Steigende Bedrohung für die Vogelwelt
Katzenhalter in der Pflicht

Metelen -

Es gibt immer mehr Katzen, vor allem Streuner sind ein Problem. Darunter leidet besonders die Vogelwelt. Mark Langhorst, Vorsitzender des Hegering Metelen, appelliert daher an alle Halter, ihre Samtpfoten kastrieren zu lassen und nachts drinnen zu behalten.

Donnerstag, 18.05.2017, 10:05 Uhr

Miez auf der Pirsch: Es gibt immer mehr Katzen, vor allem verwilderte – und das ist ein Problem für die Vogelwelt. Daher rät Hegeringleiter Mark Langhorst allen Haltern dazu, ihre Samtpfoten zu kastrieren und nachts drinnen zu behalten.
Miez auf der Pirsch: Es gibt immer mehr Katzen, vor allem verwilderte – und das ist ein Problem für die Vogelwelt. Daher rät Hegeringleiter Mark Langhorst allen Haltern dazu, ihre Samtpfoten zu kastrieren und nachts drinnen zu behalten. Foto: Heidrun Riese

Katzen sind kuschelige Zeitgenossen, keine Frage. Aber sie sind auch von Natur aus Raubtiere und werden als solche immer mehr zum Problem, vor allem für die hiesige Vogelwelt. Weil ihre Population stark zugenommen hat, wie Mark Langhorst , Vorsitzender des Hegerings Metelen, erklärt. „Katzen werden ausgesetzt, weil sie ihren Besitzern lästig geworden sind“, ist eine seiner Beobachtungen. „Oder sie vermehren sich unkontrolliert, weil sie nicht kastriert worden sind.“ Aber nicht nur die verwilderten Samtpfoten gehen gerne auf die Jagd, sondern auch Haus- und Hofkatzen, deren Halter der Hegeringsleiter klar in die Pflicht nimmt. „Die Schuld darf nicht den Tieren in die Schuhe geschoben werden“, betont er. „Ihre Halter müssen mehr Verantwortung übernehmen. Das würde schon sehr helfen.“

Auf Beutezug

Dass die Miez mal eine Maus oder einen Vogel vor die Tür legt, hat wohl jeder Besitzer eines Freigängers schon erlebt. „Das ist aber nur das, was man mitbekommt“, macht Langhorst deutlich. Besonders wild lebende Katzen würden deutlich mehr Beute machen. „Mindestens ein Stück am Tag, um überleben zu können.“ Dabei haben es die schnurrenden Fellnasen zum einen auf Singvögel wie Spatz, Fink und Star abgesehen, vor allem aber auf die für sie am einfachsten zu erreichenden Bodenbrüter. „Uferrandschnepfe, Kiebitz, Feldlerche, großer Brachvogel oder Rebhuhn sieht man kaum noch“, berichtet der Jäger. „Das ist dann schon ein Glücksfall.“ Laut einer Studie der American Bird Conservancy wurden seit dem 17. Jahrhundert bereits 33 Tierarten durch die Katze ausgerottet. „Da ist die Natur nicht gegen gerüstet“, weiß Langhorst.

Was tun, damit nicht noch mehr aussterben? Kontrolle ist in diesem Zusammenhang das Stichwort. In seinem 260 Hektar großen Revier in der Bauerschaft Samberg, das er zusammen mit seinen Jagdkollegen bearbeitet, hat der Hegeringleiter zumindest eine grobe Übersicht, was den Bestand an Samtpfoten angeht. „Hier gibt es 35, die ich kenne“, informiert er. Diese gehören zu den landwirtschaftlichen Betrieben. „Auf jeden Hof gehören ein bis zwei Katzen“, betont er. „Allein schon wegen der Mäuse.“ Darüber hinaus gebe es aber eben noch Streuner, ausgesetzte oder unbemerkt geborene Tiere, die nicht an Menschen gewöhnt seien und ein Leben im Verborgenen führen. „Die bekommt man oft nicht zu Gesicht.“ Insgesamt, schätzt Langhorst, sind in seinem Revier 70 bis 100 Katzen unterwegs. „Neben Füchsen, Krähen, Iltissen, Mardern und seit Neuestem auch dem Waschbär stellen sie das größte Problem dar“, macht er deutlich.

Lebendfallen

Um diesem Herr zu werden, wurden wildernde Katzen lange Zeit geschossen. Vor zwei Jahren hat die rot-grüne Landesregierung jedoch ein neues Jagdgesetz verabschiedet, nach dem die schnurrenden Fellnasen nun lebend eingefangen werden müssen. Das geschieht, so der Vorsitzende, mit speziellen Fallen für Raubwild. „Da gibt es genaue Vorschriften, welche Fallen verwendet werden dürfen und wie sie aufgebaut werden müssen.“ Geht die Klappe zu, klingelt beim Jäger oder beim Jagdaufseher das Handy. Dieser guckt dann, was für ein Tier ihm in die Falle gegangen ist. Dieses wird dann in die Natur entlassen oder, handelt es sich um eine Katze, seinem Besitzer zurückgebracht beziehungsweise im Tierheim oder bei der Kommune abgegeben.

Bringt er einen Ausreißer nach Hause, appelliert Langhorst stets an den gesunden Menschenverstand des Halters. „Nachts sollten Katzen im Haus oder in der Scheune bleiben“, ist einer seiner Tipps. Denn im Dunkeln seien die schnellen, flinken und intelligenten Schnurrhaarträger ihrer Beute gegenüber noch mehr im Vorteil als im Hellen. Um besonders die Piepmätze zu schützen, empfiehlt er allen Besitzern von Freigängern, ihren vierbeinigen Lieblingen ein Glöckchen umzuhängen. „Damit erwischen sie immer noch Mäuse und Ratten, aber die Vögel sind gewarnt und man tut seinem Tier damit nichts Schlechtes.“ Der Hegeringleiter, der auch selbst mal einen Stubentiger hatte, hält außerdem eine Katzensteuer für sinnvoll. „Wenn man sein Tier kastriert und chippt, könnte es eine Erleichterung geben“, lautet sein Vorschlag.

Politisch, so Langhorst, seien wildernde Katzen ein schwieriges Thema. „Weil die Kosten für das Einfangen an den Kommunen, Tierheimen und Jägern hängen bleiben.“ Erstmal bleibt ihm also nur, weiter an die Halter von Samtpfoten zu appellieren – für einen verantwortungsvollen Umgang mit ihren schnurrenden Vierbeinern. Schließlich liegt ihm als Jäger nicht nur der Natur-, sondern auch der Tierschutz am Herzen.

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/4851237?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F105%2F178%2F
Nachrichten-Ticker