Der Widerstand der Familie Fedeler gegen die Amprion-Trasse
Für die kommenden Generationen

Metelen -

Schon seit vielen Jahren protestieren die Mitglieder der Familie Fedeler gegen die neue Hochspannungsleitung von Amprion. Hoffnung machte ihnen dabei eine erweiterte Trassen-Variante. Aktuell sehen die Naendorfer allerdings die Chancen auf deren Realisierung eher skeptisch.  

Mittwoch, 13.02.2019, 10:23 Uhr
Das alte Transparent wird wieder aufgehängt. Die Familie Fedeler und andere betroffene Anlieger trafen sich gestern, um ihren Einsatz für eine deutliche Verschwenkung der neuen Stromtrasse nach der Variante II zu unterstreichen.
Das alte Transparent wird wieder aufgehängt. Die Familie Fedeler und andere betroffene Anlieger trafen sich gestern, um ihren Einsatz für eine deutliche Verschwenkung der neuen Stromtrasse nach der Variante II zu unterstreichen. Foto: Dieter Huge sive Huwe

Sie sitzen an diesem Abend zu Sechst um den mächtigen Eichentisch, die Mitglieder der Familie Fedeler. Auf der massiven Holzplatte liegen Unterlagen, teils mit amtlichen Stempeln, Pläne, Karten, Broschüren, dazu Notizen. Alles Papiere, denen man ansieht, dass sie x-fach ausgebreitet wurden. Und als Wilhelm, Johannes und Maik Fedeler berichten, wird rasch klar, dass sie viele Inhalte praktisch auswendig kennen.

Besonders Wilhelm Fedeler, der Senior auf dem Gehöft, das als Nebenerwerb geführt wird. Ihn treibt die Stromtrasse, die bald kommen soll, um – schon seit 2008, als er erfuhr, dass die alte Starkstrom-Leitung, 1928 nur zwei Steinwürfe vom Wohnhaus entfernt errichtet, neu gebaut werden soll. Mittlerweile steht fest: Die neue Leitung wird ein Trassen-Monstrum: Mehr als 80 Meter hohe Masten, 380 000 Volt auf den Leiterseilen und mit Auslegern, die so weit auskragen, dass es nur noch ein paar Dutzend Meter sind bis zum Haus.

Das macht den Fedelers Angst. Wilhelm und seiner Frau Irmgard, Sohn Johannes, der mit seiner Frau Claudia auf dem Hof wohnt und auch dessen Schwester An­drea sowie ihr Mann Maik sorgen sich um die eigene Gesundheit, mehr aber noch um die künftiger Generationen. Die Wörter „Risiko“ und „Krebs“ fallen. „Wir wollen uns nicht später vorwerfen lassen, nichts getan zu haben“, bringt es Johannes Fedeler auf den Punkt, dass der Widerstand der Familie mit Blick auf die Zukunft gerichtet ist. Die beiden Mädchen, die zu Besuch sind und im Zimmer spielen, verstehen natürlich nicht, worum es geht, doch sehen sie die ernsten Gesichter der Erwachsenen.

Wilhelm Fedeler berichtet: „Als man die Masten 1928 aufgestellt hat, da wurden die Bauern nicht groß gefragt.“ Ob sie sich damals dagegen ausgesprochen hätten? Wohl kaum. Es gab Ausgleichszahlungen für den Mast und die Leitung.

Die gibt es auch jetzt wieder, durchaus ein Zubrot für alle, die Grundbesitz unter der neuen Strom-Autobahn haben. Doch das ist für die Fedelers kein Thema. „Hier geht es nicht um Geld, hier geht es um etwas viel Wichtigeres, nämlich um unsere Gesundheit und um die der nachkommenden Generationen“, bekräftigt Johannes Fedeler.

200 Meter, diese Zahl fällt immer wieder am Esstisch. 200 Meter Abstand zu Wohngebäuden – das wollen die Fedelers erreichen. Sie sind dafür durch die Bauerschaft getingelt, haben Gespräche mit Nachbarn geführt, haben auf der Karte nach einer Lösung gesucht, bei der um die Gehöfte mit dem Zirkel 200-Meter-Kreise gezogen wurden.

