Bestandsaufnahme im neuen Aufstieg
Vechte-Fische unter Strom

Metelen -

Wird der neu gebaute Fischaufstieg der Vechte von den Wasserbewohnern auch angenommen? Dieser Frage gehen Experten mit dem Elektrokescher nach. So analysieren sie den

Mittwoch, 29.08.2018, 06:00 Uhr
Veröffentlicht: Mittwoch, 29.08.2018, 06:00 Uhr
Gemeinsam unterwegs in der Neuen Vechte sind der Diplom-Biologe Christian Edler (r.), Diplom-Ingenieur Jan Oberdiek (l.) und Reinhard Sachs.
Gemeinsam unterwegs in der Neuen Vechte sind der Diplom-Biologe Christian Edler (r.), Diplom-Ingenieur Jan Oberdiek (l.) und Reinhard Sachs. Foto: Dieter Huge sive Huwe

„Gründling acht, Gründling neun, Hasel sieben, Schmerle zehn ...“ Christian Edler steht bis zur Hüfte in der Vechte und diktiert seinem Kollegen Reinhard Sachs Fischsorten und Längenangaben. Dieser notiert fleißig mit, was Edler mit einem Kescher aus dem Becken sieben im Lauf der neuen Vechte fischt. Und dabei zählt jeder Wasserbewohner, denn es geht um eine Bestandsanalyse von Amts wegen.

Christian Edler ist nämlich nicht nur Fischexperte und Diplom-Biologe, sondern hat überdies für die Bezirksregierung Münster ein waches Auge auf das Naturschutzprojekt im Herzen Metelens. Er hat den Planungsprozess begleitet und sein Expertenwissen eingebracht – bisweilen auch durchaus kritisch.

Und jetzt steht er im neuen Flusslauf in der Wathose, einen Rucksack auf dem Rücken und mit einen großen Kescher in der Hand – einem Elektrokescher. Wenn er den per Knopfdruck unter Strom setzt, geben die Fische klein bei. Sie werden betäubt, so dass sie für die Untersuchung des neuen Fließgewässers abgefischt und in eine große Wanne gesetzt werden können.

Nicht aber, ohne zuvor begutachtet und vermessen zu werden. Der Gründling, das wird beim Blick in Sachs’ Liste schnell deutlich, findet sich zuhauf in den Becken des Fischaufstiegs. Doch auch zahlreiche andere Fischsorten tummeln sich dort: sogar Forellen und ab und an ein Aal. Begleitet wird die Aktion auch von Jan Oberdiek vom Planungsbüro Sönnichsen und Partner, das für die Planung und den Bau des Aufstiegs verantwortlich zeichnete. Für den Ingenieur ist es spannend zu beobachten, wie der Fluss im Laufe des vergangenen Jahres Steinaufschüttungen umschichtete oder Becken im Strömungsbereich auskolkte. Und auch Vinzenz Tewes von der Unteren Wasserbehörde des Kreises Steinfurt ist vor Ort. Ihm liegt die Neue Vechte nicht nur von Amts wegen am Herzen. Als Metelener verfolgte er die Arbeiten und freut sich jetzt über jeden Fisch, der Edler in den Kescher geht.

Der Ist-Analyse, die am gestrigen Dienstag in sämtlichen Becken des Aufstiegs durchgeführt wurde und bei der auch Mitglieder des ASV Metelen assistierten, folgt demnächst noch eine zweite Elektro-Befischung. Da der Einlauf vom Oberwasser her für die Aktion gesperrt ist, kann so exakt festgestellt werden, wie viele Fische den Aufstieg vom Unterlauf des Flusses her nutzen – letztlich ist dies ja der Zweck des mit natürlichen Materialien hergestellten Bauwerks.

Diese Funktionskontrolle des Fischaufstiegs ist der Grund für die Stromfischerei, für die es eigens einer Genehmigung bedarf. Elektrofischen ist nämlich eigentlich verboten. Andererseits keschert Christian Edler ja nicht für das Freitagsmenü in der Kantine der Bezirksregierung, sondern fürs amtliche Protokoll.

Gründling, Hasel, Schmerle, Forelle und Aal in der großen Wanne landen wieder in der Vechte. Die Betäubung durch den Stromschlag währt nur kurz und schon bald nach dem Vermessen schwimmen sie schon wieder putzmunter in der Sammelwanne umher. Diese wird am Abend im Unterlauf der Vechte entleert.

Und wer weiß: Vielleicht findet sich in ein paar Tagen bei der zweiten Kontrolle des Aufstiegs der eine oder andere Flussbewohner in einem der Becken wieder. Das wäre ein Zeichen dafür, dass die angestrebte Durchlässigkeit der Vechte wirklich funktioniert.

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