Bürgermeister besuchen Westnetz
Speicherung heißt das Zauberwort

Metelen -

Was die Versorgung mit Strom angeht, möchte die Westnetz-Betriebsstelle in Metelen autark werden. Wie das funktionieren soll, ließen sich die Bürgermeister aus dem Süden des Kreises Steinfurt bei ihrem turnusmäßigen Treffen erläutern. Speicherung war das Zauberwort, wie sie im Vortrag von Jens Kleine Vennekate aus dem Stab der Westnetz-Anlagenprojektierung aus Dortmund erfuhren.

Freitag, 14.12.2018, 06:00 Uhr
Die Bürgermeister aus dem Süden des Kreises Steinfurt besuchten die Westnetz-Betriebsstelle in Naendorf.
Die Bürgermeister aus dem Süden des Kreises Steinfurt besuchten die Westnetz-Betriebsstelle in Naendorf. Foto: Martin Fahlbusch

Das war doch mal ein nettes Bild am Westnetz-Standort in Naendorf: Alle Bürgermeister aus dem Süden des Kreises Steinfurt als tieffriedliche Blauhelme. Und bei der Wahl der Kopfbedeckung stand auch in der Metelener Heide die Sicherheit im Vordergrund. Bürgermeister Gregor Krabbe als Gastgeber des aktuellen und turnusmäßigen Treffens hatte nach Rücksprache mit Monika Schürmann, Referentin für Kommunikation und Konzessionen bei der Westnetz-Mutter „innogy“, die Amtskollegen in den Umspannwerkskomplex der Westnetz eingeladen.

Bevor sich die amtliche Runde den Haushaltsplanberatungen des Kreises Steinfurt widmete, ließ sie sich von Wolfgangs Dirks und Martin Enning, Meister der Westnetz-Betriebsstelle Metelen, an Transformatoren vorbei und durch Anlagengebäude hindurch sowie ganz anschaulich die Veränderungen in der Umspann- und Stromversorgungstechnik vor Augen führen. „Smart is beautiful“ – zu Deutsch: clever ist schön – war aber nicht nur die Losung beim Überblick über die immer kleiner werdende Anlagentechnik, sondern auch der Leitfaden für ein Referat, das Jens Kleine Vennekate aus dem Stab der Westnetz-Anlagenprojektierung aus Dortmund nach der Begrüßung durch den neuen Leiter der Betriebsstelle in Naendorf, Hermann-Josef Dapper, vorbereitet hatte.

Logistische Herausforderung

„Für einen Energieversorger, der auch Netz- und Anlagentechnik in seinem Portfolio hat, mag es eigenartig klingen, wenn wir hier in Metelen demnächst versuchen, in der Betriebsstelle autark zu werden, was die Versorgung mit Strom angeht“, ließ Kleine Vennekate aufhorchen. Der Fachmann weiß um die Probleme mit den vorhandenen Leitungen und der logistischen Herausforderung, aktuelle Strommengen vernünftig technisch verwalten zu können. Das bestehende Leitungsnetz habe mitunter Kapazitätsprobleme, um die mit verschiedenen Technologien erzeugten Strommengen vollends aufzunehmen und optimal durchzuleiten. Andererseits stehe verlässliche Bedarfsdeckung immer oben an. An der Westnetz-Betriebsstelle in Metelen will man also ein Pilotprojekt starten, das sich später in gemeindlichen Quartieren oder neu entstehenden Baugebieten erst einmal in mittelgroßem Umfang realisieren lassen könnte.

Das Zauberwort bei einer kontinuierlichen und sicheren Stromversorgung gerade aus erneuerbaren Energien hieße eben Speicherung, so Kleine Vennekate. So werde man am Westnetz-Standort an der B70 genau dimensionierte Photovoltaik-Anlagen aufbauen und einen Container errichten, in dem neben dem direktem Stromverbrauch für den bestehenden Gebäudekomplex Lithium-Ionen-Akkus als Speichermedien für spätere Bedarfe genutzt werden. „Aber auf diesem Wege, selbst mit weiter voran schreitender Batteriespeichertechnik, wird man nicht alle Probleme in den Griff bekommen“, erläuterte Kleine Vennekate.

Power-to-Gas-Technologie

Und damit kam der Mann aus dem Westnetz-Spezialservice Gas zu seiner eigentlichen Kerndisziplin. „Als weiteres Speichermedium mit langfristigeren Einsatzoptionen wird in Metelen die vorwärtsdrängende Power-to-Gas-Technologie – P2G – in der Anwendung erprobt“, erläuterte Kleine Vennekate. Dabei handelt es sich um einen chemischen Prozess, in dem man aus Wasser mit Hilfe eines so genannten Elektrolyseurs unter Einsatz elektrischen Stroms vereinfacht gesagt Wasserstoff-Gas gewinnt. Das Gas lässt sich verdichten und lange speichern, bis man es bei entsprechendem Bedarf wieder mit der Brennstoffzellentechnik – und in diesem Fall in einer Reaktion mit Sauerstoff – in Strom zurückwandelt. Bei diesem Prozess entsteht zudem Abwärme, die sich über einen Wärmetauscher zur Unterstützung der Heizungsanlage und der Warmwasseraufbereitung in der Betriebsstelle anbietet.

„Wir sehen zwar bei diesem Vorhaben auch das Problem des noch nicht optimalen Wirkungsgrades dieses Verfahrens, wollen aber eingeführte und handelsübliche Technologie kaufen und nutzen. Da wird es auf Sicht Verbesserungen geben. Sollte alles hier – auch was die Bauanträge bei der Gemeinde Metelen angeht – so klappen, wie wir das geplant haben, gehen wir ab der zweiten Hälfte des Jahres 2019 in der Westnetz-Betriebsstelle Metelen von einem Eigenversorgungsgrad von rund 91 Prozent aus“, erläuterte der Fachmann der Bürgermeisterrunde. Die hätte sicher gerne noch weiter über das Projektvorhaben diskutiert, weil es eben auch für andere Kommunen interessant und ausbaufähig sein könnte.

Allein, da standen ja auch noch die Haushaltsplanberatungen für den Kreis Steinfurt auf der Tagesordnung. Und denen wollte man sich eben auch noch intensiv widmen – übrigens ohne Blauhelme.

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