Renate Große Kleimann arbeitet seit zwölf Jahren als Chiropraktikerin
Nur mit den Händen Tieren helfen

Metelen -

Die Tierärztin Renate Große Kleimann hat sich zusätzlich zur Chiropraktikerin ausbilden lassen. Und genau mit dieser Methode versteht sie es, Tieren ihre Schmerzen zu nehmen.

Donnerstag, 30.08.2018, 06:00 Uhr
Veröffentlicht: Donnerstag, 30.08.2018, 06:00 Uhr
Auch ihre eigenen Pferde – am Führstrick Quarter Horse Jack – behandelt Renate Große Kleimann als zertifizierte Chiropraktikerin.
Auch ihre eigenen Pferde – am Führstrick Quarter Horse Jack – behandelt Renate Große Kleimann als zertifizierte Chiropraktikerin. Foto: Susanne Menzel

Nein, mit dem verstorbenen Knochenbrecher im XXL-Format hat sie nichts gemein, die zierliche Frau, die kleine wie große Tiere fast ausschließlich mit ihren Händen sprichwörtlich „wieder in die Gänge“ bringt. „Obwohl ich schon regelmäßig danach gefragt werde, ob ich genau so oder ähnlich arbeite“, lacht Renate Große Kleimann. Tut sie nicht: „Der Ostfriese Tamme Hanken ist noch in vielen Köpfen verankert. Er hat diese Behandlungsart auf seine Weise bekannt und auch ein Stück weit salonfähig gemacht. Er verstand es, sich mit seinem Tun zu verkaufen.“

Und was bei Hanken vielfach eher Show war, ist bei Dr. med. Vet. Renate Große Kleimann eine Zusatzausbildung, auf die sie sich mittlerweile spezialisiert hat. „Ich arbeite darüber hinaus noch stundenweise als Angestellte in einer Tierarztpraxis – mit der Chiropraktik aber stehe ich auf eigenen Füßen. Doch ist diese Vernetzung auch sehr wichtig, denn mitunter werden mir Tiere vorgestellt, die Krankheiten aufweisen, die dann anders versorgt werden müssen.“

Spritzen, Kanülen, Verbände oder sonstiges medizinisches Gerät sucht man in ihrem Haus in der Bauerschaft Samberg vergebens. „Solche Dinge brauche ich nicht. Ich arbeite und praktiziere mit meinen Händen“, erklärt die Fachfrau. Und sie sieht ein weiteres Plus in ihrer untypischen Praxis: „Besonders Hunde, mitunter auch Katzen, erleben hier keine Tierpraxisatmosphäre und sind dann auch weniger nervös.“

Kleine Hunde stellt sie kurzerhand auf eine rutschfeste Matte auf den Küchentisch, die größeren dürfen auf einem speziellen „Block“ draußen auf der Wiese oder der Terrasse Platz nehmen. Und dann tastet sich die 48-Jährige Wirbel für Wirbel an die mögliche Blockade heran.

„Oftmals ist es ein Hinken, oder eine Lahmheit, die die Besitzer mit ihren Tieren zu mir führt.“ Hilfreich ist es für die Fachfrau natürlich, wenn ein Kollege oder eine Kollegin vorab schon durch ein Röntgenbild einen Bruch oder andere Ursachen ausgeschlossen haben. „Das ist aber keine Voraussetzung“ so Große Kleimann.

70 bis 80 Prozent ihrer tierischen Patienten sind Pferde. Aber auch ein Kaninchen wurde schon mal bei ihr vorgestellt. Zu den Reitställen fährt die Metelenerin, die selbst drei Quarter Horses besitzt, dann jeweils raus. „Die Pferde kann ich nicht alle hierherbestellen.“

Zum „Steckenpferd“ Chriropraktik kam Renate Große Kleimann vor etwa zwölf Jahren durch eine Kommilitonin, die Große Kleimanns Pferd behandelt hat. „Als ich sah, wie sie arbeitet, dachte ich: Das ist es“, schildert die 48-Jährige. Sie entschloss sich, auch selbst diese Fortbildung zu absolvieren, reiste dafür über ein halbes Jahr regelmäßig nach Hamburg, bis sie ihren zertifizierten Abschluss nach erfolgreicher Prüfung in der Tasche hatte: „Seitdem bin ich XXS aus dem Münsterland“, schmunzelt die Metelenerin.

Dass Hunde- und Pferdebesitzer für ihre Lieblinge mitunter mehr ausprobieren und in Kauf nehmen als für oder bei sich selbst, diese Einschätzung kann die Medizinerin teilen: „Besonders jene, die selbst einen Bezug zu einem Human-Osteopathen haben, sind sehr aufgeschlossen“, so ihre Erfahrung: „Der Bezug ist aber auch gegeben. Wir mussten in der Ausbildung auch erst an uns lernen, bevor wir unser Wissen auf die Tiere anwenden durften.“

Etwa ein bis zwei Behandlungen sind im Schnitt bei den Tieren notwendig. Große Kleimann: „Wichtig ist immer die Nachkontrolle, die mir noch einmal Aufschluss über den Zustand des Tieres gibt.“ Ihr Einzugsbereich erstreckt sich dabei von Münster bis westlich nach Rhede. Gibt es denn Fälle, die ihr aus der Vergangenheit aus besonderen Gründen im Gedächtnis haften geblieben sind? „Ja“, sagt die Chiropraktikerin: „Ein Voltipferd hatte zwei Tage vor seinem großen Einsatz den Kopf gedreht, um nach einer Fliege zu schnappen – und sich dabei verrenkt. Es lief dann nur noch im Kreis. Das Tier konnte ich erfolgreich behandeln.“

Wo sie inzwischen zögert, ist bei verzweifelten Anrufen, dass ein Pferd liegt und nicht mehr aufstehen kann: „Da ist dann nicht nur der Nerv eingeklemmt. Da steckt meistens mehr dahinter. Das sind Fälle, die ich an den Haustierarzt verweise. Auch, weil ich an einem liegenden Pferd nicht arbeiten kann. Ich bin mitunter zwar für die Besitzer oft die letzte Hoffnung. Das allerdings ist eine Rolle, die ich nicht gerne übernehme.“

Anzeige
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6010095?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F105%2F178%2F
Ein Hauch von Hollywood
Hollywood-Flair vor der Gooiker Halle: Für die Filmpremiere von „Eises Kälte“ wurde extra der rote Teppich ausgerollt.
Nachrichten-Ticker