Neue Lautsprecheranlage in der Pfarrkirche installiert
Tonabgebend bis in die letzte Bank

Metelen -

Mit neuen Lautsprechersystemen modernisiert die katholische Kirchengemeinde ihr Gotteshaus. Techniker einer Fachfirma

Samstag, 01.02.2020, 06:00 Uhr
Rolf Fischer (l.) und Sigurd Kratsch sind Mitarbeiter der Kölner Fachfirma, welche die neue Tonanlage für die Metelener Pfarrkirche lieferte. In dieser Woche installierten sie die Lautsprechersysteme im Gotteshaus.
Rolf Fischer (l.) und Sigurd Kratsch sind Mitarbeiter der Kölner Fachfirma, welche die neue Tonanlage für die Metelener Pfarrkirche lieferte. In dieser Woche installierten sie die Lautsprechersysteme im Gotteshaus. Foto: Dieter Huge sive Huwe

Nein, der Ort verbietet es wohl, das Baustellenradio anzustellen. Nur das vernehmliche Brummen des Akkuladers ist zu hören in der altehrwürdigen Stiftskirche zu Metelen. Die Stufen hinauf zum Altar sind übersät mit Werkzeugkoffern, Messgeräten und Sortier-Boxen – alles fein säuberlich aufgereiht, damit die Arbeit schnell von der Hand geht.

Rolf Fischer und Sigurd Kratsch brauchen dennoch mehrere Tage, um die neue Lautsprecheranlage im Gotteshaus zu installieren. Die beiden Experten der Firma Steffens Systems aus Köln kennen sich mit derartigen Projekten aus. „Das mache ich schon seit 40 Jahren“, berichtet Kratsch von jahrzehntelanger Erfahrung darin, Kirchenräume mit dem richtigen Sound auszustatten. Rolf Fischer ist „erst“ seit neun Jahren im Unternehmern tätig und als Diplom-Ingenieur mit der Tontechnik für Gotteshäuser ebenfalls bis in die Details hinein vertraut.

Er ist gerade dabei, eine der beiden mannshohen und doch schmalen Lautsprecherboxen in der Nische der Säule zum Altarraum zu justieren. Lotrecht muss sie hängen, ein Laser hilft bei der exakten Ausrichtung. „Nach der Säule allein darf man sich da nicht richten“, zeigt der Ingenieur auf den Spalt zwischen Box und Sandstein.

Er will gerade den technischen Hintergrund erläutern, als sein Handy klingelt. Am anderen Ende der Leitung: eine Küsterin aus Duisburg. Die hat ein Problem mit der Tontechnik in ihrer Kirche. Fischer sucht seinen Laptop, loggt sich ins System des Gotteshauses im Ruhrgebiet ein, und entdeckt schließlich, dass ein Kabel aus der Verstärkeranlage gezogen wurde. Problem gelöst, die Küsterin dankt, zurück an die Arbeit. „Fernwartung ist mit dem System ebenfalls möglich“, erklärt Fischer die Unterbrechung.

Dann geht es ans Eingemachte der Akustik in der Kirche. Die Lautsprecherboxen hängen nämlich nicht ohne Grund genau lotrecht. „Hinter dem Gitter verbergen sich pro Box-Segment acht Breitband-Lautsprecher und 16 Hochtöner, die von einer Regelungstechnik einzeln angesteuert werden.“ Vorteil, so der Ingenieur: Der übertragene Ton wird von den einzelnen Systemen mit jeweils minimal unterschiedlicher Verzögerung wiedergegeben. Dadurch erreicht die Stimme des Pfarrers die Gottesdienstbesucher zeitgleich – egal, ob sie in der ersten Bank oder hinten unter dem Turm sitzen.

Neben diesen aktiven Lautsprechersystemen, von denen es vier im Kirchraum gibt, wurden passive Lautsprecher, die von einer Endstufe in der Sakristei aus mit ihrem Signal versorgt werden, angebracht – zwei im Chorraum, je zwei unter- und oberhalb der Orgelbühne und einer in der Sakristei.

Warum so viele Lautsprecher? „Es gilt die Faustformel: Wenn ich die Lautsprecherbox sehe, höre ich sie auch“, bringt es Fischer auf den Punkt. Die teils massiven Säulen in dem Gotteshaus machten es erforderlich, einzelne Bereiche, wie den unterhalb der Orgel, separat zu beschallen.

Das Kölner Unternehmen, für das die beiden Tonexperten arbeiten, verfügt über reichlich Erfahrung mit komplexen Kirchräumen. Auch der Paulusdom in Münster hat eine Anlage aus dem Haus und selbst der Dom zu Mailand wird mit System aus dem Kölner Tonschmiede beschallt. „Bei der Montage war ich dabei“, erinnert sich Rolf Fischer noch gerne an die Zeit in Norditalien.

In Metelen geht die Installation da wesentlich schneller von der Hand, zumal Elektriker bereits im Vorfeld die Leitungen verlegt haben – vieladrige zur Ansteuerung der Aktivboxen und außerdem Stromanschlüsse für die Energieversorgung der eingebauten Regeltechnik.

Zum Abschluss wird getestet, mit einem Tonsignal, das ein kleines Gerät auf dem Ambo aussendet. Geht das nicht auch mit Musik? „Sicherlich, doch ist die Anlage so konzipiert, dass Töne unterhalb von 100 Hertz nicht wiedergegeben werden“, sagt der Fachmann. Eine klare Übertragung der Stimmen aus dem Altarraum geht eben vor. Fette Bassbeats sind da also nicht drin. Oder doch? „Na ja, wenn es gewünscht wird, rüsten wir gerne auch einen Subwoofer nach. Es gibt Kirchen, die haben sowas.“

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