Erfolgsversprechende Hinweise auf der Suche nach einem Vermissten
Dem Sommer auf der Spur

Metelen -

Wo ist eigentlich der Sommer in diesem Jahr? Der Versuch, eine Vermisstenanzeige aufzugeben, scheitert. Die Polizei erklärt sich nicht zuständig und rät, sich selbst auf die Suche zu machen. O.k., das haben wir gemacht – und Hinweise auf den Verbleib des Sommers gesammelt. 

Freitag, 25.08.2017, 01:08 Uhr

Von wegen kein Sommer: Auch wenn die Suche in der Telefonbuch-App „Keine Ergebnisse“ liefert – bei Irene Pieper kann man ihn sogar schmecken.
Von wegen kein Sommer: Auch wenn die Suche in der Telefonbuch-App „Keine Ergebnisse“ liefert – bei Irene Pieper kann man ihn sogar schmecken. Foto: Kristian van Bentem

Ja, wo ist er denn nun? Zwei Tage lang soll er sich mal wieder in der Gegend haben blicken lassen, doch ratzfatz ist er auch schon wieder verschwunden. Langsam muss man sich wohl ernsthafte Sorgen machen um den Sommer in diesem Jahr. Wo treibt er sich nur rum? Ist ihm womöglich etwas zugestoßen? Zeit zum Handeln! Auf zur Suche nach dem Sommer – oder das, was noch von ihm übrig ist . . .

Vermisstenanzeige bei der Polizei ohne Erfolg

Der erste Ansprechpartner: die Polizei. „Ich möchte eine Vermisstenanzeige aufgeben.“ Doch Reiner Schöttler , Pressesprecher der Polizei Steinfurt, kann diese beim besten Willen nicht aufnehmen. „Nett, dass Sie sich Sorgen machen. Aber das ist nicht Sache der Polizei“, betont er. Vermisstenanzeigen von Personen würden zwar immer aufgenommen. Was die Polizei unternehme, sei aber situationsabhängig. „Wenn jemand mal etwas später nach Hause kommt, muss das nichts heißen. Erwachsene dürfen ja auch selbst bestimmen, wo sie sich aufhalten.“ Und der Sommer ist zweifelsohne erwachsen. Einen Tipp gibt Schöttler dennoch: „Ich habe gehört, dass sich der Sommer jenseits der Alpen aufhält.“ So weit weg? Das kann doch nicht sein, dass man ihn nicht auch in Metelen findet. „Dann suchen Sie erst mal selbst“, so Schöttler.

Na, dann – ab in den Blumenladen „Floraler Lifestyle“. „Hmmm – das meiste hier ist schon eher herbstlich“, sagt die Verkäuferin, hat aber mit rosa Dahlien und roten Zinnien auch noch Sommerblumen im Sortiment – und einen sachdienlichen Hinweis: „Gehen Sie ein Stück die Straße runter. Da ist ein Balkon, auf dem noch ganz üppig Petunien blühen.

Tatsächlich: Die sommerliche Blumenpracht ist nicht zu übersehen. Irgendwo ganz in der Nähe könnte er also sein, der Sommer. Und die Indizienkette verdichtet sich: Im Schuhhaus Hilmann warten noch reichlich Schlappen und Sandalen auf den jahreszeitgemäßen Gebrauch. „Sommerschuhe sind durchaus noch gefragt – viele fahren ja jetzt erst in Urlaub“, sagt Wolfgang Zutelgte und wünscht „viel Erfolg bei der weiteren Suche“.

Sommerfrisuren sind noch gefragt

Direkt gegenüber im Friseursalon „Hair Fashion“. „Ja, Sommerfrisuren sind immer noch gefragt“, bestätigt Salonleiterin Katrin Lindau. In diesem Jahr in sind als Styling zum Beispiel „Beach Waves“ – Strähnen, die einzeln ins Haar gemalt werden.

Auf der Suche finden sich weitere Spuren von Sommer: Die St.-Vitus-Schule, die in den Ferien verlassen ist. Erdbeeren im K+K-Markt (neben Kürbissen, die eher herbstlich anmuten). Kurze Hosen und luftige Hemden im Modenhaus Wesseler, die sich von herbstlichen Textilien noch nicht ganz verdrängen lassen wollen.

