Hummel-Bestand
Imker schlägt Alarm: In Sorge um die dicken Brummer

Metelen -

Imker Heinz Wilpers ist in ernster Sorge um den Hummel-Bestand in der freien Natur. Ausgeräumte Landschaften, radikal auf den Stock gesetzte Hecken und der Rückgang blühender Ackerränder machen es den Königinnen der brummelnden Insekten sehr schwer, nach dem Winter zu überleben. Dabei, so der Honig-Fachmann, seien die dicken Brummer für die Bestäubung von Pflanzen sehr wichtig.

Dienstag, 17.04.2018, 06:04 Uhr

Verhungert ist diese Hummel-Königin, die Imker Heinz Wilpers in der freien Natur gefunden hat. Den Imker ärgert, dass die Dickschiffe unter den Nutzinsekten immer weniger Nahrung finden.
Verhungert ist diese Hummel-Königin, die Imker Heinz Wilpers in der freien Natur gefunden hat. Den Imker ärgert, dass die Dickschiffe unter den Nutzinsekten immer weniger Nahrung finden. Foto: Dieter Huge sive Huwe

„Die ist schlichtweg verhungert“. Heinz Wilpers schüttelt traurig den Kopf, als er das pelzige Insekt aus einer Plastiktüte nimmt. Er hat es eigens aufbewahrt, um zu zeigen, dass es den dicken Brummern unter den Honigsammlern gar nicht gut geht in diesen Zeiten.

Wilpers muss es wissen. Seit Jahrzehnten ist er ausgewiesener Fachmann nicht nur für die fleißigen Bienen, sondern er kennt sich auch mit den anderen Nutzinsekten aus. „Die Hummeln“, das weiß er nicht erst seit dem Fund der toten Königin vor ein paar Wochen, „haben es immer schwerer, in der freien Natur noch ausreichen Nahrung zu finden.“

Gerade nach dem Winter seien die Königinnen, welche die kalte Jahreszeit überstehen, auf Nahrung angewiesen. „Schaut man sich aber einmal um, so erkennt man schnell, das da nicht mehr so viel ist“, ärgert sich Wilpers vor allem über radikal auf den Stock gesetzte Hecken zwischen den Feldern: „Wenn dort alles runtergeschnitten wird, bleibt nichts mehr, was blüht und für die Hummel wichtig ist.“ Dies sind vor allem Haselnuss und Weide. „Wo finden sie denn derzeit noch Weidekätzchen?“, fragt der Imker.

Dabei sei es doch eigentlich einfach, den nützlichen Dickschiffen unter den heimischen Insekten ein Nahrungsangebot zu machen. „Früher wurden nur die dicken Äste aus den Sträuchern geschnitten, so dass immer noch genügend Blüten übrig blieben“, weiß der 74-Jährige. Angesichts moderner Methoden für den Strauchschnitt könnte doch mindestens ein Teil der Hecken stehen bleiben, nennt er eine Minimalforderung: „Man muss doch nicht eine Heckenreihe von vorne bis hinten auf den Stock setzen.“

Hummeln seien auf Nahrung in der unmittelbaren Umgebung des Winterquertiers angewiesen. „Die fliegen nur etwa 500 Meter weit“, sagt Wilpers. Wenn die Königin ausfliegt, um nach der kalten Jahreszeit „aufzutanken“, und nichts findet, verhungert sie – wie eben auch jenes Exemplar, das Wilpers beispielhaft aufgehoben hat. Die Folge sei dramatisch, erläutert der Imker. Da nur die Königin den Winter überstehe, sterbe mit ihr zugleich auch das gesamte Volk – unwiederbringlich.

Dass die sanften Brummer so wichtig sind, zeige neben der Bestäubungstätigkeit in der Natur vor allem ihr Einsatz in Obstkulturen, die in Folientunneln gezogen werden. „Dort werden spezielle Hummel-Imker angefordert. So können die Erntehelfer wesentlich ungestörter arbeiten, als wenn Bienen diese Aufgabe übernehmen.“

Ein Dorn im Auge ist Wilpers auch die mitunter radikale Behandlung von Straßenrändern. „Da wird einfach alles abgefräst“, gibt er auch den Straßenmeistereien eine Mitschuld daran, dass es die Hummeln zu schwer haben.

Aktuell sei das Nahrungsangebot für die Brummer sehr gut, erläutert der Imker, der aber auch die Durststrecke nach dem Ende der Obstblüte kennt. „Bis die Linden blühen, kann man den Hummeln Zuckerwasser anbieten. Die nehmen das auch an“, erläutert er.

Und er hat noch eine Tipp für alle, die auch in den heimischen Gärten was für die Insekten tun wollen: „Es gibt spezielle Nisthilfen für Hummeln. Wichtig ist es aber auch, beispielsweise Mäuselöcher nicht zuzumachen. Das sind nämlich begehrte Nistquartiere für die Erdhummel.“

Anzeige
Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5667361?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F105%2F178%2F
Vollsperrung zwischen Dechaneischanze und Propsteistraße
Baustelle im Mauritz-Viertel: Vollsperrung zwischen Dechaneischanze und Propsteistraße
Nachrichten-Ticker