Der Lösungsvorschlag: Etwa im Bereich der Kreuzung der B 70 mit der Leerer Straße könnte die Stromtrasse künftig nach Nordwesten abknicken, würde dann südlich um die Bauernhöfe geführt, durch die Herderinger Mark führen, nach dem Hof Gauxmann nach Norden abknicken und quer durch die Metelener Heide auf die Bahntrasse zulaufen.

Als Variante II, als alternative Lösung zum vom Netzbetreiber Amprion ins Verfahren eingebrachtem Vorschlag, firmiert diese Trassenführung – und ist auch eine Option, über die die Bezirksregierung im Rahmen des Genehmigungsverfahrens zu entscheiden hat.

Auch der Rat der Gemeinde hatte sich einstimmig hinter diese Variante gestellt, wurde doch befürchtet, dass andernfalls die Entwicklungsmöglichkeiten der Kommune eingeschränkt würden. Das alles wissen sie in der Runde am großen Esszimmertisch. Wolfgang Ransmann, Ratsherr der SPD, der hinzugekommen ist, hat das nochmals deutlich gemacht.

Doch die Fedelers befürchten, dass die Alternative dennoch nicht ernsthaft genug in Erwägung gezogen wird. Dass finanzielle Aspekte allenfalls am Rande eine Rolle spielen dürften, davon gehen die Felderns aus: „Da sind nur zwei zusätzliche Masten erforderlich.“ Für ein derartiges Großprojekt eher eine Marginalie.

Der Naturschutz könnte die entscheidende Rolle spielen im Verfahren. Sicherlich sei der Bau einer Trasse durch Waldgebiete ein Eingriff in die Natur. Doch haben sich die Fedelers informiert, unter anderem beim Nabu. Dieser sieht dort, wo es möglich ist, durchaus Synergien zwischen Naturschutz und Netzausbau, wie ein Papier des Naturschutzbundes deutlich macht.

Den Anliegern ist ferner daran gelegen, darzustellen, dass nach dem Trassenbau eben keine Schneise durch den Wald bleibe. Im Gegenteil: durch die Höhe der Masten und damit auch der Leiterseile kann in der Schneise aufgeforstet werden. „Bäume und Sträucher dürfen selbst unter der tiefsten Stelle der Seile 17 Meter hoch aufwachsen, heben den Masten sogar bis auf 35 Meter Höhe“, weiß Maik Fedeler. Sein Schwager Johannes ergänzt: „Wenn Spaziergänger die Trasse auf einem Waldweg queren, werden sie diese kaum bemerken.“

Ob diese Argumente letztlich den Ausschlag geben könnten für die Variante II? „Das wissen wir wohl erst am Schluss des Genehmigungsverfahrens“, sagt Maik Fedeler. Spätestens Ende des Jahres sollte die Bezirksregierung entschieden haben. Für die Fedelers ist klar: Sollte es bei der ursprünglichen Variante bleiben, werden sie gegen die Entscheidung vor Gericht ziehen. „Ich habe mich bei Anwälten erkundigt: Eine aufschiebende Wirkung hätte eine Klage nicht“, erläutert Maik Fedeler. Er geht davon aus, dass Amprion eine Entscheidung des Gerichts nicht abwarten, sondern damit beginnen werde, die Trasse zu bauen. Abschrecken lassen würden sich die Fedelers auch davon nicht. Maik Fedeler: „Wir ziehen das durch – notfalls bis zum Europäischen Gerichtshof.“

Sichtbar machen die Fedelers ihren Widerstand am nächsten Tag, als sie das schon in die Jahre gekommene Transparent aus der Scheune holen, um es wieder aufzuhängen. Die Nachbarn sind hinzugekommen, helfen mit und bekunden so, dass auch ihnen nicht egal ist, was in absehbarer Zeit nur ein paar Steinwürfe entfernt von ihren Häusern gebaut werden soll.

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