Apropos Klamotten: Ganz auf „kurz“ eingestellt ist bei der Dienstkleidung Klaus Prange. Der Zusteller der Deutschen Post aus Metelen trägt gerade Briefe und Päckchen im sommerlichen Outfit aus. „Das Wetter ist zwar in diesem Jahr sehr wechselhaft, und ich habe auch Regenkleidung dabei. Aber ich nutze jede Gelegenheit, wenn ich mal T-Shirt und kurze Hose tragen kann.“

Auf der Suche nach dem vermissten Sommer 2017

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  • Wo ist eigentlich der Sommer 2017? Hat er sich schon verabschiedet, bevor er überhaupt richtig da war? Wir haben uns in Metelen auf die Suche nach ihm gemacht – und unmissverständliche Hinweise darauf gefunden, dass er noch in der Nähe sein muss . . .

    Foto: Kristian van Bentem
  • Wer den Sommer schon abschreibt, dem blüht was. Zum Beispiel Sommerblumen wie diese rosa Dahlien und roten Zinnien, die wir im Blumenladen „Floraler Lifestyle“ entdeckt haben. „Das meiste hier ist aber schon eher herbstlich“, sagt die Verkäuferin, hat aber noch einen sachdienlichen Hinweis. „Gehen Sie ein Stück die Straße runter . . .“

    Foto: Kristian van Bentem
  • Tatsächlich – da ist der Sommer nicht zu übersehen: Üppig sprießen auf diesem Balkon die Petunien.

    Foto: Kristian van Bentem
  • Läuft! So ist man in der warmen Jahreszeit zu Fuß unterwegs. Im Schuhhaus Hillmann warten noch reichlich Schlappen und andere Sommerschuhe auf den jahreszeitgemäßen Gebrauch.

    Foto: Kristian van Bentem
  • Sommerliche Strandatmosphäre: Zumindest als Laden-Dekoration im Schuhhaus.

    Foto: Kristian van Bentem
  • Eine haarige Sache: „Beach Waves“ – eine Stylingvariante dieses Sommers, bei der Strähnen ins Haar gemalt werden – ist gerade immer noch in, wie im Friseursalon „Hair Fashion“ zu erfahren ist.

    Foto: Kristian van Bentem
  • „School’s out for Summer“, sang schon Alice Cooper. Das gilt auch für die St.-Vitus-Schule, die während der Sommerferien verlassen ist. Es ist die Ruhe vor dem Sturm – am Dienstag kehren die Schüler zurück.

    Foto: Kristian van Bentem
  • Dieser Hinweis auf den Sommer auf dem Nebenplatz von Matellia Metelen ist klarer als mancher Elfmeter: Nur zu Saisonbeginn dürfen die Amateure in den Fünfmeterräumen auf englischem Rasen kicken, ehe diese spätestens im Herbst schon ziemlich ramponiert sind.

    Foto: Kristian van Bentem
  • So ein Früchtchen: Hier hat sich der Sommer also eingenistet – in der Obst- und Gemüseabteilung des K+K-Markts.

    Foto: Kristian van Bentem
  • Gibt’s zum Durstlöschen nur in der – eigentlich – heißen Jahreszeit.

    Foto: Kristian van Bentem
  • Und damit das kühle Blonde unterwegs auf Ideal-Temperatur bleibt: Bei einem Boxenstopp bei Tietmeyer kann man sich immer noch für den Sommer rüsten.

    Foto: Kristian van Bentem
  • Mag sein, dass irgendwann der Herbst nach Metelen kommt – aber das steht auf einem anderen Blatt. Diese hier rund um die Kirche sind jedenfalls (fast alle) noch sommerlich grün.

    Foto: Kristian van Bentem
  • Luftige Hemden im Modenhaus Wesseler, die sich von herbstlichen Textilien noch nicht ganz verdrängen lassen wollen.

    Foto: Kristian van Bentem
  • So geht im Sommer die Post ab: Zusteller Klaus Prange aus Metelen bringt Briefe und Päckchen im luftigen Outfit.

