Fachkundige Information zu Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht
„Keine Schläuche“ reicht nicht aus

Metelen -

Welche Bedeutung hat die Patientenverfügung? Was muss beachtet werden? – ein Thema, das offenbar Viele interessiert. Der Saal der Seniorenwohnanlage „Metelener Heide“ war jedenfalls voll besetzt.

Mittwoch, 12.02.2020, 06:00 Uhr aktualisiert: 12.02.2020, 13:38 Uhr
Klärten zum schwierigen Thema auf (v. l.): die Referenten Dr. Sven Keuter und Wolfgang Gerlach-Reinholz sowie Hospizkoordinator Dieter Lange-Lagemann
Klärten zum schwierigen Thema auf (v. l.): die Referenten Dr. Sven Keuter und Wolfgang Gerlach-Reinholz sowie Hospizkoordinator Dieter Lange-Lagemann Foto: dpa/Mohring

„Es ist mutig, dass Sie heute hier sind, aber es ist ebenso wichtig“, betonte Wolfgang Gerlach-Reinholz am Montagabend. Mit dem Notar Dr. Sven Keuter an seiner Seite klärte der Hausarzt und Palliativmediziner zum Thema „Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht“ auf. Anhand der Besucher zeigte sich, dass dies nicht nur für Senioren relevant ist. Der Saal der Seniorenwohnanlage „Metelener Heide“ war prall gefüllt. Die Veranstaltung fand als Kooperation der Volkshochschule mit dem Hospizverein Ochtrup-Metelen statt.

Das Interesse sei begründet, finden Keuter und Gerlach-Reinholz. Unfälle und Krankheiten können bei jedem Menschen zu der Situation führen, dass man seine Angelegenheiten nicht mehr selber regeln kann, so die Referenten. „Hier geht es heute darum, wie entschieden wird, wenn Sie nicht mehr kommunizieren können beziehungsweise nicht mehr ins Bewusstsein zurückkehren“, erläuterte Gerlach-Reinholz. Was viele nicht wüssten: „Ehepartner sind nicht automatisch entscheidungsbefugt“.

Mit einer Patientenverfügung entscheide man konkret über die medizinischen Maßnahmen, die vom Arzt ausgeführt oder eben unterlassen werden dürfen. Den Referenten nach solle man sich bei den Grundbedingungen möglichst konkret ausdrücken, zum Beispiel: „Wenn ich keine Nahrung mehr aufnehmen kann, möchte ich nicht künstlich ernährt werden“. Falsch seien jedoch mehrdeutige Formulierungen wie „keine Schläuche“ oder „würdevolles Leben“. Wie bei jeder anderen Behandlung müsse man jedoch nichts begründen.

Durch eine Vorsorgevollmacht werde explizit geklärt, welche Person im Fall der Entscheidungsunfähigkeit des Patienten in dessen Sinne entscheidet. Dieser Punkt sei Gerlach-Reinholz nach besonders wichtig. „Der Bevollmächtigte soll Ihren Willen umsetzen, nicht seinen eigenen“, betonte der Hausarzt. Deswegen solle man mit den Angehörigen über diese Themen und die Verfügung sprechen. „Ungünstig ist es, wenn im Fall der Fälle Uneinigkeit herrscht“, sagte er. Trotzdem könne man mehrere Vertraute in einer bestimmten Rangfolge in der Verfügung angeben. „Wenn keiner vorhanden ist, wird ein gesetzlicher Betreuer gestellt“, so der Referent.

In Sachen Organspende können Spenderausweis und Verfügung kollidieren, weswegen es wichtig sei, die Spende-Einwilligung im Verfügungsformular an entsprechender Stelle gegebenenfalls nochmals zu bestätigen. An dieser Stelle betonten Keuter und Gerlach-Reinholz nochmals, dass die Organspende nicht mit einem Wachkoma, sondern erst mit dem Hirntod in Kraft tritt.

Neben der Gesundheitsfürsorge könne auch in den Bereichen Aufenthaltsbestimmungsrecht, Vertretung bei Behörden oder finanzielle Angelegenheiten bevollmächtigt werden. Insbesondere bei letztgenanntem Aspekt sei jedoch laut Keuter eine Beglaubigung durch einen Notar sinnvoll.

Es gebe zwar fertige Formulare, selbst formulierte Dokumente haben jedoch auch ihre Vorteile, so Referent Gerlach-Reinholz. „Solche Entscheidungen sollten niemals überhastet oder leichtfertig getroffen werden. Wo man bei einem Formular schnell mal ein Kreuz setzt, darüber denkt man im selbst formulierten Text mehr nach“, versichert der Hausarzt.

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