Hilfe beim Erwachsenwerden
Sechs Jungen leben in der Einrichtung der Evangelischen Jugendhilfe in Metelen

Metelen -

Die Evangelische Jugendhilfe Münsterland ist in insgesamt 25 Kommunen vertreten – auch in Metelen. In einem Haus am Uesbecker Esch werden derzeit sechs Jungen im Alter zwischen 14 und 16 Jahren betreut. Die Mitarbeiter versuchen, so gut es geht, den Jugendlichen beim Erwachsenwerden zu helfen – eine Familie können sie aber nicht ersetzen.

Dienstag, 22.09.2015, 15:09 Uhr

Eine Allee säumt die Einfahrt zum Haus der Evangelischen Jugendhilfe Münsterland am Uesbecker Esch in Metelen. Sechs Jungen werden dort betreut.
Eine Allee säumt die Einfahrt zum Haus der Evangelischen Jugendhilfe Münsterland am Uesbecker Esch in Metelen. Sechs Jungen werden dort betreut. Foto: Zimmer

Definiert man Familie als Ort mit festen Strukturen, an dem der Nachwuchs Aufmerksamkeit und Hilfestellung erfährt, wo er lernt, Regeln und Grenzen einzuhalten – kurzum, wo er auf ein selbstständiges Leben mit angemessenem sozialen Verhalten vorbereitet wird, dann ergeben sich durchaus Parallelen zur Intensivwohngruppe. Sechs Jungen im Alter von 14 bis 16 Jahren leben zurzeit in dieser Einrichtung der Evangelischen Jugendhilfe Münsterland in Metelen . Allgemein gilt eine Altersspanne von elf bis 17. Manche bleiben für ein Jahr, andere deutlich länger.

Mit der Bezeichnung Familie tun sich Projektleiter Markus Reichenbach und Mitarbeiter Rainer Schmidt dennoch etwas schwer: „Eine Familie können wir nicht ersetzen.“ Wer in das Haus am Uesbecker Esch kommt, wo der Blick aus jedem Fenster ins Grüne fällt und ringsum beschauliche Stille herrscht, lebt getrennt von der eigenen Familie.

„Die Kinder haben eine bewegende Biografie und sind aus der Bahn geworfen worden“, erzählt Schmidt. „Aufgrund dieser Bedingungen zeigen sie ein schwieriges Verhalten.“ Der Einzug in die Einrichtung soll aus freien Stücken erfolgen, und wer sich dafür entscheidet, trifft auf bisher Unbekanntes: „Wir fordern viel und wir fördern viel“, erklärt Reichenbach.

Sie kümmern sich um die Jugendlichen in der Einrichtung: Projektleiter Markus Reichenbach (l.) und Mitarbeiter Rainer Schmidt.

Sie kümmern sich um die Jugendlichen in der Einrichtung: Projektleiter Markus Reichenbach (l.) und Mitarbeiter Rainer Schmidt. Foto: Dorothee Zimmer

Auffallend sei bei allen Bewohnern das große Potenzial an Energie. Um diesen Überschuss herauszulassen, legt das Team aus insgesamt sechs Mitarbeitern mit pädagogischer Ausbildung „hohen Wert auf Erlebnisprojekte“. Schmidt und Reichenbach berichten von der wohltuenden Wirkung gemeinsamer Aktivitäten, die insbesondere bei Unternehmungen in der freien Natur ihren positiven Effekt entfalten würden. Dabei kämen die Mitarbeiter viel besser mit den Jungen ins Gespräch, die Kinder seien offener und würden mehr von sich erzählen als sonst. Wandern, Zelten, Fahrradtouren, Ausflüge in den Wald – all das sei überaus beliebt. Oder am Feldrand zu stehen und den Traktoren bei der Arbeit zuzusehen. Wenn dann ein Landwirt fragen würde, ob einer der Jungen mal mitfahren möchte, seien die Jugendlichen begeistert.

Das 10 000 Quadratmeter große Gelände ums Haus bietet ebenfalls genügend Raum zum Austoben. Es gibt ein Fußballfeld und einen Kletterparcours, der in mehrfacher Hinsicht Einfluss auf das Verhalten nimmt: „Wer ansonsten gern das große Wort führt, erfährt hier seine Grenzen. Und das Klettern hilft, Vertrauen auszubilden“, erzählt Reichenbach.

Manche Jugendlichen haben Gefallen am Konfirmandenunterricht gefunden. Das sei oft der erste Kontakt mit Religion. Einige sind auch Mitglied in örtlichen Vereinen. Die Mitarbeiter sehen das gern: „Das ist eine gute Ebene zur Integration und zum Andocken im Sozialraum.“

Eine sinnvolle Beschäftigung bietet darüber hinaus die hauseigene Werkstatt. Jeder hat ein eigenes Fahrrad, das – unter Anleitung – stets fahrtauglich bleibt. Und auch aus Holz, das wird den Jugendlichen außerdem vermittelt, lässt sich eine Menge machen – zum Beispiel ein Haus für Kater Garfield. Der zuvor streunende Kater fühlt sich offenbar am Uesbecker Esch ebenfalls wohl und hat sich entschieden, in der Nähe der Jungen zu bleiben.

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