    Foto: Kristian van Bentem
  • O.k., dicke Wolken lassen viele Tage eher grau erscheinen – aber die Temperaturen sind ein Gradmesser, der eindeutig noch für Sommer spricht.

    Foto: Kristian van Bentem
  • Eiskalt erwischt: Bei Laura Kakowkin (li.), Nicola Marco (Mitte) und Loredana Lena kommt im Eiscafé Venezia der Sommer in die Tüte.

    Foto: Kristian van Bentem
  • Hier hat man den Sommer noch auf dem Schirm: Für laue Abende kann man sich schlechtere Orte als einen Biergarten – wie hier hinter der Gaststätte Lampen Pieper – vorstellen.

    Foto: Kristian van Bentem
  • Von wegen kein Sommer: Da kann Irene Pieper nur lachen, kann man ihn bei ihr doch sogar schmecken. Der von ihr kreierte Sommer-Drink, so verspricht sie, ist ein Traum.

    Foto: Kristian van Bentem
  • Ist der Sommer nur heiße Luft? Nicht mit diesem Equipment, dass sich bei HTG (Haus Tier Garten) am Kreisel dreht.

    Foto: Kristian van Bentem
  • Da gibt’s kein Sommerloch: Man braucht nicht viel Kohle, um dem Sommer einzuheizen , wenn er abdampfen will.

    Foto: Kristian van Bentem
  • Das macht Hoffnung: Der Sommer fällt nicht ins Wasser.

    Foto: Kristian van Bentem
  • Summer-Feeling: Diese Litfaßsäule zeigt ganz plakativ, dass der Sommer nicht ausgefallen ist.

    Foto: Kristian van Bentem
  • Nur eines macht auf der Suche nach Sommer in Metelen doch stutzig: das Ergebnis in der Telefonbuch-App . . .

    Foto: Kristian van Bentem

Mittagszeit, Wolken am Himmel – trotzdem zeigt die Wetter-App immerhin 22 Grad an. Im italienischen Eiscafé Venezia bedient Nicola Marco Kundschaft. Etliche Eistüten gehen in kurzer Zeit über die Theke. „Eis schmeckt immer – auch wenn der Sommer diesmal nicht so gut ist“, sagt der Sizilianer, der seit zehn Jahren in Metelen mit Loredana Lena das Café betreibt, und denkt seufzend an die Heimat: „Da sind jetzt über 30 Grad und nur Sonne.“

Das wäre ideales Biergartenwetter. Ein großes Schild weist den Weg auf den Hinterhof der Gaststätte Lampen Pieper. Ab dem späten Nachmittag herrsche hier Betrieb, berichtet Inhaber Heinz Pieper. „Die Leute wollen draußen sitzen, auch wenn es nicht so warm ist“, weiß er. Und ein Schild am Eingang verspricht, dass man hier den Sommer sogar schmecken kann. „Irenes Himbeertraum“ heißt das Getränk, das Irene Pieper für die heiße (oder notfalls eben auch nicht so heiße) Jahreszeit selbst kreiert hat. „Läuft gut. Es ist schön erfrischend mit Prosecco, Wein, Himbeere, Eis, Minze und ein paar Zutaten mehr, die ich nicht verrate . . .“

Bei HTG ist der Sommer nicht nur heiße Luft

Im HTG (Haus Tier Garten) am Kreisel: Keine Umdrehungen macht hier gerade der Ventilator, der im Laden steht. „Der ist aber auch in diesem Sommer nicht überflüssig“, versichert Betriebsleiter Bernd Münning. „Denn selbst, wenn es regnet, ist es von der Temperatur oft drückend. Da tut frische Luft Kunden und Mitarbeitern gut.“ Ein paar Meter weiter stehen einige Säcke Grillkohle. „Der Bedarf ist da“, erzählt er und lacht: „Da gibt es kein Sommerloch.“

Alles Hinweise, aber kein Beweis für den Verbleib des Sommers. Ein letzter Versuch: Er muss doch höchstpersönlich in Metelen anzutreffen sein. Leute mit dem Namen gibt es selbst im kleinsten Dorf. Erwartungsvoll gebe ich „Sommer“ in die Telefonbuch-App ein und mache große Augen: „Keine Ergebnisse in Metelen.“

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