Kabarett Storno räumt das Bürgerhaus ab
Abendlicher Angriff aufs Zwerchfell

Metelen -

Storno, die Zehnte, im Metelener Bürgerhaus: Das Trio präsentierte erneut seinen kabarettistischen Jahresrückblick, der

Freitag, 29.11.2019, 06:00 Uhr
Die drei Kabarettisten von Storno waren zum zehnten Mal in Metelen und bedankten sich bei ihren Zuhörern im Bürgerhaus mit einem Song zum Finale.
Die drei Kabarettisten von Storno waren zum zehnten Mal in Metelen und bedankten sich bei ihren Zuhörern im Bürgerhaus mit einem Song zum Finale. Foto: Irmgard Tappe

„Storno“ feiert in Metelen eine runde Null. Zum zehnten Mal gastieren Thomas Philipzen , Harald Funke und Jochen Rüther an diesem Mittwochabend im Bürgersaal, der mal wieder zum Bersten voll ist. „Die darf man nicht verpassen, die sind einfach gut“, meint ein Zuschauer aus Rosendahl, als Philipzen wie ein plappernder Wirbelwind auf die Bühne weht.

Er spricht über Schnupperkurse in Biogasanlagen und steigt mit einem Humboldt-Zitat ins Programm ein: „Gefährlich ist die Weltanschauung der Menschen, die sich die Welt nicht ansehen.“ Philipzen wundert sich, dass Humboldt das vor mehr als 200 Jahren schon wusste, obwohl es damals die AFD noch nicht gab. Als Funke und Rüther hinzukommen und die drei über Rechtspopulisten, selektive Wahrnehmung und Demokratieverständnis diskutieren, ist der Funke im Saal längst übergesprungen. Das Storno-Trio geizt nicht mit Seitenhieben in Richtung Trump und Johnson, dem „Doppelten Beklopptchen“, das Putin vermutlich nach gleichem Schema konstruiert hat. Wobei Trump wahrscheinlich ein Montagsmodell ist.

Das Kabaretttrio nimmt so ziemlich alles aufs Korn, was die Weltpolitik zu bieten hat und springt dabei von Influenzer Rezo mit der blauen Tolle zum AKK-Minus-Effekt und zur CDU, die man mit etwas gutem Willen noch als Volkspartei bezeichnen kann.

Klar, dass die drei Lästermäuler auch Klimaschutz und Klimapaket satirisch auspacken. Rüther bezeichnet dieses Paket als „Heiße Luft“ und Philipzen wundert sich, dass der SUV jemals zugelassen wurde. Denn bereits in der Fahrschule habe er gelernt, dass man im „Suff“ nicht fahren dürfe. Wort- und gestenreich lästern die drei weiter über Feinstaub, Elektromobilität und E-Bike-Opas, die im Affenzahn herangejagt kommen. Funke stellt fest, dass Deutschland Spitzenreiter in Sachen Klimaschutz ist. „Wir sind weltweit das einzige Land, dessen Hauptstadt einen CO² freien Flughafen hat.“ Na bitte.

Auch die Veganer und ihre Fleischimitate bekommen ihr Fett weg. „Warum essen sie nicht gleich Gemüse?“, wundert sich Funke. Ihm schmeckt das Fleisch und er ärgert sich über dieses neoliberale Gesundheitsevangelium des krankhaft richtigen Essens, das jeden Genuss vertreibt. „Wir haben kein natürliches Verhältnis mehr zum Essen, sondern machen eine ideologische Wissenschaft daraus“, kontert er beleidigt.

Eine ironisch aufgespießte Wahrheit jagt die nächste. Digitalisierung, Prozessionsspinner, Impfzwang und Organspende, bei der Funke den Wert seiner Leber zu schätzen weiß. „Mein Arzt hat mich gestern angerufen und gesagt, dass meine Leberwerte schon wieder gestiegen sind“, verkündet er stolz und mit unübertrefflicher Mimik.

Das „auf den Putz hauen“ der Marias 2.0 darf in diesem satirischen Jahresrückblick natürlich nicht fehlen. Laut Storno wollen die deutschen Kardinäle allerdings eine Gegenbewegung gründen. Josef 2.0. Ob sie wohl ahnen, mit wem sie sich da anlegen? „Die westfälischen Frauen aus dem Münsterland sind die rebellischsten auf dem ganzen Planeten“, warnt Philipzen. Sein Mikrofon funktioniert an diesem Abend nicht so wie es soll. Doch wer glaubt, dass dieses technische Problemchen die Stornisten aus der Fassung bringt, der irrt. Geschickt bauen sie es ins Programm ein.

Zum Finale taucht der von Rüther inszenierte Orpheus aus der Unterwelt auf und zieht die Politiker nochmals kräftig durch den Kakao. Tosender Beifall des Publikums reißt das Trio zur Zugabe hin. Dafür haben sie einen Song für Metelen komponiert. Als Geburtstagsgeschenk. Wegen der runden Null.

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