Deutsch für Asylbewerber
Am liebsten jeden Tag in die Schule

Metelen -

Ehrenamtlich organisiert eine Gruppe von Metelenern Deutschunterricht für Asylbewerber, die noch nicht anerkannt sind. Die Nachfrage unter den Flüchtlingen nach dem Kursus ist groß.

Samstag, 20.12.2014, 10:12 Uhr

Aus vielen Nationen kommen die Schüler des Deutschkurses für Asylbewerber, der seit November regelmäßig mittwochnachmittags in der Hauptschule stattfindet. Songül ist zurzeit die einzige Frau in der Gruppe, die hier von Anne-Marie und Robin Fairhurst unterrichtet wird.
Aus vielen Nationen kommen die Schüler des Deutschkurses für Asylbewerber, der seit November regelmäßig mittwochnachmittags in der Hauptschule stattfindet. Songül ist zurzeit die einzige Frau in der Gruppe, die hier von Anne-Marie und Robin Fairhurst unterrichtet wird. Foto: Dieter Huge sive Huwe

Die Tische sind zu einem großen Viereck zusammengeschoben an diesem Mittwochnachmitag im Klassenraum der Hauptschule. Es gibt Tee und Kaffee, Plätzchen, Lebkuchen und Nüsse. Kerzen erleuchten den Raum. Moussa aus dem Libanon, Ahmad aus Syrien, Major aus Eritrea und Songül, die aus Mazedonien stammt, lernen zusammen mit ihren Mitschülern deutsche Weihnachtsbräuche kennen.

Es ist eine ebenso multinationale wie multikulturelle Runde, die einmal in der Woche zusammenkommt, um Deutsch zu lernen – die Sprache des Landes, in das jeder von ihnen geflohen ist.

Alle im Raum suchen Asyl in Deutschland, jeden von ihnen hat es nach Metelen verschlagen. Mitunter deshalb, weil die Familie hier lebt, wie bei der 17-jährigen Songül, in der Regel aber deshalb, weil sie von den Behörden zugewiesen wurden. Das Verfahren zur Anerkennung dauert meistens Jahre, Unterstützung in Form von Sprachkursen gibt es bis dahin allerdings keine.

„Der Bedarf ist aber riesig“, weiß Werner Bever . Er wohnt an der Adenauerstraße gleich in der Nachbarschaft eines der beiden Heime in Metelen, in denen die Gemeinde Asylsuchende unterbringt. „Wir sind Nachbarn, sehen uns fast täglich.“ Bever, der auch in der KAB des Ortes aktiv ist, erkannte schnell den Bedarf: „Ein Gefühl für die Sprache zu kriegen ist ganz wichtig. Nur so können die Menschen hier auch ankommen“, ist der 64-Jährige überzeugt.

Die Idee reifte, Bever stieß in der Gemeindeverwaltung auf offene Ohren, suchte danach Mitstreiter. In Robin Fairhurst fand er einen Menschen aus der Nachbarschaft, der ebenso denkt. Der gebürtige Engländer und Wahl-Metelener lebt mit seiner Frau Anne-Marie seit Jahren im Ort. Beide sprechen Englisch und Französisch – gute Voraussetzungen, um den Asylsuchenden die Sprache des Gastlandes zu vermitteln.

„Wir müssen sie dort abholen, wo sie sprachlich stehen“, weiß Robin Fairhurst nach den ersten Unterrichtsstunden um die Kenntnisse und auch die Defizite, die seine Schüler mitbringen. Moussa etwa, der Spaßvogel in der Gruppe, lebt bereits seit dreieinhalb Jahren in Deutschland. Er ist sogar schon dabei, an der Grammatik zu feilen. Ahmad aus Syrien, der rechts neben ihm die Schulbank drückt, kam erst vor einem Monat nach Metelen.

Moussa übersetzt ins Arabische, Ahmed schreibt fleißig mit. Gemüse und Obst sind das Thema der Stunde. Kartoffeln, Karotten, Äpfel, Erdbeeren – gänzlich neue Vokabeln sollen den Lebensmittelgruppen zugeordnet werden.

Für Songül ist dies praktisch Deutsch-Auffrischung. Als Kind hatte sie schon einmal in Deutschland gelebt. Major Buhane aus Eritrea hingegen muss zunächst noch ein Gefühl für die Sprache bekommen, den Wortschatz mühsam aufbauen.

Und Ahmed aus Bangladesch arbeitet an den lateinichen Buchstaben, die so ganz anders geschrieben werden als die bengalische Schrift seines Heimatlandes, die eine Zwischenform aus Alphabet und Silben ist.

Während die einen über dem Lehrbuch büffeln und Obstsorten mit Wörtern verbinden, übt Anne-Marie Fairhurst, die an diesem Nachmittag ihren Mann im Unterricht unterstützt, einfache Regeln der Satzstellung ein. „Welches Wort spricht man zuerst?“ fragt sie in die Runde.

Moussa hält sich hier bewusst zurück, kennt er doch die Antwort. Und er freut sich mit Ahmad, der die richtige Lösung nennt. Vielleicht liegt es ja auch daran, dass der Syrer auf sein Smartphone die App eines Deutschkurses geladen hat. Arabische Schriftzeichen, die deutsche Übersetzung und dazu das Bild einer Karotte – so ergänzt die Technik den Kurs.

„Die meisten würden am liebsten jeden Tag kommen“, weiß Werner Bever, wie wichtig der Kursus für die meist jungen Asylbeweber ist. Unterstützung kann das ehrenamtliche Projekt deshalb gut gebrauchen. So müssen die Schulbücher finanziert werden, auch weitere Lehrkräfte sind gerne gesehen. Menschen wie Maria Balthasar, ausgebildete Pädagogin. Die Lehrerin aus Metelen gehört zum Team und ist an diesem Nachmittag zur kleinen Weihnachtsfeier in den Klassenraum gekommen. Drei Wochen lang müssen die Schüler nun auf sie, das Ehepaar Fairhurst und Werner Bever warten. Denn an den Festtagen ist kein Unterricht. Am 7. Januar geht es weiter. Mit der nächsten Lektion nach einer kurzen Wiederholung zu Kartoffeln, Karotten, Erdbeeren und Äpfeln.

Zum Thema

Kontakt: Werner Bever, Telefon 0 25 56 / 9 87 87

...
Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/2954352?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F105%2F178%2F2583225%2F4849656%2F
Vier Männer in Enschede erschossen
Leichenfunde: Vier Männer in Enschede erschossen
Nachrichten-Ticker