Familienzentrum
Schutz bei Bedrohung und Gewalt

Metelen -

Welche Möglichkeiten es gibt, auf Bedrohung und Gewalt zu reagieren, erfuhren jetzt die Mitarbeiterinnen des Familienzentrums „Hand in Hand“ im Rahmen einer Weiterbildungsmaßnahme. Die beiden katholisch getragenen Kitas im Ort erhielten zudem „Noteingang“-Signets.

Donnerstag, 16.03.2017, 06:03 Uhr

Die Referenten Gerhard Röll (Mitte l.) und Holger Rövemeier (daneben) schulten die Mitarbeiterinnen des Familienzentrums Hand in Hand zum Thema Gewalt im Rahmen der Aktion Noteingang. Die entsprechenden Schilder, hier in den Händen von St.-Marien-Einrichtungsleiterin Karin Krechting (l.) und St.-Josefs-Kita-Leiterin Nora Göcke, werden jetzt als Hinweise an die Eingangstüren der Kindertagesstätten angebracht.
Die Referenten Gerhard Röll (Mitte l.) und Holger Rövemeier (daneben) schulten die Mitarbeiterinnen des Familienzentrums Hand in Hand zum Thema Gewalt im Rahmen der Aktion Noteingang. Die entsprechenden Schilder, hier in den Händen von St.-Marien-Einrichtungsleiterin Karin Krechting (l.) und St.-Josefs-Kita-Leiterin Nora Göcke, werden jetzt als Hinweise an die Eingangstüren der Kindertagesstätten angebracht. Foto: Dorothee Zimmer

Der Begriff „Notausgang“ ist geläufig. In der Regel ist ein grünes Schild mit dieser Aufschrift in Gebäuden angebracht, und folgt man den darauf abgebildeten Pfeilen, findet man den schnellsten Weg nach draußen. Hier angelangt, ist jemand, der vor einer Gefahr davonläuft, in Sicherheit.

Diesen Ausnahmezustand gibt es räumlich auch umgekehrt. An den Eingangstüren der Kitas St. Marien und St. Josef steht neuerdings ein Hinweis, der neben Deutsch in vier weiteren Sprachen verspricht: „Wir bieten Schutz in Bedrohungs- und Gewaltsituationen“’. Erklärend hinzu kommen eine bildliche Darstellung und der Schriftzug „Noteingang“.

Die Möglichkeit, hier in einem geschützten Raum zu sein, erschöpft sich nicht darin, die Tür schnell auf- und hinter sich wieder zuzumachen. Die Aktion Noteingang bedeutet insbesondere, dass man hier auf Menschen trifft, die wissen, was konkret zu tun ist.

Gerhard Röll und Holger Rövemeier von der Diakonie in Steinfurt sind am Dienstag in die Kita St. Marien gekommen und schulen in dieser Angelegenheit insgesamt rund 30 Mitarbeiterinnen des Familienzentrums Hand in Hand. Letzte Woche waren die beiden Referenten schon im St.-Josef-Kindergarten.

Röll ist Deeskalationstrainer und Rövemeier sogenannter „Kampfesspieleanleiter“. Auf dem Flipchart haben sie die Definition des im Mittelpunkt stehenden Themas geschrieben: „Gewalt ist jedes Mittel, das eingesetzt wird, um einem anderen Menschen den eigenen Willen aufzuzwingen oder etwas machen zu lassen, was er oder sie nicht will.“

Röll und Rövemeier haben natürlich keine Standardlösungen parat, sie besprechen auch nicht ausnahmslos Situationen, die im Kindergarten vorkommen können. Ihr Ansatz lautet: „Wir wollen ganz allgemein sensibilisieren fürs richtige Helfen.“ Unter anderem nehmen sie Stellung zu Prävention und Zivilcourage. Bei letzterem warnen sie davor, sich selbst in Gefahr zu begeben. „Besser, man signalisiert dem Täter, dass man ihn wahrgenommen hat und über die Notrufnummer 110 Hilfe holt.“

Ein weiteres Beispiel: Im Bus wird ein Fahrgast bedrängt und aufgefordert, Geld oder das Handy herauszugeben. „Wie komme ich als Opfer und Unbeteiligter da raus?“, fragt Röll und nennt verschiedene Möglichkeiten. Etwa, indem man gezielt einen Mitreisenden anspricht und ihn bittet: „Sie in der blauen Jacke, helfen Sie mir.“ Und der Busfahrer könnte die Türen schließen und die Polizei rufen. Ein allgemein gehaltener Ruf nach Hilfe habe oft nicht den gewünschten Effekt.

Rövemeier sagt: „Unsere Gesellschaft kümmert sich meistens um den Täter. Dabei wäre es besser, sich um das Opfer zu kümmern.“ Dies bedeutet, in einem Konflikt dem Täter nach Möglichkeit keinerlei Beachtung zu schenken, sondern das Opfer an die Hand zu nehmen und es auf diese Weise aus der Bedrohung herauszuführen.

Stellvertretend für die Mitarbeiterinnen begrüßen die beiden Kita-Leiterinnen die umfangreichen Infos. „Das hilft bei der Arbeit und im Privaten“, meint Nora Göcke von der St.-Josef-Kita. Karin Krechting, ihre Kollegin vom St.-Marien-Kindergarten, ergänzt: „Wir haben eine Menge darüber erfahren, wie man auf Gewalt professionell reagieren kann.“

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/4704679?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F105%2F178%2F4849626%2F4849627%2F
Siebenjähriger Junge ertrunken
Reanimation blieb erfolglos: Siebenjähriger Junge ertrunken
Nachrichten-Ticker