Blut und Schweiß, aber keine Tränen
Jugendrotkreuzgruppe übt mit Schminke und Co. die Notfalldarstellung

metelen -

Große Brandblasen, Schnittwunden im Gesicht und an den Händen – die Mitglieder der Jugendrotkreuzgruppe sehen manchmal zum Fürchten aus. Zum Glück ist alles nur Schminke und Kunstblut. Aber die Notfalldarstellung soll schließlich so realistisch wie möglich aussehen.

Samstag, 06.06.2015, 12:06 Uhr

Die Scherbe im Gesicht von Analena Libuda ist glücklicherweise nicht echt. Rotkreuz-Jugendgruppenleiterin Julia Thomas schminkt mit reichlich Kunstblut.
Die Scherbe im Gesicht von Analena Libuda ist glücklicherweise nicht echt. Rotkreuz-Jugendgruppenleiterin Julia Thomas schminkt mit reichlich Kunstblut. Foto: Dorothee Zimmer

Angstschweiß gibt es auch in Flaschen. Für gewöhnlich bricht dieser ja von ganz alleine aus – in unglücklichen Situationen und meist plötzlich. Aber er steckt auch in einer weißen Plastikflasche, die Teil eines Schminkkoffers für die Notfalldarstellung beim DRK ist.

Julia Thomas , Leiterin der Jugendrotkreuzgruppe , betupft beim Treffen mit dem DRK-Nachwuchs die Stirn der zwölfjährigen Lisa Bröker mit der klaren Flüssigkeit. Kleine Perlen bilden sich und simulieren eine schweißnasse Stirn wie sie in stressigen Situationen auftreten kann. Welche ersten Gegenmaßnahmen an dieser Stelle und bei vielen weiteren Folgen eines Unfalls angezeigt sind, lernen die insgesamt acht Mädchen im Alter von acht bis 17 Jahren in den Gruppenstunden.

Weil das am besten geht, wenn sie die große Bandbreite möglicher Wunden kennen, bedienen sich die Mädchen an den Utensilien aus dem Koffer und schminken sich gegenseitig. Beispielsweise mit Schnitt- oder Brandwunden. Und wo es passt, kommt eine ordentliche Portion Kunstblut dazu.

Weil die Wunden so realistisch aussehen, gibt es eine Regel: „Wir dürfen damit nie nach Hause gehen. Einige Leute könnten sich sonst sehr erschrecken“, erklärt Analena Libuda. Auch die 13-Jährige ist im ersten Moment schockiert, als sie sich im Spiegel die von der Leiterin aufgeschminkte Scherbe und das Blut auf ihrer Wange ansieht: „Das sieht ja zum Fürchten aus.“

Auf dem Handrücken von Franziska Libuda entwickelt sich nach sorgfältigem Auftragen verschiedener Materialien durch Lisa Bröker eine Pseudo-Brandblase. Franziska jammert ein bisschen theatralisch, bevor sie im Gegenzug auch Lisa eine künstliche Brandblase verpasst. Im Übrigen weiß das Mädchen aus eigener leidvoller Erfahrung, wie sich eine Verbrennung anfühlt. „Ich wollte mal eine Wärmflasche mit heißem Wasser befüllen, hab aber die Öffnung nicht getroffen, und dann ist das Wasser auf meinen Bauch geschwappt“, erzählt sie.

Tanja Gerling schmerzt zum Schein der Mittelfinger. Er ist blutunterlaufen, der Nagel scheinbar lose. Das Wissen der 13-Jährigen kommt ab und an auch in ihrer Familie zum Einsatz. Ihr Vater greift beispielsweise manchmal darauf zurück. „Wenn er sich wehgetan hat, ruft er immer ‚Doktor Tanja, kannst du mir mal helfen?’“, erzählt das Mädchen. Neben dem Malheur mit dem Fingernagel „erleidet“ sie in der Gruppenstunde darüber hinaus eine stark blutende Schnittwunde auf der Hand – kein schöner Anblick.

Im Schminkkoffer steht aber noch mehr Equipment zur Verfügung. Dort finden sich auch Knochenfragmente neben verschiedenen Pasten und ein Farbkasten mit roter und blauer Farbe für entsprechende Flecken sowie weiße Farbe, um einen Schock zu simulieren.

Ein Fläschchen mit Tränen gibt es indes nicht. Thomas sagt, sie könne auf Kommando weinen. Das wollen die Mädchen natürlich sehen. Thomas konzentriert sich, aber es will nicht so recht klappen. Und da das Ende der Gruppenstunde bereits nahe ist, muss die Rettungshelferin die Mädchen vertrösten: „Dann vielleicht beim nächsten Mal.“

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