Grundschule
„Jambo Bwana“ im Werkraum

Metelen -

Es braucht nicht viel, um eine wohl klingende Trommel selber zu bauen: Ein Stück Papprolle, einige Blatt Butterbrotpapier, ein wenig Kleister – und schon lässt sich das Instrument anfertigen. Dies erfuhren Grundschüler in einem Projekt – und dazu viel über afrikanische Kultur.

Donnerstag, 09.03.2017, 06:00 Uhr

Aus zehn Lagen Butterbrotpapier besteht das Fell für die Trommeln, die die Drittklässler mit Pappröhren selber bauen. Christoph Studer zeigt ihnen, wie das geht und bringt den Schülern am dritten Tag des Projekts außerdem die ersten Rhythmen bei.
Aus zehn Lagen Butterbrotpapier besteht das Fell für die Trommeln, die die Drittklässler mit Pappröhren selber bauen. Christoph Studer zeigt ihnen, wie das geht und bringt den Schülern am dritten Tag des Projekts außerdem die ersten Rhythmen bei. Foto: Dieter Huge sive Huwe

Es sind erst nur leise, kaum wahrnehmbare Töne, die durch den Werkraum im Keller der Grundschule ziehen. An einer Stelle klopft ein Schüler rhythmisch auf die Arbeitsplatte, einen Tisch weiter summen zwei Mädchen synchron eine eingängige Melodie, bevor an einem dritten Platz gleich vier oder fünf der Drittklässler „Jambo Bwana“ anstimmen. Ein Hauch Exotik, eine Spur Afrika erfüllt den Raum.

Verantwortlich dafür ist der Mann, dem die Grundschüler förmlich an den Lippen hängen. Zwei Stunden lang gehört Christoph Studer in einem Projekt, das der Förderverein der Grundschule finanziert, die ungeteilte Aufmerksamkeit der Mädchen und Jungen. Denn das, was ihr Gast ihnen in drei Doppelstunden zeigt, ist so weit entfernt von Metelen, dass die Kinder einfach nur fasziniert sind. Der 49-Jährige ist Musiker und Instrumentenbauer – und das alles in einer Person.

Aufenthalte in Afrika inspirierten ihn, die Kunst des Trommelbaus und der einfachen Herstellung von Rhythmus­instrumenten an Kinder weiterzugeben.

Die musikalische Kultur in Ländern wie Kenia oder Tansania sei so vielfältig, und die Grundschüler so offen für die neuen Klänge, dass die Arbeit mit ihnen einfach Spaß mache, erzählt Studer. „Die Kinder haben Freude am Rhythmus und am Bauen der Trommeln“, freut er sich zwischen zwei Arbeitseinheiten, in denen die Drittklässler jeder für sich eigene Trommeln bauen.

Der Gast aus Münster, der am Montag, zu Beginn des Projekts, so detailreich über Afrika berichtete und verschieden große Trommeln klingen ließ, hat die Grundmaterialien mitgebracht. Dicke Pappröhren, zerschnitten zu handlichen Zylindern, bilden die Trommelkessel.

Tabea bearbeitet gerade den Rand mit Schmirgelpapier: „Das muss man machen, damit die Trommelkante beim Spielen nicht so scharf ist.“ Jonas, ebenfalls acht Jahre alt, ergänzt: „Genau, sonst würde das weh tun“, blickt er kurz auf, bevor er wieder eifrig an seiner Pappröhre schleift.

Der Kessel ist ist bald fertig, jetzt geht es an die Bespannung. Und die besteht – man glaubt es kaum – aus einfachem Butterbrotpapier. Der Trick ist zum einen, es mit Kleister geschmeidig zu machen, um es um die Trommel spannen zu können. Zum anderen ist es unabdingbar, mehrere Schichten miteinander zu verschmel­zen. Auch hier hilft Kleister.

Trommelbau-Lehrer Studer verrät natürlich auch, wie die Bespannung am stabilsten wird: „Am besten ist es, die Schichten immer wieder winkelig übereinander zu legen. Probiert das aus. Das sieht dann am Schluss aus wie ein Stern.“

Und während seine Schüler zurück an die Arbeitstische eilen und die Butterbrotpapier-Trommelfelle basteln, hat Studer ein paar Minuten, um über Afrika zu erzählen, über die Menschen dort, über Erfahrungen, die er sammelte und über Rhythmen, die meist ganz anders sind als europäische.

Am Tag drei des Projekts übt Studer mit den jungen Trommlern afrikanische Rhythmen ein und vermittelt so musikalisch den Zugang zu einer ganz anderen Kultur. Die klingt auch nach der abschließenden Doppelstunde durch die Flure der Schule, wenn die Schüler leise „Hakuna Matata“ vor sich hinsummen.

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