Schulalltag früher
Glanzbildchen für den Schulofen

Metelen -

Einmal im Jahr kommen die Schülerinnen des Einschulungsjahrgangs 1942 im Kreativen Bauernstübchen zusammen, um über alte Zeiten zu plaudern. Schuldgeschichten von anno dazumal werden dann aufgewärmt und Erinnerungen an Lehrkräfte machen die Runde.

Samstag, 21.10.2017, 06:10 Uhr

Im Bauernstübchen traf sich diese Damenrunde, um die Erinnerungen an die gemeinsame Schulzeit wach zu halten.
Im Bauernstübchen traf sich diese Damenrunde, um die Erinnerungen an die gemeinsame Schulzeit wach zu halten. Foto: Dorothee Zimmer

Es gibt Fragen, die lösen nichts als pure Erheiterung aus. „Haben Sie sich denn nach der langen Zeit immer noch etwas zu erzählen?“ ist zum Beispiel so eine. Jedenfalls dann, wenn man sie den Frauen stellt, die 1942 in Metelen eingeschult wurden und die sich seit vielen Jahren stets an einem Oktoberdienstag zum Klassentreffen bei Kaffee und Kuchen im Bauernstübchen einfinden.

Das allgemeine Gelächter ist dann groß. „Aber ja,“ sagt Mathilde John , „manchmal finden wir gar kein Ende.“ Zuweilen wiesen gar die Damen des Bauernstübchen-Teams freundlich auf das Ende der Öffnungszeit hin. „Dann haben wir uns oft gewundert, wie schnell die Stunden wieder einmal umgegangen sind.“

Elf Frauen des Jahrgangs 1935/36 waren beim diesjährigen Treffen dabei, denn aus der ehemaligen Klasse mit insgesamt rund 25 Mitschülerinnen kommen nicht jedes Mal alle; einige sind auch schon verstorben, erzählt Lori Ellling . „Wir waren eine reine Mädchenklasse. Jungen und Mädchen wurden getrennt unterrichtet, das war damals so.“

Es wird viel gelacht an diesem Nachmittag und manch eine Erinnerung lebendig, wie etwa die an den Tag der Einschulung. Direktor Schreiner hatte die Mädchen damals begrüßt. „Es ging alles so streng zu. Er hat uns ständig ermahnt, den Arm steil in die Luft gereckt zu halten. Das war gar nicht so einfach.“ Mathilde Bückers weiß noch: „Ich hatte Angst hoch zehn.“

Dann fällt der Name von Lehrer Hellmann. „Der trug immer Lederstiefel. Und vom Rohrstock machte er auch Gebrauch.“ Hatte jemand etwas in den Unterricht mitgebracht, um es den anderen zu zeigen, was aber eigentlich da nicht hingehörte – wie zum Beispiel Glanzbildchen – , und Lehrer Hellmann bekam Wind davon, nahm er es an sich und ließ keinen Zweifel daran, was er damit zu tun gedachte: „Der Ofen frisst alles.“

Der gemeinsame Schatz der Erinnerung scheint riesengroß. Oft fällt nur ein Stichwort und schon sprudelt die Quelle der persönlichen Eindrücke: Dass Schönschreiben damals so wichtig war, dass der Ausflug mit dem Bus zum Hockenden Weib vielen „wie eine Weltreise“ vorkam und dass die Bauernkinder zur Winterzeit im Klassenraum am Kanonenofen sitzen durften, um sich aufzuwärmen. „Die mussten ja von zu Hause aus manchmal mehr als eine Stunde zur Schule laufen.“ Selbstredend in Holzschuhen, wie sie seinerzeit alle trugen. Ebenso wie Schürzen, eine für die Schule, eine zweite für daheim.

„Wisst ihr noch, dass der Unterricht wegen Fliegeralarm oft ausfiel?“ Diese Frage einer Klassenkameradin wird allseits bejaht und ergänzt: „Wir sind dann immer hinten in den Turm der Kirche gegangen.“ Im Spätsommer war die Kartoffelernte ein großes Thema. „Die Bauern kamen zu uns in die Klasse und fragten: ‚Wer kann uns beim Suchen helfen?’“

Die Frauen wissen noch gut, dass die Landwirte sehr unterschiedlich belohnten. Manche Kinder bekamen für einen ganzen Nachmittag 75 Pfennig, vielleicht noch ein Körbchen Kartoffeln dazu oder ein Stück Apfelstuten. „Darüber tauschten wir uns natürlich aus, und deswegen ging man zu dem einen lieber und zu dem anderen nicht so gern.“

Ein Höhepunkt im Rahmen ihrer Treffen war 2005 der Besuch der zwischenzeitlich verstorbenen Klassenlehrerin Ruth Herzog. „Wir haben sie als Kinder sehr verehrt. Und sie mochte uns offenbar auch, bei ihrem Besuch hat sie sehr von uns geschwärmt.“

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