Corona: Gemeindeverwaltung erlässt weitere Einschränkungen
Speisen nur mit Sicherheitsabstand

Metelen -

Die Corona-Pandemie trifft besonders die Gastronomiebranche hart. Nicht nur, dass mittlerweile sämtliche Versammlungen

und Veranstaltungen von Vereinen abgesagt sind, auch private Feiern wurden storniert. Hinzu kommt seit Montag eine

Allgemeinverfügung, nach der exakte Vorschriften für Speisegaststätten gelten. So dürfen Gäste nur noch in einem Abstand

von mindestens zwei Metern Platz nehmen.

Montag, 16.03.2020, 21:00 Uhr aktualisiert: 17.03.2020, 15:02 Uhr
Metelens Gastronomie – hier (v.l.) die Gaststätten Lampen-Pieper, Kock und Leuters – muss Einschränkungen hinnehmen.
Metelens Gastronomie – hier (v.l.) die Gaststätten Lampen-Pieper, Kock und Leuters – muss Einschränkungen hinnehmen. Foto: Dieter Huge sive Huwe

Die Anordnung war absehbar, hatten doch Kommunen wie Rheine oder Saerbeck bereits am Wochenende den Anfang gemacht: In einer mit dem Kreis Steinfurt abgestimmten Allgemeinverfügung (s. Info) untersagte die Gemeindeverwaltung Metelen am Montag mit sofortiger Wirkung sämtliche öffentliche wie auch private Veranstaltungen bis einschließlich zum 19. April (Sonntag).

Darüber hinaus betrifft diese Verfügung auch die Wirtschaft. Besonders betroffen davon ist in Metelen die Gastronomie. Schankwirtschaften – in der Übersetzung Kneipen – müssen ihren Betrieb einstellen, für Restaurants gibt es strenge Vorgaben. Die örtliche Gastronomie war nach Angaben aus dem Rathaus schon am Sonntag darauf vorbereitet worden, dass diese Einschränkungen kommen würden. Jetzt sind sie in Kraft.

Irene Pieper von der Gaststätte Lampen-Pieper berichtete: „Wir versuchen, das Beste daraus zu machen.“ Die Zwei-Meter-Abstandsregelung ist dabei eine Vorgabe, über die nachgedacht werden müsse. Da man einen Saalbetrieb habe, sei es optional möglich, diesen so zu bestuhlen, dass die Gäste weiter voneinander entfernt speisen, als dass dies bisher der Fall ist. Insgesamt trifft die Corona-Krise die örtliche Gastronomie mit aller Wucht. Irene Pieper berichtet, dass es zahlreiche Stornierungen nicht nur von Vereinen, die ihre Treffen absagten, sondern auch von privaten Gästen gebe.

Alfred Kock vom Altdeutschen Gasthaus Kock bestätigt dies: „Wir haben jede Menge Absagen. Erst heute Morgen sind noch zwei hinzugekommen.“ Als Reaktion auf die Allgemeinverfügung wird Kock seine Tische so neu gruppieren, dass die Gäste im geforderten Abstand voneinander speisen. Abschied nehmen wird er von dem bisherigen Büfett-Angebot seines Hauses. „Wir gehen auf a la Carte“, erläuterte er – ebenfalls eine Reaktion auf die Pandemie. Gäste, die gemeinsam ein Bier am Tresen trinken, wird es mindestens bis zum Weißen Sonntag in seiner Gaststätte nicht geben. „Das ist doch Barbetrieb und der ist untersagt“, so Kock.

Wirtschaftlich treffen ihn die Folgen des Coronavirus hart. „Die laufenden Kosten sind doch da. Ich kann aber gleichzeitig kaum noch etwas erwirtschaften“, klagt der Wirt, der sich darüber hinaus vom Staat allein gelassen fühlt. Noch am Morgen habe er mit seinem Steuerberater die Situation besprochen. Dieser habe praktisch druckfrisch ein Kredit-Angebot von staatlichen Stellen bekommen, um Gewerbetreibende in der Krise zu unterstützen. „Der Zinssatz von acht Prozent war ein Witz“, ärgerte sich Kock. Immerhin will er den Biergarten – wenn das Wetter mitspielt – öffnen. Doch auch hier gilt: Zwei Meter Abstand zwischen den Besuchern.

„Wir werden die Tische weiter voneinander entfernt aufbauen“, schaut Heike Leuters auf den Biergarten ihrer Gaststätte. Aktuell sei man dabei, auf die Verfügung zu reagieren. Am Montag – da hat Leuters Ruhetag – wollte man entsprechende Schilder anfertigen, die auf den Tischen im Gastraum aufgestellt werden, die ab sofort nicht genutzt werden sollen. So könne man die Zwei-Meter-Regel einhalten. Auch Heike Leuters berichtet von vielen Absagen der Vereine und auch privater Feiern, die bereits eingegangen seien.

Doch die Gastronomin zeigte sich auch erfinderisch. „Wir bieten jetzt einen Lieferservice an“, erklärt sie. Die Speisen – auch die der Mittagskarte – würden ab sofort auch außer Haus geliefert – in der Ortslage ohne Aufpreis. Die Idee: Wenn die Gäste nicht ins Restaurant kommen können oder möchten, kommt das Essen eben zu ihnen.

Egon Tillack hat gleich zwei wirtschaftliche Standbeine in der Gastronomie. „Im Marktgrill haben wir schon die Hälfte der Tische rausgetragen, um die Abstandsregelung einhalten zu können“, beschreibt er die Situation im Imbiss. Er hofft, das es keine weiteren Einschränkungen geben wird: „Sonst bliebe uns nur der Außer-Haus-Verkauf“. Also nur noch Manta-Platte und andere Grill-Spezialitäten über den Tresen hinweg für den Genuss daheim.

Sein Partyservice, den Tillack ebenfalls betreibt, sei gänzlich zum Erliegen gekommen. „Wir haben bis zum 19. April alle Buchungen storniert“, beschreibt der Metelener die Situation. Private Feiern, die er und seine Mannschaft mit Speisen, aber auch mit dem notwendigen Geschirr bestücken, sind gänzlich abgesagt. Für den Partyservice gibt es entsprechend nichts mehr zu tun.

Als Reaktion auf die Maßnahmen der Behörden und die Absagen der Kundschaft will Tillack das Personal im Grill reduzieren und für die Mitarbeiter im Partyservice Kurzarbeit anmelden: „Anders geht´s nicht.“

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