Feuerwehr will 31 Jahre altes Fahrzeug ersetzen
Eigentlich längst reif fürs Museum

Metelen -

Mehr als drei Jahrzehnte hat eines der Löschfahrzeuge der Freiwilligen Feuerwehr auf dem Buckel – Zeit für eine Ersatzbeschaffung. Der Lkw genügt nicht mehr den Anforderungen an eine moderne Ausstattung und hat mittlerweile eine lange Mängelliste, die sich – es fehlen auch Ersatzteile – nicht gänzlich abstellen ließe. Die Wehr will künftig auf ein flexibel einsetzbares Logistik-Fahrzeug setzen.

Donnerstag, 05.09.2019, 06:00 Uhr
Ehemals Standardausrüstung, mittlerweile in die Jahre gekommen: Wehrchef Manfred Krude (r.) und Zugführer Detlef Samberg mit dem 31 Jahre alten Löschfahrzeug.
Ehemals Standardausrüstung, mittlerweile in die Jahre gekommen: Wehrchef Manfred Krude (r.) und Zugführer Detlef Samberg mit dem 31 Jahre alten Löschfahrzeug. Foto: Dieter Huge sive Huwe

LF 16-TS ist in die Jahre gekommen. Mehr als drei Jahrzehnte hat der Oldtimer auf dem Buckel, der im „zivilen Einsatz“ sicherlich ein H-Kennzeichen tragen würde. Doch davon ist der rote Lkw noch ein paar Jährchen entfernt – so jedenfalls die Planung der Freiwilligen Feuerwehr .

LF 16-TS ist das Feuerwehr-Kürzel für „Löschfahrzeug mit einer 1600-Liter-Vorbaupumpe und Tragkraftspritze“ und genau solch ein Fahrzeug steht im Metelener Gerätehaus einsatzbereit ausgerüstet und geparkt. 24300 Kilometer hat es auf dem Tacho – eigentlich nicht viel, doch das Baujahr 1988 verrät, dass der Lkw, der vor allem in den 1970er Jahren ein weit verbreitetes Löschfahrzeug war, längst nicht mehr up to date ist.

Gerätewart Matthias Diesen, Maschinist Bernd Wisse und Manfred Krude , der Leiter der Wehr, erläuterten im Gespräch mit dieser Zeitung, warum ein neues Fahrzeug notwendig ist. „Das fängt mit der Ersatzteilbeschaffung an“, weiß der Gerätewart. Ein Beispiel: Für die auf der vorderen Stoßstange montierte Pumpe etwa gibt es kein passendes Manometer für die Durchflussmenge mehr. Den Bowdenzug versuchten die Wehrleute noch zu flicken, doch längst hängt er nutzlos am Armaturenblock. Auch die Ölflecken auf den Fliesen der Fahrzeughalle unter dem Getriebe verraten, dass trotz guter Pflege nicht mehr alles ganz dicht ist. Das Problem: Wird der Schraubenschlüssel angesetzt, drohen weitere Ersatzteil-Probleme.

Was vor drei Jahrzehnten noch feuerwehrtechnischer Standard war – der Lkw war ursprünglich sogar ein Katastrophenschutzfahrzeug – ist längst überholt. So gibt es in der Mannschaftskabine zwei schlichte Bänke und ein paar Haltegriffe unterm Dach. Fahrer und Beifahrer rasen unangeschnallt zum Einsatz – Gurte gibt es in dem Feuerwehr-Brummi nicht. Dessen vordringlichste Aufgabe ist die Sicherstellung der Wasserversorgung. Dafür befinden sich 600 Meter B-Leitung hinter den Rolltüren.

„Die Leute sind aber fix und fertig, wenn sie die ausgelegt haben“, berichtet Wehrchef Krude. Denn viele einzelne Schläuche müssen jeweils vom Wagen gehoben und gekuppelt werden – Technik von vorgestern.

Auch die Tragkraftspritze im Heck des Lkw ist ebenso alt wie unhandlich. Vier Wehrleute müssen ordentlich anpacken, um die Pumpe von der Halterung zu heben. Und dann schickt Maschinist Wisse jedes Mal ein Stoßgebet in den Himmel, damit das alte Schätzchen auch anspringt – nachdem er es manuell angekurbelt hat.

Was hier vielleicht noch fürs Feuerwehr-Museum taugen mag, ist an anderer Stelle im Einsatz nicht ungefährlich. So gibt es etwa keine Ladungssicherung für gebrauchten Atemschutz. „Die liegen dann einfach im Mannschaftsraum – eigentlich ein Unding“, sagt Wisse.

Und dann sagt einer aus der Runde „Wir wollen ja kein Oldtimerclub werden“ und bringt das Dilemma auf den Punkt: das Fahrzeug ist einfach nicht mehr zeitgemäß.

Manfred Krude erläutert, wie der Nachfolger aussehen soll. Für den könnte noch in diesem Jahr die Ausschreibung laufen – wenn der Gemeinderat denn sein Plazet zur Anschaffung gibt. „Wir benötigen ein Fahrzeug, mit dem wir flexibler auf die Einsatz-Anforderungen reagieren können“, erklärt Krude. GWL heißt dafür die Feuerwehr-Abkürzung, übersetzt: Gerätewagen Logistik.

Er kombiniert Elemente des bisherigen Fahrzeugtyps mit einem völlig neuen Konzept. Beibehalten wird die Geländetauglichkeit durch Allradantrieb, die Mannschaftskabine für die Einsatzkräfte und auch standardisierte Ausrüstung im Mittelteil des Lkw. Dazu gehören etwa Schere und Spreizer für die Bergung Verletzter nach Kfz-Unfällen und eine leistungsfähige Pumpe für die Wasserversorgung.

Die ist nämlich immer noch eine Hauptanforderung an die Besatzung des Lkw. Doch statt umständlich Schlauch an Schlauch zu kuppeln, kommt das gänzlich neue Element des Feuerwehrfahrzeugs zum tragen. „Wir werden am Heck des GWL eine Ladebordwand, wie man sie auch von Standard-Lkw kennt, bekommen. Mit ihr lassen sich verschiedene Rollcontainer, die ganz für den jeweiligen Einsatz ausgerüstet sind, aufladen“, erläutert Wehrchef Krude. Einer fasst beispielsweise 1000 Meter fertig verkuppelten B-Schlauch. Vorteil: Der Kraftfahrer muss nur noch die Strecke abfahren und der Schlauch rollt in der benötigten Länge vom Hydranten oder der Wasserstelle bis zum Einsatzort ab. Das geht schneller und die Truppe bleibt für andere Aufgaben fit.

Andere Rollcontainer – sechs davon werden auf den neuen Lkw passen – können etwa Material zum Binden ausgelaufener Stoffe oder Spezialgerät für das Räumen von Straßen nach Stürmen beinhalten. Und auch nach dem Einsatz sind die Container notwendig. Gebrauchte Einsatzkleidung, Atemschutz, Flaschen – all das kann in die Rollcontainer gepackt und zur Aufbereitung etwa nach Steinfurt gefahren werden.

Bis zu zwei Jahre werde es dauern, bis nach der Ausschreibung der für die Metelener Wehr gebaute GWL im Spritzenhaus stehen wird, überschlug Manfred Krude grob. Wenn dann der alte LF 16-TS in neue Hände kommt – oft gibt es Liebhaber solcher Feuerwehr-Oldies – dann hat er sich das H-Kennzeichen für historische Fahrzeuge spätestens verdient.

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