St.-Ida-Haus-Bewohner erinnern sich an ihre Kindheit
Früher mit Lametta

Metelen -

Wenn sich die Bewohner des St.-Ida-Hauses im Advent zusammenfinden, werden bisweilen Erinnerungen an

Mittwoch, 25.12.2019, 06:00 Uhr
Berichteten über ihre Weihnachtserlebnisse aus Kindertagen (v.l.): Gertrud Fiege, Thea Rosenau, Elisabeth Albersmann, Maria Kippelt, Josef Münstermann und Elsbeth Richter, die alle im St.-Ida-Haus wohnen.
Berichteten über ihre Weihnachtserlebnisse aus Kindertagen (v.l.): Gertrud Fiege, Thea Rosenau, Elisabeth Albersmann, Maria Kippelt, Josef Münstermann und Elsbeth Richter, die alle im St.-Ida-Haus wohnen. Foto: Dieter Huge sive Huwe

Auf dem Tisch steht ein weihnachtliches und beleuchtetes Gesteck, Plätzchenteller mit selbst Gebackenem sind gefüllt, frisch aufgebrühter Tee schmeckt aromatisch. Und sechs Bewohner des St.-Ida-Hauses blicken gespannt auf den Besucher, der doch eigentlich nur eines von den teils hoch betagten Senioren wissen möchte: „Wie haben Sie als Kinder Weihnachten erlebt?“

„Wir waren ja eine große Familie.“ Thea Rosenau ist 90, die Älteste in der Runde und in Metelen aufgewachsen. Zwei Jungen und sechs Mädchen freuten sich aufs Fest, für das der Vater immer die selbst gebaute Krippe aufstellte. „Wir hätten gerne mit den Figuren gespielt, aber das war verboten, die waren ja aus Gips“, erzählt die Seniorin und beschreibt, dass Moos für die Krippe aus der Bült geholt wurde. Und Geschenke? „Heute weiß ich’s ja: Meine Puppe verschwand immer ein paar Tage vor dem Fest – und die tauchte dann an Weihnachten frisch angezogen wieder auf. Meine Tante hatte die Kleider genäht.“

Auch Maria Kippelt wuchs in einer großen Familie auf, mit elf Geschwistern. „Am Tag vor Weihnachten wurde ein Tannenbaum gekauft und es wurden Weihnachtslieder gesungen im großen Kreis der Familie. Neue Wäsche, eine schöne Schürze oder auch mal ein Kleid, das waren die Geschenke, die es zum Fest gab. „Es gab nur Sachen, die man gebrauchen konnte. In der Verwandtschaft war eine Frau, die sehr gut nähen konnte“, beschreibt die 85-Jährige ihre Weihnachtsfeste der Kindheit. Dazu gab es auf einem Teller Plätzchen und Nüsse. „Weihnachten war der immer kleiner, weil es zum Nikolaus ja schon einen großen Teller gegeben hatte.“ Noch genau in Erinnerung ist Maria Kippelt, dass sie in der Weihnachtsbäckerei den Fleischwolf drehen durfte; das Spritzgebäck lag dann später auf besagten Tellern.

Josef Münstermann , der in Heek auf einem Bauernhof aufwuchs, hatte immer einen sehnlichen Wunsch: „Ich hätte so gerne einen Bauernhof zum Spielen gehabt.“ In der Kriegszeit hatte die Familie aber ganz andere Sorgen. Der Nikolaustag war dann der Tag, an dem es bescheidene Geschenke gab. „An Weihnachten ging es um die frohe Botschaft von Bethlehem. Das war das Wichtigste. Dann las der Vater immer aus der Bibel vor“, erinnert sich Münstermann. Ein Brauch, den er als Familienvater fortführte. Und der in der Familie Bestand hat: „Ich habe mich gefreut, als mein Enkel sagte ,Opa, ich mach das jetzt‘“. Und der Bauernhof? Den hat sich Münstermann später selber gekauft – in Originalgröße an der Elbe, berichtet der Landwirt aus Passion.

„Ich war ein Nachkömmling in unserer Familie“, beschreibt Elisabeth Albersmann ihre Kindheit. „Meine Mutter war nicht mehr so den Sinn nach Weihnachten, denn sie hatte einen Sohn im Krieg verloren – er ist auf Weihnachten mit der Scharnhorst untergegangen.“ Für sie als kleines Mädchen sei dies sehr schwer gewesen: „Kinder, die haben doch Wünsche.“ Es habe zwei andere Mädchen im Haus gegeben – Kinder der Mieterin. „Die wurden an Weihnachten immer beschenkt und ich lag in meinem Bett und habe um meinen toten Bruder geweint.“ Weihnachten wurde für sie erst wieder zum Fest, als sie selber Mutter geworden war. 1957 kam der Sohn zur Welt – dann erst konnte die 84-Jährige das Fest genießen.

„Wir waren geflüchtet und in Gelsenkirchen untergekommen“, erinnert sich Elsbeth Richter. „Wir waren arm, hatten kein Geld, kamen bei Verwandten unter und haben mit denen zusammen Weihnachten gefeiert.“

Gertrud Fiege wuchs in Greven zusammen mit drei Brüdern auf. „Mein Vater war im Krieg“, berichtet die 83-Jährige und: „Der war in Frankreich und hatte dort eine Puppe besorgt.“ Das junge Mädchen war überglücklich – auch darüber, dass das Weihnachtsgeschenk noch in einem Puppenwagen lag, den eine ältere Cousine zugesteuert hatte. Doch die Erinnerung an dieses Weihnachtsgeschenk wurde auch getrübt – ausgerechnet durch den Bruder. „Der hat der Puppe ein Auge eingedrückt“, hat Gertrud Fiege dieses Bild noch genau vor Augen. „Den habe ich noch lange verflucht.“ „Ja, so sind die Brüder eben“, kommt zustimmendes Kopfnicken aus der Runde.

Ganz einig sind sich die Senioren auch mit Blick auf den Baumschmuck: „Früher gab es auch immer Lametta. Das wurde anschließend gebügelt und wieder weggepackt – bis zum nächsten Weihnachtsfest.“

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