten am Ende des Gottesdienst vor dem bischöflichen Segen hatte die evangelische Pfarrerin Imke Philipps nicht nur das gute ökumenische Miteinander betont, sondern gerade Metelen als Ort der Zuflucht für heimatlose Protestanten gelobt und an die Verpflichtung zur Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg, dessen Beginn sich am heutigen Montag zum 75 Mal jährt, gemahnt. „Die Kirchen bestimmen die Mitte des Ortes und auch die Politik ist aufgefordert, sich dieses Erbes zu versichern und die Gemeinde als Ort von und für die Bürger zu begreifen“, schloss sich Bürgermeister Gregor Krabbe an. Dies zu bewahren und zu verbessern, gelte auch für die Zukunft.

Dann wurde die zweite Stufe in Sachen Improvisation gezündet. Schon im Publikandum waren die Gottesdienstbesucher darüber informiert worden: „ Die Serenade findet im Bürgerhaus statt.“ Irgendwie war es zwischenzeitlich gelungen dieses herzurichten und mit Bitte um Verständnis eröffnete der Bürgermeister das Musikfest.

Die Blaskapelle spielte zünftig auf, die Mitglieder der Chöre nahmen die Weisen auf und schunkelten im rückwärtigen Teil des Saales mit. Kinder- und Teenie-Chor sorgten mit Quakliedern von Enten, Fröschen und Gummibärchen für eine andere, amüsante Musikfarbe. Und dann ließen alle zusammen mit Bischof, Pfarrer und Bürgermeister und Instrumente schwingendem Blasorchester die 1125-jährige Jubelgemeinde hochleben.

Gabi Kriens überzeugte mit bemerkenswerten Fähigkeiten auf der Mandoline und Wilfried Stening Stening tenorstark für Unterhaltung im Saal, der sich zusehends füllte und dessen Besucher mit Beifall nicht sparten. Über den konnten sich auch die Chöre „Cäcila“ und „Cantemus“ freuen, als sie pfiffig und in verschiedenen musikalischen Stilen, das dem Anlass angemessene „Happy Birthday“ als Walzer, klassisch oder shantyhaft durchdeklinierten. Rockig und fetzig setzte die Band mit dem verrückten Namen „Die im Keller liegende Dachgeschoss-Wohnung“ einen knalligen und bejubelten Schlussakkord.

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