Lukas van Schelve wird Erzieher
Lange nach einer Berufung gesucht

Metelen -

Er ist zwar kein Exot in der Kita St. Marien, aber dennoch gibt es nur wenige Männer, die den Beruf des Erziehers

Freitag, 20.09.2019, 06:00 Uhr
Lukas van Schelve mag es unter anderem, Kindern beim Spielen Impulse zu geben, etwa beim Basteln mit Knete.
Lukas van Schelve mag es unter anderem, Kindern beim Spielen Impulse zu geben, etwa beim Basteln mit Knete. Foto: Dorothee Zimmer

Diese „Wie-ist-es-dazu-gekommen“-Frage wird besonders gern auch solchen Menschen gestellt, die sich für eine Berufsausbildung entscheiden, die in der Regel eher untypisch ist für das eigene Geschlecht. Lukas van Schelve ist ein Beispiel dafür: Er will Erzieher werden. Seit Juli ist der 29-Jährige als Auszubildender in der Kita St. Marien. Warum also diese Entscheidung? „Das ist schwer zu beschreiben“, antwortet er. Es sei ein Prozess gewesen. „Ich hab lange eine Berufung gesucht.“

Nach Abitur und kurzen Studienzeiten in den Fächern Management und Grundschullehramt hatte er eine zweijährige Kinderpflegerausbildung absolviert, von der er sagt, dass er darin eine Bestätigung erfahren habe, in diesem Bereich arbeiten zu wollen. „Je jünger die Kinder sind, desto ehrlicher und natürlicher sind auch ihre Rückmeldungen“, ist van Schelve emotional berührt von kindlichen Reaktionen fernab gesellschaftlicher Konventionen.

Drei Jahre dauert die Ausbildung, sie erfolgt nach dem in NRW noch neuen, so genannten PiA-Konzept. PiA heißt Praxisintegrierte Ausbildung, und angeboten wird sie unter anderem im Canisius-Stift in Ahaus, in dem van Schelve die Berufsschule besucht. Im ersten Ausbildungsjahr ist er entsprechend des dualen Modells zwei Tage in der Woche in der Kita und drei Tage in der Schule. Später ändert sich dieses Verhältnis zugunsten der Kita.

Er ist nicht der einzige Mann in der Klasse. „Wir sind 15 Frauen und sechs Männer“, erzählt van Schelve. Altersmäßig reiche die Spanne von 18 bis 50 Jahren. Dass manche sich relativ spät für diesen Beruf entscheiden, liegt aus van Schelves Sicht an zwei Gründen: „Entweder schwebte Eltern für ihre Kinder seinerzeit ein anderer Beruf vor, oder man hat aus eigenen Stücken darauf verzichtet, weil der Bedarf hinreichend gedeckt schien.“

Im letzten Punkt hat sich das Blatt gewendet. „Die Aussichten, eine Stelle zu finden, sind gut“, weiß Einrichtungsleiterin Karin Krechting. Van Schelve ist der erste Mann, der in der Kita mit bislang ausschließlich weiblichem Personal als Erzieher ausgebildet wird, und Krechting empfindet ihn als Bereicherung. „Beim Team und bei den Kindern ist er sehr beliebt. Seine Arbeit hier ist auch deshalb von Vorteil, weil die ersten Jahre im Bildungsbereich für Kinder mit Kita und Schule absolut frauenlastig sind.“

Van Schelve, der in Epe geboren ist, seine erste Ausbildung in Erfurt machte und jetzt in Metelen wohnt, fühlt sich in der Kita „sehr wohl“. Er mag es unter anderem, Kindern beim Spielen Impulse zu geben, ihnen vorzulesen und gemeinsam mit ihnen zu frühstücken und Mittag zu essen.

Ein Spielort hat es ihm besonders angetan: „Ich bin sehr gern mit den Kleinen draußen.“

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