Dienstsport: Zöllner üben regelmäßig in Metelen
In der Sporthalle klicken die Handschellen

Metelen -

Zu ungewöhnlichen Sportstunden treffen sich regelmäßig Zollbeamte aus der Region in der Metelener Sporthalle.

Samstag, 30.11.2019, 06:00 Uhr aktualisiert: 30.11.2019, 11:33 Uhr
Auch Fesseln will geübt sein. Am Montag waren entsprechende Techniken Schwerpunktthema der Dienstsportstunden für die Zöllner. Wichtig: Immer zwei Kollegen agieren in festgelegtem Ablauf gemeinsam – auch wenn die Zielperson diesmal die Kollegin ist.
Auch Fesseln will geübt sein. Am Montag waren entsprechende Techniken Schwerpunktthema der Dienstsportstunden für die Zöllner. Wichtig: Immer zwei Kollegen agieren in festgelegtem Ablauf gemeinsam – auch wenn die Zielperson diesmal die Kollegin ist. Foto: Dieter Huge sive Huwe

Aus der Umkleide nebenan dringen noch Kinderstimmen herüber, hier jedoch werden vor dem Umziehen zur Sportstunde schwere Gürtel abgelegt. Daran befestigt: Taschen für ein Reizgas, Handschellen und das Holster mit der Pistole. Die Männer und Frauen, die jetzt die Turnhalle an der Ochtruper Halle gebucht haben, sind bewaffnet, kommen teils aus dem Dienst, teils sind sie auf dem Weg dorthin. Es sind Zollbeamte, die hier trainieren. Regelmäßig montags – Dienstsport.

Aufmerksame Metelener haben es längst raus, dass zum Wochenbeginn oftmals Zollfahrzeuge vor der Halle parken. Hinzu gesellen sich zivile Fahrzeuge der Zöllner. Hintergrund ist das gemeinsame Üben von Szenarien, die für den Alltag der Vollzugsbeamten überlebenswichtig sein können. In Metelens Sporthalle trainieren sie Abläufe, die sitzen müssen in Situationen, mit denen die Männer und Frauen vom Zoll im Berufsalltag bisweilen unvermittelt konfrontiert werden.

„Ziel der Dienstsportstunden ist es, Einsatztechniken zu trainieren und damit zu festigen“, erläutert der Trainer Zollamtmann Czempik. Dass er im Hauptzollamt Münster tätig ist als Beauftragter für Eigensicherung. Das steht auf der Visitenkarte. Den Vornamen mag er nicht so gerne in der Zeitung lesen – Zöllner sind bisweilen Anfeindungen ausgesetzt. Deshalb setzen sich auch seine Kolleginnen und Kollegen Kapuzen auf, als Fotos gemacht werden.

Die „Kundschaft“, mit der es die Zollbeamten vom Vollzugsdienst bei ihren Kontrollen mitunter zu tun haben, ist eben nicht immer ohne. „Wir müssen gerade im Bereich der Drogenkriminalität immer damit rechnen, dass auch Waffen gegen uns gerichtet werden. Das hier ist kein Freizeitsport“, stellt Czempik denn auch klar, als die Gruppe sich langsam in der Halle versammelt. Dienstwaffen und Schutzwesten bleiben natürlich nicht in der Umkleide zurück, die kommen mit aufs Parkett der Sporthalle.

Fuß- und Handschellen im Metallkoffer

Nur während der ersten Viertelstunde macht der Dienstsport der Zöllner den Eindruck einer ganz normalen Sportstunde. Bei einem Mannschaftsvergleich wärmen sich die Zöllner in einem Mix aus Fuß- und Handball auf.

Doch als danach der Trainerkollege von Czempik den mitgebrachten Metallkoffer aufmacht, wird deutlich, dass das hier keine übliche Hallensportveranstaltung ist. Fuß- und Handschellen, dazu diverse Ausführungen von Seilschlaufen, die ebenfalls der Fixierung von Menschen dienen – das Köfferchen hielte wohl selbst für einen Entfesselungskünstler einige harte Nüsse bereit.

Einsatz standardisierter Techniken

„Immer zu Zweit“, ist eine der Vorgaben an die Zöllner bei der nun anstehenden Übung. Eine Zielperson soll gefesselt werden. Ein Beamter spricht ihn an, einer sichert. Das ist bei jeder Kontrolle ein Standardszenario. Und es sind auch standardisierte Techniken, die jetzt zum Einsatz kommen. Mit den Händen an der Wand, die Beine weit gespreizt werden dem Tatverdächtigen in exakt vorgegebenen Abläufen Handschellen angelegt.

„Wir gehen immer Schritt für Schritt vor“, erklärt Czempik die Prozedur. Zum einen, damit immer Hebeloptionen für den Fall plötzlicher Gegenwehr möglich sind, aber auch, um den Verdächtigen nicht zu verletzen. Gerade bei der Fesselung auf dem Boden ist dies wichtig. „Wir sprechen den Verdächtigen an, müssen sicher sein, dass er trotz der Dreipunkt-Fixierung durch die Beamten noch Luft bekommt“, so der Trainer.

Deeskalation steht im Mittelpunkt

Er sagt auch, dass dieses Verfahren vor allem bei erheblicher Gegenwehr oder nach deren Androhung derselben zum Einsatz kommt. „Wichtig ist uns, deeskalierend auf die Kontrollierten einzuwirken“, so Czempik. Auch bei der Ansprache gebe es durchaus Abstufungen.

Nacheinander klicken in der Halle währenddessen die Handschellen. Die Zöllner, die aus mehreren Dienststellen nach Metelen angereist sind, üben, um Fesselungstechniken aufzufrischen, damit sie zur Routine werden, die jeder im Vollzugsdienst aus dem Effeff beherrschen muss. Es ist ja nicht auszuschließen, dass das Gelernte schon am Nachmittag im Dienst wieder abgerufen werden muss. Und dann müssen sich die Beamten des Zoll auf ihre Kollegen verlassen können.

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