Struwenessen im Bauernstübchen
„Keine Hektik auf der Titanic!“

Metelen -

Alle Jahre wieder lädt die Frauen-Truppe des Bauernstübchens zum Struwenessen ein. Dann geben sich dort nicht nur Metelener die Klinke in die Hand, um die süßen Leckerbissen zu verputzen. Für die Seniorinnen in der Küche heißt das Schwerstarbeit – doch Gelassenheit ist bei den alten Struwen-Hasen Trumpf.

Mittwoch, 12.04.2017, 05:04 Uhr

Emsiges Treiben herrscht in der Küche, wo Johanna Polz, Irmgard Herdering und Mathilde Rohling (großes Bild v.l.) im Einsatz sind.
Emsiges Treiben herrscht in der Küche, wo Johanna Polz, Irmgard Herdering und Mathilde Rohling (großes Bild v.l.) im Einsatz sind. Foto: Kristian van Bentem

Es gehört in Metelen seit 18 Jahren zur Karwoche wie der Jazz-Frühschoppen zum 1. Mai: Wenn die Seniorinnen-Truppe um Maria Dittrich traditionell am Dienstagnachmittag vor Ostern zum Struwen-Essen einlädt, dann pilgert nicht nur gefühlt halb Metelen ins Kreative Bauernstübchen , um sich mit den kleinen Hefepfannkuchen mit Rosinen einzudecken. Auch WN-Redakteur Kristian van Bentem (aus Münster) schaute auf einen Plausch vorbei – Kostprobe inklusive, versteht sich. Also dann: Hineinspaziert in die gute Back-, Café- und Verkaufstube!

Hmmm . . . das riecht ja verlockend!

Maria Dittrich: (lacht in der Küche, in der ein halbes Dutzend Frauen emsig Teig rührt, die Struwen backt und dezent mit Puderzucker beschneit. Es ist ein Gewusel, in dem trotzdem niemand den Überblick verliert. Jeder Handgriff sitzt) Ja, das stimmt. Aber den Geruch haben wir hier jetzt auch tagelang im Haus.

Wir benutzen nur die besten Zutaten: Denn was rein kommt, so schmeckt es auch.

Maria Hinkert

Die Leute rennen Ihnen ja die Bude ein. Was macht Ihren Struwen denn so besonders?

Maria Dittrich: Das ist ein ganz altes Rezept, das ich schon von meiner Oma kenne. Unser Struwen ist besonders locker und wird mit saftigen, süßen Rosinen gemacht. Außerdem verwenden wir zum Braten nur Backfett – nichts anderes.

Maria Hinkert: (schlägt mit einem großen Schneebesen immer wieder den Teig in den großen Wannen, damit die Struwen im Fett schön aufgehen) Wir benutzen nur die besten Zutaten: Denn was rein kommt, so schmeckt es auch. Maria Hinkert und Maria Dittrich (v.l.) beim Teigrühren. Foto: Kristian van Bentem

Kennen Sie Struwen (westfälisches Karfreitagsrezept)

Selbst schon genascht?

Johanna Polz : (an der Pfanne im Einsatz) Ja, das haben wir vorher natürlich schon. Wir müssen ja probieren, was wir den Leuten verkaufen. Und der Testlauf war erfolgreich . . .

Machen Sie den Teig nach Kochbuch?

Maria Hinkert: Nein, das Rezept kenne ich aus dem Effeff. Man muss allerdings auf das Mischungsverhältnis ziemlich genau achten, damit der Teig gelingt.

Seid wann sind Sie heute schon im Einsatz?

Maria Hinkert: Wir haben schon um 9.30 Uhr angefangen, um den Hefeteig vorzubereiten. Die Hefe muss schließlich gären, bevor man den Teig zum Backen verwenden kann. Mit Backpulver ginge es schneller – aber das geht bei Struwen nicht.

Wie viele Struwen werden Sie heute auf die Teller bringen?

Maria Hinkert: Das kann ich gar nicht genau sagen. Aber die zwei großen Wannen mit Teig reichen sicher für etwa 200 Struwen.

Maria Dittrich: Wir verkaufen bis 18 Uhr – es sei denn, dass der Teig vorher alle ist. Viele Leute haben schon vorher telefonisch bestellt.

Heute Abend sind wir fix und alle.

Johanna Polz

Respekt! Sie schuften hier alle ganz schön.

Johanna Polz: Ja, das kann ich Ihnen sagen. Heute Abend sind wir fix und alle.

Maria Hinkert: Es ist schon anstrengend, wenn man den ganzen Tag Teig rührt. Aber mein Arzt sagt immer: Im Alter muss man in Bewegung bleiben.

Stimmt es, dass Sie 87 sind?

Maria Hinkert: (schmunzelt) Schreiben Sie: Über 80! In der Pfanne brutzeln die Struwen, bis sie goldbraun sind. Foto: Kristian van Bentem

Blick in den Nebenraum: An der Verkaufstheke stehen die Struwen-Liebhaber Schlange, um die Puffer zu je 1,50 Euro zu bestellen.

Da geht es ja zu wie im Taubenschlag. Alles Leute aus Metelen?

Maria Dittrich: Oh nee, die kommen auch von weiter weg. Wir haben zum Beispiel Kunden, die aus Altenberge, Nienberge und Billerbeck sind. Und es gibt viele Stammgäste, die jedes Jahr hier sind, wenn wir Struwen machen.

In der Küche herrscht weiterkreatives Chaos. Bestellungen werden fast pausenlos hineingerufen, die Damen kommen mit dem Backen kaum noch nach. Doch alte Struwen-Hasen bleiben stets gelassen.

Maria Hinkert: Immer mit der Ruhe . . . Keine Hektik auf der Titanic!

Rezept

Omas Struwen

Zutaten (für 4 Personen): 1 Würfel Hefe, 1 große Tasse Milch, 1 Beutel Rosinen, 500 Gramm Mehl, 5 Eier, Zucker und Öl.

Zubereitung: Die Milch leicht erwärmen und in eine große Tasse geben, die Hefe zerbröseln und in die warme Milch geben, etwas Zucker hinzufügen. Das Mehl in eine Schüssel geben, in die Mitte eine „Kuhle“ drücken und die Hefemilch und die Eier dazugeben, dann alles mischen, bis ein dickflüssiger Teig entsteht. Die Rosinen einmischen, den Teig jetzt mindestens eine Stunde gehen lassen. Danach den Teig noch einmal durchrühren; mit zwei Esslöffeln portionieren und die entstandenen Hefeplätzchen goldbraun backen. Wer keine Rosinen mag, lässt sie einfach weg.

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