Pakistani zahlen für ihre Unterkunft an die Gemeinde
25 Euro für jeden Quadratmeter

Metelen -

Feisal und Salman Ali flohen 2015 gemeinsam über die Balkanroute nach Metelen. Sie lernten Deutsch, arbeiten in Festanstellung in zwei Metelener Unternehmen. Doch über ihre aktuelle Wohnsituation klagen die beiden Pakistani, von denen einer einen Duldungsstatus hat, während das Verfahren des anderen noch läuft: Die Gemeinde berechne ihnen für gerade mal 22 Quadratmeter 545 Euro – jeden Monat.

Samstag, 18.05.2019, 06:00 Uhr aktualisiert: 20.05.2019, 15:22 Uhr
545 Euro zahlen Feisal und Salman Ali (v.l.) jeden Monat für ihre beiden zusammenhängenden Zimmer in der Unterkunft am Ochtruper Damm an die Gemeinde.
545 Euro zahlen Feisal und Salman Ali (v.l.) jeden Monat für ihre beiden zusammenhängenden Zimmer in der Unterkunft am Ochtruper Damm an die Gemeinde. Foto: Dieter Huge sive Huwe

Feisal und Salman Ali teilen sich nicht nur den gleichen Familiennamen – und das, obwohl sie nicht verwandt sind – sondern auch einen Lebensweg, der sie 2015 mit der großen Fluchtbewegung aus ihrer damaligen Heimat Pakistan schließlich nach Metelen führte. Auch heute noch, dreieinhalb Jahre später, sind sie unzertrennlich und wohnen praktisch in einem Zimmer. Und dafür zahlen sie 545 Euro pro Monat.

Luxus ist es nun wirklich nicht, was die beiden Zimmernachbarn seit etwas mehr als einem Jahr in der gemeindeeigenen Unterkunft erwartet. „Hier standen zwei Betten und zwei Kleiderschränke drin“, berichten die Namensvettern. Immerhin war das eine deutliche Verbesserung gegenüber dem Leben in dem Haus an der Adenauer-straße, wo es wesentlich beengter zuging.

Doch die 22 Quadratmeter, die sich die beiden jungen Männer teilen müssen, sind ebenfalls nur ein improvisiertes Zuhause. Eine Schiebetür mit Glaseinsätzen trennt die beiden Zimmer, von denen eines ein Durchgangszimmer ist. Privatsphäre ist nur dann gegeben, wenn der jeweils andere arbeitet.

Und das machen beide – Vollzeit und in Festanstellung. Feisal Ali kümmert sich um das Lager bei Kremer Stahltechnik im Industriegebiet, Salman Ali arbeitet als Küchenhelfer in der Gaststätte Leuters. Die beiden Pakistani machen Jobs, um die sich nur wenige reißen, sind aber glücklich, ihr eigenes Geld zu verdienen. Und ihre Arbeitgeber sind mit ihnen so gut zufrieden, dass sie unbefristete Verträge ausstellten.

Der in amerikanischen Mythen so gern beschworene Traum vom Aufstieg aus dem Tellerwäscher-Job heraus könnte auch den Schicksalsgefährten möglich sein – doch scheiterte er zumindest für Saman Ali daran, dass er nicht anerkannt wurde und aktuell nur noch drei Monate in Deutschland geduldet ist. Die beiden Alternativen für ihn: Freiwillige Rückkehr oder Abschiebung. Daran ändert auch nichts, dass er in Lohn und Brot ist, Steuerzahler mit Festanstellung, keinerlei Unterstützung bezieht.

„Ich werde freiwillig gehen“, hat sich der Pakistani bereits entschieden und arbeitet weiter in der Gaststätte, um nach seiner Rückkehr mit einem angesparten Kapital-Grundstock neu anzufangen.

Zimmergenosse Feisal steckt noch im Verfahren, setzt seine letzte Hoffnung in eine mündliche Verhandlung. Finden seine Argumente auch dort vor den Verwaltungsrichtern kein Gehör, wird auch seine Duldung nicht verlängert.

Was beide ärgert, sind die hohen Kosten für die Miete ihrer jeweils elf Quadratmeter kleinen Zimmer, die sie an die Gemeinde abführen müssen. „Wir haben wegen unseres Status doch keine Chance, auf dem freien Markt eine kleine Wohnung zu finden“, wissen die beiden nur zu gut.

Mit aktuell fünf weitern Flüchtlingen teilen sie sich das Haus am Ochtruper Damm, die Küche, die Gemeinschaftsbäder. „Und dafür zahlen Salman und ich jeweils 272,50 Euro“, rechnet Feisal Ali vor. Unterstützt werden sie in ihrer Ansicht von Annegret Schaper, die sich seit Jahren um die beiden Pakistani kümmert. „Ich habe mit der Gemeindeverwaltung und mit dem Bürgermeister geredet, doch die haben auf die gültige Satzung verwiesen.“

Simone Frahling, Leiterin des Fachbereichs Bürgerdienste, erläuterte auf Anfrage dieser Zeitung, dass es sich bei dem Übergangsheim um eine kostendeckende Einrichtung handele. In der Miete seien auch sämtliche Nebenkosten sowie notwendige Reparaturen in dem Haus enthalten. Ginge die Kommune von der Sollbelegungszahl aus, müsste die Miete sogar noch höher ausfallen, erläuterte Frahling, die ferner auf die hohen Reparaturkosten in dem erst Anfang 2018 grundsanierten gemeindeeigenen Objekt hinwies.

Wie schon Feisal und Salman Ali musste auch sie konstatieren, dass es für Flüchtlinge mit dem Status der beiden Pakistani so gut wie unmöglich sei, auf dem freien Wohnungsmarkt eine Unterkunft zu finden.

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