Asylbewerber vor dem Richter
Messer-Bedrohung im Rathaus: Arrest und Sozialstunden

Metelen/Rheine -

Unter anderem wegen der Bedrohung einer Mitarbeiterin der Gemeindeverwaltung mit einem Messer hatte sich am Montag ein Asylbewerber aus Syrien vor dem Amtsgericht in Rheine zu verantworten.

Dienstag, 04.09.2018, 15:24 Uhr
Veröffentlicht: Dienstag, 04.09.2018, 15:24 Uhr

Wegen Bedrohung einer Sachbearbeiterin im Metelener Rathaus mit einem Messer am 6. November 2017 und gemeinschaftlicher gefährlicher Körperverletzung in einer Asylunterkunft im gleichen Monat verurteilte das Jugendschöffengericht in Rheine gestern einen 18-jährigen Kriegsflüchtling aus Syrien zu zwei Wochen Dauerarrest und 40 Sozialstunden. Der Staatsanwalt hatte einen Freizeitarrest und 150 Sozialstunden beantragt.

„Wir haben keinen Zweifel, dass es sich so zugetragen hat, wie die Zeugen es beschrieben haben, und meinen, dass Sie aus erzieherischen Gründen für zwei Wochen ins Gefängnis gehen müssen. Und wenn Sie noch einmal Theater in der Gemeindeverwaltung machen, stecke ich Sie für lange Zeit in den Knast“, sagte der Richter in der Urteilsbegründung. Er bat die Sachbearbeiterin, bei Wiederholung sofort Kontakt zu ihm aufzunehmen.

Nachdem am Morgen des Tattags ein Kontrollgang der Behörde durch die Asylunterkunft erfolgt war und der Angeklagte sich gestört fühlte, weil er viel Alkohol getrunken hatte, ging er am Nachmittag in die Verwaltung. Die Sachbearbeiterin sagte aus: „Er kam in die Sprechstunde zwischen 16 und 18 Uhr und beschwerte sich massiv über mein Verhalten am Morgen. Er drohte, wenn ich das noch einmal machen würde, machte er es so wie in seinem Heimatland. Dabei fuhr er sich mit dem Messer über die Kehle und sagte, dass er mir ein X ins Gesicht schreiben würde. Anschließend warf er mir seine Cola vor die Füße.“ Die Zeugin war lange im Ausländeramt beschäftigt und bewahrte die Ruhe.

Eine gemeinschaftliche gefährliche Körperverletzung in der Asylunterkunft im gleichen Monat war zunächst als Raub angeklagt worden, weil dem 19-jährigen Mitbewohner unter Gewalt 40 Euro abgenommen worden seien. Letztlich konnte der Raub aber nicht dem Angeklagten urteilssicher zugeordnet werden.

Der Angeklagte räumte die Taten mit der Begründung ein: „Ich war besoffen und psychisch nicht in Ordnung.“ Er war im Oktober 2015 allein nach Deutschland gekommen. Seine Familie lebt in den Niederlanden. Er habe sich von Deutschland wohl ein besseres Leben versprochen, so der Jugendgerichtspfleger.

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