Gero Bergmann: Schauspieler, Choreograph, Stuntman
Hieb- und stichfest

Metelen -

Gero Bergmann ist ein echter Raufbold, ein Draufgänger, wie er im Buche steht – zumindest dann, wenn es im „Drehbuch“ steht. Dann greift der gebürtige Metelener zuweilen zu Methoden, die hieb- und stichfest sind.

Donnerstag, 13.04.2017, 18:04 Uhr

In zahlreiche Rollen ist Gero Bergmann schon geschlüpft. Der gebürtige Metelener (auf dem großen Bild als Alchemist) ist Spezialist für historische Fecht-Inszenierungen.
In zahlreiche Rollen ist Gero Bergmann schon geschlüpft. Der gebürtige Metelener (auf dem großen Bild als Alchemist) ist Spezialist für historische Fecht-Inszenierungen. Foto: Jörg Merlin Noack

Im Gespräch wirkt er ruhig und besonnen. Doch wehe, die Rolle verlangt es, dann greift der gebürtige Metelener – Stuntman, Schauspieler und Choreograph – ruckzuck zu Degen, Säbel oder Rapier und kreuzt die Klingen mit seinen Widersachern. Wie geschickt er damit umgeht, davon konnten sich im Januar auch die Zuschauer der Florian-Silbereisen-Show in der ARD überzeugen, in der Bergmann als fliegender Musketier zu sehen war.

„Ich hatte schon immer ein großes Interesse am historischen Fechten“, erzählt Bergmann, der nach der Realschule mit Anfang 20 seine sieben Sachen packte und Metelen den Rücken kehrte. „Ich musste einfach raus aus der westfälischen Enge“, sagt er und meint die Weite des Münsterlandes, die ihn regelrecht erdrückte. Intensiv beschäftigte er sich nun mit historischen Kampftechniken und erlernte diese. „Und dann kam eins zum anderen.“

In der Prignitz (Brandenburg) schloss er sich einem internationalen Stuntteam an. Wobei seine Arbeit dort wenig mit Stunts zu tun hatte, wie die man sie aus der Kult-80er-Serie „ Colt Seavers “ kennt. Der Metelener sprang nicht von Häusern und überschlug sich nicht mit Autos. „Ich war Spezialist für szenisches Fechten, für das Inszenieren von Kampfszenen im historischen Kontext“, erzählt er.

Bei Festivals verband er mit seiner Truppe die Tradition historischen Degenfechtens mit der Präzision moderner Stunt-Technik und führte spektakuläre Performances auf wie in den besten Mantel-und-Degen- oder Piraten-Filmen.

Apropos Seeräuber: Jahrelang spielte und kämpfte Bergmann als Schauspieler in der Rolle des Capt’n Flint beim Piraten Open Air in Grevesmühlen (Mecklenburg-Vorpommern) – mit rund 70 Aufführungen pro Saison.

Alles nur Schauspiel? Ganz ungefährlich ist das nicht, wird doch nicht etwa mit Kunststoffwaffen gekämpft. Ein gewisses Verletzungsrisiko gebe es, so Bergmann. „Die Waffen sind zwar stumpf, aber es ist natürlich nicht auszuschließen, dass man im Eifer des Gefechts mal einen auf die Finger bekommt“, sagt er mit einem Schmunzeln. Umso wichtiger sei es, als Darsteller diese Szenen nicht als ernsthaften Kampf zu verstehen, sondern als eine Geschichte, die man erzählt. „Das Ganze folgt einer einstudierten Dramaturgie. Man muss den Rhythmus halten und immer wissen, was der Gegner beim Fechten als nächstes macht“, betont Bergmann, der nicht nur selbst ein Meister am Rapier (eine Mischung aus Schwert und Degen, die zur Zeit des 30-jährigen Kriegs gebräuchlich war) und weiterer Hieb- und Stichwaffen ist, sondern auch andere Schauspieler darin unterrichtet und Kampfchoreographien für Theaterstücke inszeniert. Wenn es darum geht, szenisches Fechten dramaturgisch umzusetzen, gehört Bergmann zu den gefragtesten Spezialisten in Deutschland. „Da gibt es nicht so viele. Die Konkurrenz ist überschaubar“, erklärt er.

Gero Bergmann

Gero Bergmann Foto: Ben-Peter Krüger

In seiner derzeitigen Wahlheimat Berlin hat Bergmann zudem zwei Theater-Ensembles gegründet: das Theater „Lampenputzer“, das politisch-historischen Stoff aus der Zeit um 1913 wieder erleben lässt, und das Theater „Pomp & Puder“, das barocke Komödien in der seinerzeit üblichen Spielweise inszeniert. In Berlin spielte Bergmann zudem im Stück „Im Tunnel“, das in einem unterirdischen Gewölbe das Thema der Tunnelfluchten aus der DDR behandelt und den Bogen zur heutigen Fluchtthematik schlägt.

Schauspieler, Stuntman, Choreograph? Welche Hauptrolle beansprucht Tausendsassa Gero Bermann, der auch schon Hörspiele gesprochen hat, denn nun für sich? „Ich glaube, ich bin eine Mischung aus allem“, sagt er. „Aber ich sehe mich heute primär als Schauspieler.“ Auch ohne klassische Ausbildung in diesem Metier. „Ich bin da irgendwie reingerutscht. Und mich reizt es an diesem Beruf gerade, dass man eben nie fertig ist, sondern immer neue Herausforderungen hat und sich damit ständig weiterentwickelt“, so der 41-Jährige, der schon die verschiedensten Charaktere verkörpert hat: „Von absoluten Psychopaten bis zu strahlenden Helden.“ Zu Film oder Fernsehen hat es ihn allerdings nie gezogen. „Die Theaterarbeit finde ich schöner, weil sie ein Live-Act ist“, betont Bergmann.

Deshalb freut er sich auch, ab dem 23. Juni nach sechsjähriger Pause wieder beim Piraten Open Air an Bord zu sein. Diesmal nicht als Capt’n Flint, sondern als Alchemist, Berater des Königs – und Gegenspieler von Capt’n Flint. Mit dieser Rolle wechselt er also die Seiten. Doch als Draufgänger mit Rapier, Degen oder Säbel wird er dennoch zu sehen sein, wie es das „Drehbuch“ erahnen lässt. „Ich denke doch, dass wir einige Kampfszenen einbauen.“

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