„Lesezeit“ in der Kulturetage
Rezitationsvergnügen mit Shakespeares „Macbeth“

Metelen -

Mit einem Klassiker der Weltliteratur beschäftigte sich am Donnerstagabend die von der Kulturinitiative Metelen veranstaltete „Lesezeit“. Shakespeares „Macbeth“ stand auf dem Programm. Clara Beutler und Robin Fairhurst trugen Auszüge daraus auf originalem Englisch und modernem Deutsch vor. Anschließend wurde das Publikum zur Diskussion über das Drama eingeladen.

Samstag, 25.08.2018, 06:00 Uhr
Veröffentlicht: Samstag, 25.08.2018, 06:00 Uhr
Lebendig lasen Robin Fairhurst und Clara Beutler einige Passagen aus dem Shakespeare-Klassiker vor.
Lebendig lasen Robin Fairhurst und Clara Beutler einige Passagen aus dem Shakespeare-Klassiker vor. Foto: Sabine Sitte

Warum sollten wir Shakespeare heutzutage überhaupt lesen? Passt er mit seinen Stücken noch in unsere Zeit? Mit provokanten Fragen, einem spannenden neuen Blickwinkel und ganz viel Rezitationsvergnügen haben am Donnerstagabend Gastgeberin Clara Beutler und Robin Fairhurst in der Kulturetage dem Publikum Shakespeares Klassiker „Macbeth“ näher gebracht. Veranstalter der Reihe „Lesezeit“ ist die Kulturinitiative (KIM).

Ehrgeiz und Eitelkeit

Dahinter stünde die Idee, in interessierter Runde „ein Buch vorzustellen, das uns am Herzen liegt“, so Beutler. Diesmal also das Drama um den schottischen Feldherrn Macbeth, der – getrieben von einer vagen Weissagung dubioser Hexenwesen – vom stolzen Kriegshelden zum Königs- und gar Kindesmörder wird, um den ihm prophezeiten Thron nun auch besteigen und halten zu können. Angestachelt vom eigenen Ehrgeiz und der Eitelkeit Lady Macbeth’ verlieren sich beide in jeglicher Vernunft. Selbst der gute Freund wird gemeuchelt.

Wispernd, diabolisch oder fordernd tragen die Rezitatoren szenische Abschnitte abwechselnd im originalen Shakespeare-Englisch und deutscher moderner Übersetzung aus dem Stück vor, heben und senken ihre Stimmen und ziehen das Publikum mit Text und historischem Exkurs immer weiter in den Bann der Tragödie.

Verknüpfung zur Gegenwart

Doch das Vorlesen ist nicht genug. Beutler möchte das Publikum zum Nachdenken und Diskutieren einladen: „Betrachten wir das Ganze mal als inneres Theaterstück“, bittet sie, und hinterfragt die menschlichen Eigenschaften wie Furcht und Eitelkeit, das blinde Tun, die Naivität und die Schwäche für Macht. Wie viel davon steckt in jedem von uns? Ist die Figur Macbeth überholt und altertümlich? „Nein“, befinden die Zuhörer. Auch wenn wir keine Könige meucheln würden, so seien doch der Wunsch nach mehr Anerkennung und das ungefilterte Vertrauen in Aktienkurse und Fake News unsere diffusen Prophezeiungen, die uns schon auch unvernünftig handeln ließen. Geschickt verknüpft Beutler Episoden und Figuren aus dem Stück mit nordischen Märchen, Zitaten aus Goethes „Faust“ und Franz Kafka und sogar zur Herzdame aus Alices Wunderland findet sich in Lady Macbeth eine Parallele.

Das Fazit: Für Shakespeare-Kenner und Liebhaber eine spannende Buchbetrachtung. Für Laien war es eine überraschende Reise in die klassische Literatur mit hoffentlich Lust auf mehr davon.

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