Metelener fährt seltene Oldtimer
Adlerhorst an der Vechte

Metelen -

Adler haben es Bernhard Rengbers angetan, genauer: Adler-Oldtimer. Zwei der markanten Kleinwagen aus der Vorkriegszeit hat der Metelener schon restauriert und mit viel Liebe zum Detail wieder fahrbereit gemacht. In einem der Oldies vom Typ „Trumpf Junior“ ist der 84-Jährige sommertags unterwegs und kutschiert mit dem blau lackierten Wagen dann und wann auch Brautpaare zum Traualtar.

Samstag, 12.01.2019, 06:00 Uhr
Immer ein Hingucker: Auch im aktuellen Metelener Heimatkalender findet sich der Adler-Oldtimer – als Motiv für den September. Entstanden ist die Aufnahme nahe der Gronauer Straße in Naendorf.
Immer ein Hingucker: Auch im aktuellen Metelener Heimatkalender findet sich der Adler-Oldtimer – als Motiv für den September. Entstanden ist die Aufnahme nahe der Gronauer Straße in Naendorf. Foto: Marc Laven

„Was für ein Auto!“ Bernhard Rengbers’ Herz schlug höher, als er erstmals einen Adler erblickte. In den 80-er Jahren war das, auf dem Hof der Burgsteinfurter Lackiererei Raue. Geschwungene Formen, ausladende Kotflügel, frei aufgehängte Scheinwerfer und der markante, verchromte Vogel auf dem wuchtigen Kühlergrill verliehen dem vergleichsweise kleinen Oldtimer eine markante Optik.

Rengbers, heute 84 Jahre alt, hatte immer schon ein Faible für historische Fahrzeuge, interessiert sich für alte Motorräder und eben auch für Pkw mit nostalgischem Charme. Und den haben die Adler-Fahrzeuge, die in Frankfurt am Main zusammengebaut wurden. „Damals wurden die Karossen nicht selber gefertigt, sondern zugeliefert, etwa auch von Karmann in Osnabrück“, berichtet der Metelener. Gut 100 000 Autos des Typs Trumpf Junior bauten die Adler-Werke ab 1934 und noch bis in die Kriegsjahre hinein. „Davon waren viele für den Export bestimmt“, weiß Rengbers aus eigenem Erleben, denn die beiden Adler, die er in der heimischen Garage wieder fahrtüchtig machte, stammten beide aus Skandinavien.

1983 kaufte er sich den ersten Oldtimer des Typs. 1938 gebaut und von einer 25-PS-Maschine angetrieben hatte der Adler fast ein halbes Jahrhundert auf dem Buckel, als ihn der Metelener als Reimport in Itzehoe kaufte. „Der steht heute bei Voss in Darfeld“, beschreibt Rengbers den weiteren Weg des Autos, das er selber bis 1990 fuhr und damit unter anderem auch Brautleute zur Kirche kutschierte.

Doch die Liebe zu dem Kleinwagen der Vorkriegszeit blieb auch nach dem Verkauf des ersten Exemplars. Die Adler – Rengbers war mittlerweile auch Mitglied im markeneigenen Oldtimer-Club – ließen ihn nicht los. Und so wurde die heimische Garage erneut zum Adler-Horst, nachdem ihm der Pressewart des besagten Oldtimer-Clubs von einem Trumpf Junior berichtete, der in Mittelschweden angeboten wurde.

Rengbers überlegte nur kurz, spannte dann den Autoanhänger an und machte sich auf den Weg nach Skandinavien. Was er dort vorfand, waren im Grunde nur Teile des vormaligen Autos. Die Karosse war nur grob aufgebaut, zwei Motoren lagen ebenfalls auf dem Haufen, der einst zusammengesetzt ein schmucker Kleinwagen war.

Der Metelener erkannte jedoch das Potenzial, das in dem Konglomerat steckte, wurde sich mit dem Schweden handelseinig und holte die Teile und den Rohbau der Karosse an die Vechte. Zwei Jahre lang werkelte er – selbst gelernter Nähmaschinen-Mechaniker – gemeinsam mit seinem Sohn Christof, der Schlosser ist, an dem Auto. „Es stellte sich heraus, dass die beiden Motoren völlig verschlissen waren“, berichtet Rengbers von den Höhen und Tiefen der Restaurierung und auch davon, wie er eine Original-Maschine dank seiner Kontakte besorgte.

Tief in die Tasche greifen musste er beim Polsterer. Auch das Dachinnere musste neu gefertigt werden. „Da habe ich insgesamt bestimmt 30 000 DM reingesteckt“, beschreibt der Metelener, dass Oldtimer-Fahren durchaus auch das Portemonnaie belastet. Als er 1999 die H-Kennzeichen an die verchromten Stoßstangen schraubte, war das aber vergessen.

Seither hat es der Adler in seinem Garagen-Horst schön trocken. Herausgeholt wird er auch jetzt wieder anlässlich von Trauungen, bei denen der Oldtimer-Fan die Brautleute kutschiert. „Es gibt sogar ein Paar, das ich zu seiner Silberhochzeit gefahren habe und das ich bereits zu seiner grünen Hochzeit in dem Vorgänger-Adler chauffierte“, freut sich der Senior darüber, dass es etliche Menschen im Ort gibt, die seine Freude an dem kleinen, blau-lackierten Oldtimer teilen.

„Das ist natürlich ein Sommer-Auto“, macht Rengbers auch keinen Hehl daraus, dass die rostanfällige Karosse bei Regen oder gar bei Schnee schnell an Glanz verlieren würde. Bei schlechtem Wetter bleibt der Adler eben in der Garage. Besser geeignet wäre an Tagen, an denen es Petrus nicht so gut meint, der DKW Typ F93, der ebenfalls fahrbereit in einem Schuppen steht. Doch das ist einer andere Geschichte . . .

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