Metelenerin will ein Zeichen setzen
Nach Hakenkreuz-Schmiererei: Appell an den Zusammenhalt

Metelen -

Eine Hakenkreuz-Schmiererei an ihrem Gewächshaus in Metelen hat Antoneta Aradinaj dazu veranlasst, einen Appell an den Zusammenhalt der Menschen im Ort zu starten.

Samstag, 04.05.2019, 06:00 Uhr aktualisiert: 04.05.2019, 11:56 Uhr
Die Schmiererei an ihrem Gewächshaus will die Metelenerin nicht unkommentiert lassen.
Die Schmiererei an ihrem Gewächshaus will die Metelenerin nicht unkommentiert lassen.

Als sie das neongelbe Hakenkreuz an der Rückseite ihres Gewächshauses entdeckte, musste Antoneta Aradinaj erstmal schlucken. „Ich war entsetzt“, sagt die 33-Jährige, die aber erst ein paar Tage später die Polizei einschaltete und Anzeige erstattete. Denn sie möchte sich nicht als Opfer darstellen, wie die aus dem Kosovo stammende Metelenerin betont. Vielmehr will sie den Vorfall nutzen, um ein Zeichen für Zusammenhalt zu setzen. „Es tut weh, zu sehen, wie hässlich Menschen zueinander sind“, findet die junge Frau. „Wir sind doch eine Menschheit und leben zusammen auf der Erde. Wäre es nicht schön, wenn wir uns die Hände reichen und voneinander lernen würden, statt uns so zu hassen und nach Unterschieden zu suchen, wo eigentlich keine sind?“

Antoneta Aradinaj, deren Vorfahren aus Ägypten stammen, wurde im Kosovo geboren und verbrachte dort die ersten fünf Jahre ihres Lebens, bevor die Familie vor dem Krieg nach Deutschland floh. Das war 1991. Seitdem ist die Vechtegemeinde ihr Zuhause. Hier fühlt sich die 33-Jährige heimisch und hier sind auch ihre Verwandten verwurzelt. „Viele von ihnen sind mit Deutschen verheiratet“, berichtet sie. „Die meisten meiner Freunde sind auch Deutsche.“ Wenn es nach ihr ginge, gäbe es da überhaupt keinen Unterschied zwischen Deutschen und Ausländern. Selbst sieht sich Antoneta Aradinaj in der Mitte. „Ich kenne beide Welten.“ Das sind Metelen, wo sie seit 28 Jahren lebt, und der Kosovo, wie sie ihn aus ihrer Kindheit in Erinnerung hat. Bei ihrem letzten Besuch in der alten Heimat sei ihr jedoch etwas aufgefallen: „Für die Leute, die dort wohnen, war ich Deutsche“, berichtet Antoneta Aradinaj. Und in Deutschland, weiß sie, werde man allein schon aufgrund dunkler Hautfarbe von vielen als Ausländer wahrgenommen.

„Ich selbst habe ganz unterschiedliche Erfahrungen gemacht, negative wie positive“, berichtet die 33-Jährige, die als Kind nach der Schule oft ältere Damen in Metelen besuchte und mit ihnen über deren Leid in der Kriegszeit sprach, und betont: „Ich fühle ich mich beiden Welten zugehörig.“ Am liebsten, das ist ihr anzumerken, würde sie die ganze Welt umarmen.

„Ein Hallo kostet doch nichts“

Antoneta Aradinaj möchte nicht anklagen, sondern vielmehr einladen. „Ich wünsche mir, dass sich alle die Hände reichen“, sagt die junge Frau, für die Herkunft und Religion keine Rolle spielen. Ein bisschen mehr Begegnung wäre schon ein Schritt in die richtige Richtung: „Ein Hallo kostet doch nichts.“ Obwohl sie, wie sie verrät, besser Deutsch als Kosovarisch spricht, muss sie nach Worten ringen, um ihr Anliegen auf den Punkt zu bringen.

Letztlich lässt sie Charlie Chaplin in seiner Rolle als Hitler im Film „Der große Diktator“ für sich sprechen: „Jeder Menschen sollte den anderen helfen, nur so verbessern wir die Welt. Wir sollten am Glück der anderen teilhaben und nicht einander verabscheuen. Hass und Verachtung bringen uns niemals näher. Auf dieser Welt ist Platz genug für jeden und Mutter Erde ist reich genug, um jeden von uns satt zu machen“, zitiert die Metelenerin aus der berühmten Szene und findet: „Das ist wunderschön!“

Hoffnung auf einen Denkanstoß

Anschließend spielt sie ein Lied vor: „Für die Liebe“ von Berge, einem Singer-Songwriter-Duo. „Wir sollten anfangen, uns zu lieben“, heißt es da. „Ich weiß genau, wir sind es wert.“ Zeilen, die der 33-Jährigen aus der Seele sprechen. Als sie dann noch einmal auf das Hakenkreuz blickt, muss Antoneta Aradinaj schmunzeln. „Ursprünglich“, erklärt sie, „hatte es eine positive Bedeutung. Es war ein Symbol für Heil und Glück.“ Ihr hoffnungsvoller Blick verrät, dass sie wirklich kein Opfer sein möchte, sondern vielmehr eine Vorreiterin. „Es ist mir wichtig, ein positives Zeichen zu setzen“, betont die Metelenerin. „Und ich hoffe, dass dieser Artikel ein kleiner Denkanstoß ist.“

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