Große Beteiligung am Stammtisch zum Thema
Klimawandel beschäftigt Metelener

Metelen -

Mit dem Klima- und Umweltstammtisch hat Metelens Verwaltung ganz offensichtlich ins Schwarze getroffen: Der Sitzungssaal des Alten Amtshauses war bestens besetzt, als zur Premiere Peter Hagemann vom NRW-Landesbetrieb Forst und Wald über die Folgen des Klimawandels für die Wälder referierte. Auch die anschließende Diskussion zeigte, dass sich die Bürger intensiv mit dem Thema beschäftigen.

Samstag, 07.09.2019, 06:00 Uhr
Bäume im Stress. Wie auf diesem Foto zu sehen, reagieren sie auf die Trockenheit, bilden weniger Blätter aus, werfen sie früher ab. Folge: Die Kronen werden immer lichter. Die Trockenheit kommt zu Schäden durch kräftige Stürme in der Vergangenheit hinzu.
Bäume im Stress. Wie auf diesem Foto zu sehen, reagieren sie auf die Trockenheit, bilden weniger Blätter aus, werfen sie früher ab. Folge: Die Kronen werden immer lichter. Die Trockenheit kommt zu Schäden durch kräftige Stürme in der Vergangenheit hinzu. Foto: Dieter Huge sive Huwe

Nein, der Klimawandel lässt Metelens Bürger nicht kalt. Das zeigte die große, bunte Runde, die Bürgermeister Gregor Krabbe Mittwochabend zum ersten Treffen des neu gegründeten Klimaschutz- und Umweltstammtisches im Alten Amtshaus willkommen hieß. An diesem Abend stand der Wald im Fokus. Er ist nämlich Opfer des Klimawandels. Aber auch Problemlöser. Denn Bäume entlasten unsere Atmosphäre von Kohlendioxid. „Und da kann jeder Einzelne in seinem kleinen Umfeld etwas bewirken“, bemerkte Krabbe und wies darauf hin, dass 95 Prozent der Gemeindefläche in Privatbesitz seien.

Zum Thema „Waldbau im Klimawandel“ sprach Peter Hagemann vom NRW-Landesbetrieb Forst und Wald. „Wir wurden von Naturkatastrophen überrollt“, erinnerte er an die Sturmtiefs Kyrill und Friederike. Doch auch der Borkenkäfer mache dem Wald zu schaffen. Und die vergangenen beiden trockenen und heißen Sommer seien eine Steilvorlage für den Schädling gewesen. Besonders die Fichten hätten darunter zu leiden. „Wenn es so weiter geht, wird es in einigen Jahren in unserer Region keine Fichten mehr geben“, gab Hagemann zu bedenken.

Weiter wies er auf die Nutz-, Schutz- und Erholungsfunktion des Waldes hin. In diesem Sinne werde daran gearbeitet, den Wald so zu gestalten, dass künftige Generationen mit ihm leben und seine Leistung erfahren können. Daher strebe man klimastabile Laubmischbestände an. Das sei allerdings ein langwieriger Prozess, der sich über zwei Jahrzehnte hinziehen könne. „ Auch Experimentieren gehört dazu, denn wir müssen gucken, welche Bäume aus der breiten Produktpalette sich bewähren“, erklärte der Fachmann. Dabei werde der Wald sowohl nach ökologischen als auch wirtschaftlichen Gesichtspunkten betrachtet.

„Was passiert mit unserer Natur, wenn die Sommer weiter so trocken sind?“, wollte ein Teilnehmer der Runde wissen. Hagemann war der Meinung, dass die Selbstheilungskräfte der Natur auch etwas bewirken können.

Am Bürgerstammtisch wurde äußerst lebhaft diskutiert. Bereits während des Vortrags sprudelten ausführliche Meinungen durchs Amtshaus. Ein Besucher hatte den Eindruck, beim Waldanbau werde der Fokus zu sehr auf die Wirtschaftlichkeit gelegt. „Kann der Wald über Wirtschaftlichkeit gerettet werden?“, fragte er und gab zu bedenken, dass das Gesamtsystem zu kurz komme. Man müsse das Große und Ganze stärker im Blick haben.

Die Bürger hatten sich intensiv mit der Thematik auseinandergesetzt und reicherten den Abend zum Teil mit vielen kleinen Einzelvorträgen an. „Bäume sind Lebewesen und kommunizieren miteinander“, meinte eine Frau und kritisierte, dass der Mensch die Finger zu sehr im Spiel habe. Ihr Appell: Den Wald zum Atmen nutzen, aber ansonsten mit menschlichen Eingriffen sensibler umgehen und es der Natur in ihrer Vielfalt überlassen.

„Sollte man das nicht lieber den Fachleuten überlassen? Es wird ja an der Entwicklung des Waldbestandes gearbeitet. Das haben wir doch gerade in dem Vortrag gehört“, war die kontroverse Meinung eines Teilnehmers.

Aber was kann jeder in seinem kleinen Umfeld bewirken? Diese Frage des Bürgermeisters griff Simon Möser auf. Der Klimaschutzmanager wies auf Baumpflanzaktionen wie „Plant for the Planet“, Hochzeitswälder und Baumpatenschaften hin.

Aus der Runde kam der Vorschlag, durch ehrenamtliche Aktionen gemeinsam etwas zu bewirken, was Möser begrüßte. „Wer entsprechende Anregungen hat, kann sich an zentraler Stelle bei mir in der Gemeindeverwaltung melden“, erklärte der Klimaschutzmanager.

Weiter sprach er das Umweltbewusstsein unserer Gesellschaft an. „Wenn jeder Mensch auf der Welt so leben würde wie wir, dann brauchten wir zweieinhalb Erden“, veranschaulichte er das Ausmaß unseres ökologischen Fußabdrucks. Der nämlich zeichnet sich aus durch zu viel Heizen, zu viel Wohnfläche, zu viel Autofahren, zu viel Müll und zu viele Flug- und Traumschiffreisen. Jeder müsse sich fragen, wie er vor diesem Hintergrund an sich selber sparen könne, appellierte Simon Möser.

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